Ökumenisches Anschuss-Seminar

Das hat Vorbild-Charakter: Die Jagdschule des Brandenburger Jagdverbands König-Wusterhausen veranstaltet im Rahmen der Jungjägerausbildung jeweils ein Anschuss-Seminar, in dem die Jagdscheinaspiranten mit den Grundlagen des Nachsuchewesens vertraut gemacht werden. Die Veranstaltung beginnt mit einem Vortrag, in dem die Jagdschüler alles Wesentliche über Grundlagen, rechtliche Rahmenbedingungen und die Hundearbeit erfahren, aber zum Beispiel auch, wie man Nachsucheführer in seiner Umgebung ausfindig macht und erreicht oder wie man sich am Anschuss und während einer Nachsuche verhält. Das alles aus erster Hand und von wirklich erfahrenen Praktikern.

Dann geht es auch schon direkt in die Praxis: Einem bei einem Verkehrsunfall getöteten Frischling werden post mortem verschiedene Schüsse beigebracht: Gebrechschuss, Laufschuss, Weidwundschuss. Hinter dem auf einem eigens konstruierten Gestell aufgehangenen Frischling ist weiße Folie ausgelegt, damit die Jagdschüler die verschiedenen Pirschzeichen bei unterschiedlichen Trefferlagen studieren können.

Armes Schwein: Der überfahrene Frischling diente pädagogischen Zwecken. Fotos: SE

Zum Vergleich erfolgt auch ein Beschuss ohne weiße Plane, was sehr anschaulich verdeutlicht, wie schwer es in der Jagdpraxis ist, überhaupt einen Anschuss ohne Hund überhaupt zu finden. Überzeugender lässt sich nicht vermitteln, warum jeder Anschuss nachgesucht werden muss und wie leichtfertig es ist, sich durch bloße Inaugenscheinnahme eines Anschusses von einem vermeintlichen Fehlschuss überzeugen zu wollen.

Schnitthaar und Knochensplitter: Ein Jagdschüler untersucht den Anschuss. Foto: SE

Die Jagdschüler des Jagdverbands KW waren mit Feuereifer dabei, untersuchten akribisch die Anschüsse und löcherten die Nachsuche-Profis mit unzähligen Fragen – eine wirklich gelungene Veranstaltung, an die die Jagdschüler später in der Jagdpraxis sicherlich noch oft mit Gewinn zurückdenken werden.

Mit Feuereifer dabei: Jagdschüler beim Anschuss-Seminar, dass der JV Königs Wusterhausen im Rahmen der Jungjägerausbildung veranstaltet. Foto: SE

Bemerkenswert auch, dass das Anschuss-Seminar gemeinsam und in bestem Einvernehmen von drei Nachsucheführern aus den drei großen Schweißhundeverbänden Deutschlands durchgeführt wurde: Manuela vom Schweißhundeverein Deutschland (SHVD), Ulf vom Verein Hirschmann (VH) und Jörg vom Klub Bayerischer Gebirgsschweißhund (KBGS). Die drei arbeiten auch in der Nachsuchenpraxis gelegentlich zusammen, gegenseitige Wertschätzung und das gemeinsame, verbindende Interesse an hochprofessioneller Nachsuchenarbeit lassen Rassefragen und Vereinsgedöns vollkommen belanglos erscheinen. Pragmatische Zusammenarbeit zum Wohl des Wildes – an der Basis funktioniert das problemlos, der eine oder andere Jagdhundeverein könnte es sich direkt zum Vorbild nehmen… SE

Beitragsbild: Manuela vom SHVD, Ulf vom VH und Jörg vom KBGS beim Anschuss-Seminar des JV KW. Fotos: SE

4 Gedanken zu „Ökumenisches Anschuss-Seminar

  1. Ralf

    …Traurig find ich nur, dass man die Gesichter von Jägern unkenntlich machen muss, damit diese von Jagdgegnern nicht bedroht werden können! Das ist nicht normal! In welcher Welt leben wir eigentlich!?

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    1. admin Beitragsautor

      Na, das einträgliche Zusammenarbeiten der drei Schweißhundkonfessionen VH, KBGS und SHVD – die beiden ersteren pflegen ja eine langjährige Feindschaft mit dem bösen “Dissidenten”-Verein. SE

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