Österreich: Almbauern stellen Antrag auf Problemwolf-Entnahme

+++ Brandenburg: Neun Kälber gerissen, weitere spurlos verschwunden – “Viehhalter verzweifelt” +++ Sachsen: Tote Kälber im Erzgebirge – Landratsamt verweigert DNA-Untersuchungen +++ Thüringen: Wolfsmanagementplan wird überarbeitet +++ Südtirol: Almwirtschaft vor dem Aus? +++

20 bis 25 tote Schafe in Großarl, weitere 20 Tiere werden vermisst

Brandenburg: Sechs Wolfsangriffe seit 2016 – erster Berufsschäfer gibt auf

Nach einem durch eine DNA-Analyse bestätigten Wolfsriss vor ein paar Wochen, wurden in den vergangenen Tagen weitere tote Tiere im Bereich der Tofernalm in Großarl im österreichischen Bundesland Salzburg gefunden. Das Rissbild deutet eindeutig auf weitere Wolfsrisse hin. Landesrat Josef Schwaiger und der Wolfsbeauftragte des Landes Salzburg, Hubert Stock, trafen sich am Sonntag vor Ort mit betroffenen Almbauern. Diese werden am heutigen Montag bei der Bezirkshauptmannschaft die Entnahme des Problemwolfes beantragen.

20 bis 25 Schafe, etwa ein Viertel der aufgetriebenen Herde, sind seit Anfang Juli vom Wolf gerissen worden, weitere zirka 20 Tiere werden vermisst. „Der Managementplan des Landes Salzburg spricht von einem Problemwolf, wenn innerhalb eines Monats 25 Tiere getötet werden. Das ist hier der Fall. Daher unterstützen wir die betroffenen Almbauern, wo wir können“, betonte Landesrat Josef Schwaiger als er sich am Sonntag in Großarl ein Bild von der Situation machte und mit den Landwirten intensive Gespräche führte.

Wolfsbeauftragter berät Betroffene

Mittlerweile wurden die Tiere aus Sicherheitsgründen von der Tofernalm geholt. Der Antrag zur Entnahme des Problemwolfs wird in enger Abstimmung mit dem Wolfsbeauftragten Hubert Stock erfolgen. „Das wird am Montag geschehen“, so Stock.

Bezirkshauptmannschaft leitet Ermittlungsverfahren ein

Der Pongauer Bezirkshauptmann Harald Wimmer ist auf den Antrag zur Entnahme vorbereitet und betont: „Sobald er bei uns eingelangt ist, leiten wir ein Ermittlungsverfahren ein, prüfen die gesetzlichen Rahmenbedingungen und wickeln den Fall bescheidmäßig ab”, wie das Land Salzburg mitteilt.

Naturschutzbund gegen Abschuss

Ein Vertreter des Salzburger Naturschutzbundes erklärte gegenüber den Salzburger Nachrichten, er sehe “keinen Anlass für einen Abschuss”. Erst müsse geprüft werden, wie die Schafe geschützt wurden. Der Herdenschutz mit Hirten und Hunden müsse forciert werden, es könne nicht sein, dass man jeden Wolf, der vorbeikomme und Schafe reiße, abschieße. PM/SE

Brandenburg: Schäfer gibt auf

Der Brandenburger Schafhirte Dirk Hoffmann schmeißt hin: Sechs Wolfsangriffe auf seine Herden musste er seit 2016 hinnehmen, seine Herde wurde beinah halbiert: Von einst 600 Mutterschafen sind nur noch 324 übrig, berichtet die MAZ. Er könne “den Anblick von verletzten Tieren mit aufgerissenen Bäuchen nicht mehr ertragen”, erklärte der Ex-Schäfer gegenüber der MAZ. Man müsse sie ja dann auch noch erlösen, das traumatisiere. Für den geforderten “Grundschutz”und Herdenschutzhunde fehlen vielen Schäfern die Mittel. Dirk Hoffmann muss sich mit solchen Fragen nicht mehr herumplagen – er gibt seine Herde ab und will wegziehen. Wovon er künftig leben will, geht aus dem Artikel in der MAZ leider nicht hervor. Wen interessiert auch schon ein nebensächliches menschliches Schicksal angesichts dieses großartigen Artenschutz-Erfolges… SE

Beitragsbild: Landesrat Josef Schwaiger mit Altbauer Rupert Prommegger und dem Obmann der Agrargemeinschaft Tofernalm, Gerhard Huttegger am 14.07. Quelle: Land Salzburg

4 Gedanken zu „Österreich: Almbauern stellen Antrag auf Problemwolf-Entnahme

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Wenn ich diese Überschrift und die darunter liegenden lese, beschleicht mich eine Vorahnung, dass das Artenschutzprogramm Wolf aus dem Ruder gelaufen ist, vorsichtig ausgedrückt. Der Schritt von einer gesetzlichen zu einer ungesetzlichen Lösung ist ein sehr kleiner doch er rückt näher und näher. Offensichtlich wagt sich kein Offizieller oder Politiker zu sagen “Jetzt ist es genug”, denn es ist genug.

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  2. Ralf

    @Carpe Diem:
    Im Grunde genommen war die Entwicklung absehbar. Mich irritiert nur, dass die Politik es weiter weitestgehend aussitzt. Und dies mit der Begründung, dass doch bislang (noch) nichts passiert sei… . Aufwachen ist angesagt.
    Wenn Bundesumweltministerin Svenja Schulze in Deutschland lieber Wildnis mit Steuergeldern wiederherstellen möchte, anstatt für vernünftiges Wolfmanagement zu sorgen, dann kann man nur mutmaßen, ob dadurch einzig und allein ihre NaBu-Vereinsgenossinnen und Genossen profitieren werden (Stichwort Projektfinanzierung).
    Schulzes “Lex Wolf” alleine wird der Problematik jedenfalls nicht gerecht werden können.
    Ich habe mir neulich eine Sendung aus der Konserve des NDR angehört und muss sagen, dass die Menschen mit der Wolf-Problematik weiter alleine gelassen werden.
    Wer sich die Sendung anhören möchte:
    https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Jetzt-reichts-Der-Wolf-und-die-Buerger,rodewalderwolf100.html

    Helmut Dammann-Tamke hat Recht, wenn er in der Veranstaltung die Aufnahme der Wölfe ins Jagdrecht mit Jagdzeit fordert. Da bin ich ganz seiner Meinung. Nur so kann man am schnellsten auf Wolfrisse und die Zunahme der Wolfbestände reagieren. Alles andere ist Murks und mit erheblichen Verwaltungsaufwendungen (Antragstellungen, Wartezeiten, etc.- bei “Lex Wolf” wird es weiter Antragstellungen und Wartezeiten geben) verbunden.

    Ich wage die Frage aufzuwerfen, ob z.B. das problematische “Cuxlandrudel”, von dem man weder was gehört noch gesehen hat, nach Polen zurückgewandert ist, sich hat zum Unproblematischen umpolen lassen (auf welche Art auch immer) oder ob die Menschen sich illegalerweise irgendwie selbst beholfen haben. Aber sollte der letztgenannte Fall eingetreten sein, dann kann man es den Menschen nicht einmal übel nehmen. Wer duldet eine Dauergefahr neben sich. Und komme mir bitte jetzt niemand damit, dass Wölfe harmlos seien! U.a. in Bautzen könne man ein Lied davon singen, habe ich mir sagen lassen. Mir braucht auch keiner damit kommen, dass der Wolfabschuss die Probleme erhöht. Der Wolf, der geschossen wurde, wird keinen Schaden mehr anrichten können. Und es wird auch nicht helfen, auf Schonzeiten Rücksicht zu nehmen wenn es darum geht, dass Alpha-Wölfe ihr Verhalten (z.B. Spezialisierung auf Weidetiere) nicht an den Nachwuchs weitergeben sollen.
    Ich hoffe auf eines bei den Verantwortlichen: Gesunder Menschenverstand

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    1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

      Der gesunde Menschenverstand wurde und wird durch eine überbordende Rechtsstaatlichkeit nicht mehr benötigt, und manche r Politiker/In entdeckt darin bereits etwas antidemokratisches. Der Frust entläd sich eruptiv in den asozialen Medien und die “innere Kündigung” gegenüber der Obrigkeit ist Fakt.

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  3. Ronbi

    Die ersten Landwirte geben auf. Das ist gewollt vom modernen Naturschutz. Rewilding. Die Menschen in die Städte, die Natur der Natur.
    Landwirtschaft in großen Fabrikklötzen, oben die Tomaten, unten die Schweinderln. Schöne neue Welt,

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