NRW: Polizei erschiesst 77-jährigen Jäger in Bochum

Am Donnerstag vergangener Woche (18. April)  ging bei der Polizei in Bochum ein Notruf ein: Ein Anrufer meldete, dass er auf dem Friedhof an der Kirchhapener Straße im Stadtteil Gerthe einen Mann “mit einer vermutlich durchgeladenen Schusswaffe” beobachte. Angeblich bedrohte der Senior dann die eintreffenden Polizisten. In der gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei Essen und Staatsanwaltschaft Bochum liest sich die Schilderung des weiteren Vorgangs so: “Sofort alarmierte Einsatzkräfte trafen den beschriebenen Waffenträger auf dem Friedhof an. Seitens des Mannes kam es zu einer Bedrohungshandlung gegen die eingesetzten Beamten. Zum eigenen Schutz schossen die Polizisten auf den 77-Jährigen. Der Mann wurde erheblich verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Aus Neutralitätsgründen hat eine Mordkommission der Polizei Essen die Ermittlungen übernommen.” Beim WDR heißt es lediglich, die Beamten hätten “sich bedroht gefühlt”. Die Polizisten schossen mehrfach auf den Rentner, drei Schüsse trafen nach bisherigen Erkenntnissen seinen Oberkörper.

In einer Folgemeldung wird der Tod des 77-jährigen vermeldet: “Am Samstagabend (20. April) verstarb der 77-Jährige an seinen Verletzungen.  Das zuständige Amtsgericht hat für den heutigen Nachmittag (21.04.) die Durchführung eine Obduktion beschlossen.” Jetzt stellt sich heraus: Der Rentner soll auf dem Friedhof ganz legal im Auftrag der Stadt Kaninchen bejagt haben. Damit bekomme der Fall “eine völlig neue Wendung”, schreibt die WAZ zutreffend.

Dem Bericht der Zeitung zufolge war auch die Frau des Jägers bei der Kaninchenjagd anwesend. Diese schildert den Vorgang ganz anders als die Polizisten: Demnach habe der 77-jährige den Aufforderungen der Beamten sofort Folge geleistet, als er von den Polizisten angesprochen wurde. Er habe seine Waffe vor sich auf den Boden gelegt und sich zudem hingekniet. Zu einer Bedrohungslage sei es nicht gekommen.

Die Stadt Bochum bestätigte der WAZ, dass sie beschränkte Jagderlaubnisse für die städtischen Friedhöfe ausstellte, die Kreisjägerschaft teilte mit, dass es Listen der Erlaubnisinhaber gebe, die der Unteren Jagdbehörde vorlägen und dass sich Jäger üblicherweise bei der Polizei anmeldeten, bevor sie auf den innerstädtischen Grünflächen jagten.

Derzeit werde geprüft, ob der Erschossene beauftragt war, auf dem Friedhof die Kaninchenplage zu bekämpfen. Die zwei an dem Vorfall beteiligten Beamten sind krankgeschrieben und werden von Spezialisten betreut.

Die Ermittlungen hat eine Mordkommission der Essener Polizei übernommen, um die Neutralität zu wahren. Die Polizei sucht nach Zeugen, die den Vorfall auf dem Friedhof beobachtet haben oder zusätzliche Hinweise geben können. Insbesondere die Passanten, die sich am Tatabend gegen 18 Uhr auf dem Friedhof an der Kirchhapener Straße befanden, werden gebeten sich dringend bei der Polizei unter der Telefonnummer 0201/829-0 zu melden. PM/SE

Beitragsbild: Jägerhut. (Symbolbild). Foto: SE

7 Gedanken zu „NRW: Polizei erschiesst 77-jährigen Jäger in Bochum

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    neuester Polizei-Anwenderleitfaden zur Deeskalation: “Bum, bum, bum – halt- wer da?”

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    1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

      Warum sollte die Frau lügen? Waren da Hubert und Staller unterwegs?
      Es gibt zu viele Fälle, die ähnlich viel Leid über die Betroffenen gebracht haben. Das Ansehen der Polizei ist im Keller, weil dort genommen wird, was sonst nichts wird. Und die Städter sehen hinter jedem – Jäger?- einen Terroristen und rufen nach dem SEK. Es ist eine Schande, was diese Politik aus den Menschen mental gemacht hat. Früher war der Polizist Respektsperson heute ein Fall für den Psychiater.

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  2. Anko

    Klingt schwer vermittelbar, wie sich da eine die Schussabgaben auch nur verständlich erscheinen lassende Situation ergeben haben soll. Den Hinterbliebenen und der Ehefrau, die sich nach anderen Berichten mit dem dann Erschossenen auf dem Friedhof aufgehalten habe, wünsche ich viel Kraft und, dass der Fall umgehend gründlichst aufgearbeitet wird.

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  3. Ronbi

    Starke Geschichte, besonders bei mehreren Schussabgaben auf den vermeindlich Verdächtigen.
    Aber ich war nicht dabei und kenne die Details nicht.
    Nur so viel, auf der einen Seite Überreaktionen von der Polizei, auf der anderen Seite Clanbildung von Verbrechern, No Go Gegenden und fehlender Respekt.
    Den Hinterbliebenen, Kraft und starke Nerven.

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  4. Zündelnerlaubt

    Das klingt auf jeden Fall sehr merkwürdig. Meine Anteilnahme den Hinterbliebenden und eine neutrale Aufklärung.
    Polizisten mit evtl. nervösen Zeigefingern und zivile Wafenträger die sich evtl. den Ordnungskräften nicht kooperativ zeigen können wir nicht brauchen.
    Brauchen können wir auch keine Paranoia

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  5. Jäger75

    Mal sehen wann auch das Kind mit dem Wasserpüsterich eine bedrohliche Situation erzeugt und wann wir amerikanische Verhältnisse haben. Und meine Vermutung ist das es sich bei der Klärung des Falls herausstellen wird, das es sich um eine Verkettung von ganz ganz unglücklichen Umständen handelt und dem Freund und Helfer hier kein Vorwurf gemacht werden kann. Den Hinterbliebenen wünsche ich viel Kraft.

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