Österreich: Diskussionen um Studie zu Rotwild-Winterfütterung

In Österreich sorgt eine Studie des Büros für Wildökologie und Forstwirtschaft Horst Leitner für Diskussionen. Die Studie “Wildmanagement Gailtaler Alpen II” untersucht, wie sich die Beendigung der seit Jahrzehnten erfolgenden Winterfütterungen auf den Wald und die Rotwildbestände auswirkt. Das laut ORF “erstaunliche Resultat” war, dass sowohl die Fallwildzahlen, als auch die Schälschäden zurückgingen. In einer PowerPoint-Präsentation werden die Studienergebnisse wie folgt zusammengefasst:

Füttern mindert die Wildschäden in den Gailtaler Alpen nicht
Die Fütterungsauflösung war bei einem Wildbestands von rd. 5 Stück auf 100ha aus betrieblicher Sicht erfolgreich
Schälschäden treten in Wintern mit lang andauernder Schneebedeckung vermehrt auf
Die Rotwildsterblichkeit nimmt ohne Fütterung in Normalwintern im Vergleich zu Gebieten mit Fütterung nicht zu
Ungestörtes Rotwild passt Raumverhalten rasch auf Verhältnisse ohne Fütterung an

Als Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bilanz nach fünf Jahren (die Fütterung wurde 2013 eingestellt) geben die Studienautoren an:

Rotwild kann weitgehend ungestört überwintern
Waldausstattung > 90 % (Sommerlebensraum ähnlich groß wie Winterlebensraum)
Rotwilddichte ist mit 5 Stk/100 ha einigermaßen dem Lebensraum angepasst

Definition Erfolg:

– kein Anstieg der Schäden durch Wild am Wald
– In Ausnahmewintern wird natürliche Mortalität und damit eine natürliche Populationsschwankung zugelassen
– Die Nachbarjagdgebiete haben bessere Chancen mehr Rotwild zu erlegen (Bsp.: Jagdjahr 2017)

Daraus geht hervor, dass die Voraussetzungen für eine Beendigung der Fütterungen nicht flächendeckend gegeben sein dürften: Die Möglichkeit, weitgehend ungestört zu überwintern, hat das vielerorts nicht. In Gebieten, die dichter besiedelt oder stärker von Tourismus und Wintersport heimgesucht sind, werden sich die Ergebnisse also vermutlich nicht reproduzieren lassen.

Es ist sehr fragwürdig, das massenhafte Verhungern des Rotwilds “in Ausnahmewintern” als “natürliche Mortalität und damit […] natürliche Populationsschwankung” darzustellen, da dem Rotwild in der be- und zersiedelten Kulturlandschaft meist die Möglichkeit genommen wurde, bei strengen Wintern in tiefere Tallagen auszuweichen. Für Diskussionsstoff ist also gesorgt. red.

Beitragsbild: Titel der Studie “Wildmanagement in den Gailtaler Alpen II” des Büros für Wildökologie und Forstwirtschaft e.U. (Screenshot)

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