Nürnberg: Proteste wegen Gänseabschuss dauern an

Mangelnde Tötungswirkung? Beim Gänseabschuss wurde Stahlschrot verwendet

Den ganzen Montag habe ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung Fragen von aufgebrachten Bürgern und Medienvertretern wegen des Gänseabschusses in einer Nürnberger Grünanlage beantworten müssen, berichtet nordbayern.de. Nach dem, was ein Behördenmitarbeiter auf nordbayern.de beschreibt, ist die Vergrämungsaktion indes ziemlich vorbildlich abgelaufen: Mit fünf Schüssen und einem Nachschuss seien fünf Gänse – zwei Kanada- und drei Graugänse – tödlich getroffen worden. Es ist also eine nahezu hundertprozentige Trefferquote zu vermelden, die beteiligten Schützen verstehen offenbar ihr Handwerk. Ein brauchbarer Jagdhund war dem Bericht zufolge dabei, wurde aber nicht eingesetzt, da niemand die angeblich krank geschossene und nicht nachgesuchte Gans bemerkt hat.

Bisher liegen übrigens keine Berichte darüber vor, dass die angeblich krank geschossene Gans untersucht worden wäre. Ob diese tatsächlich angeschossen wurde, ist daher bislang als unbewiesene Behauptung zu werten. Dass sich die Jäger nicht die Zeit genommen haben, alle Seebereiche nach der Jagd mit dem Hund abzusuchen, dürfte auch der Anwesenheit filmender und vermutlich lauthals protestierender Tierschützer zuzuschreiben sein. Schließlich will sich niemand freiwillig zur Zielscheibe fanatischer Tierschützer machen und in YouTube-Videos öffentlich an den Pranger gestellt werden. Wie berechtigt solche Befürchtungen sind, zeigen die Morddrohungen gegen den Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel (JAWINA berichtete). Von der Stadt wäre demnach zu verlangen, dass die Bereiche, in denen Vergrämungsmaßnahmen erfolgen sollen, weiträumig und lange genug abgesperrt werden, um eine ordnungsgemäße Durchführung der Maßnahme und den Schutz der beteiligten Jäger zu gewährleisten.

Die hervorragende Trefferquote der beteiligten Jäger ist umso höher zu bewerten, als dem oben zitierten Behördenmitarbeiter zufolge vorschriftsgemäß mit ökologischem bleifreiem Stahlschrot geschossen wurde. Dessen Tötungswirkung ist gerade auf die aufgrund ihres dichten Gefieders schussharten Gänse erfahrungsgemäß nicht immer optimal. Zudem ist die Gefahr von Abprallern gegenüber herkömmlichem Bleischrot deutlich erhöht. Es ist also durchaus denkbar, dass die Öffentlichkeit hier einmal erleben durfte, was das Verbot von Bleischrot in der Praxis für das Tierwohl bedeutet.

Was man an den diversen Äußerungen und Verlautbarungen der Stadt und ihrer Bediensteten bisher schmerzlich vermisst, ist, dass diese sich ohne Wenn und Aber vor die Jäger stellen, die im Auftrag der Stadt und nicht zu ihrem Privatvergnügen tätig geworden sind. Gegen die Jäger sind Strafanzeigen gestellt worden, sie sind in den asozialen Medien einem veritablen Shitstorm und massiven Drohungen ausgesetzt. Verständlicherweise will sich der Jagdpächter nicht zu dem Fall äußern.

Aber man kann wohl davon ausgehen, dass die Nürnberger Jäger sich künftig sehr gut überlegen werden, ob sie noch einmal im Auftrag der Stadt zur Gänsejagd ausrücken. Sollen die Behörden ihr Gänsekotproblem doch allein oder in Zusammenarbeit mit den empörten Tierschützern lösen. Letztere könnten beispielsweise im 24-Stunden-Schichtdienst als Vogelscheuchen um die sensiblen Bereiche postiert werden und/oder mit speziellen Schabern und Eimerchen ausgerüstet die bakterienbelasteten Hinterlassenschaften der Gänsescharen einsammeln.

Solange der Staat nicht die Rechtssicherheit und den Schutz von Persönlichkeitsrechten von Jägern gewährleistet, die im Behördenauftrag bei Vergrämungsaktionen, Wildunfällen oder auch der Stadtjagd Hilfsdienste leisten sollen, kann die Antwort auf entsprechende Anfragen nur lauten: Nein danke, lieber nicht. SE

Beitragsbild: Gänse. Foto: SE

2 Gedanken zu „Nürnberg: Proteste wegen Gänseabschuss dauern an

  1. Lobo

    Wenn das mit der angeschossenen Gans mal kein Fake ist, zumal die Gänsejagd schon vorher im Blickpunkt der Tierschützer stand. Ähnliche Täuschungsmanöver gabs es schon von Tierschutzseite mit Füchsen im Saarland und mit Waschbären in Hessen. Die angeblich krank geschossene Gans sollte am besten von einemneutralen veterinärmedizinischen Instititut in Österreich oder der Schweiz untersucht werden. Die im Saarland angeblich von Jägern erschossene führende Fuchsfähe war nämöich erschlagen worden. Und das hatte das veterinärmedizinische Instititut der Universität Wien festgestellt. Dort hatte die saarländische Jägerschaft wohlweislich das tote Tier untersuchen lassen.

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