NRW: Pferdesport- und Zuchtverbände warnen vor traumatisierenden Erfahrungen durch Wolfsrisse

Neun Pferdesport- und Zuchtverbände aus NRW und der Dachverband, die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) haben ein Positionspapier veröffentlicht, das die Probleme der Pferdehalter und -züchter mit der Wiederbesiedlung des Landes durch Wölfe thematisiert. Die Grundhaltung der Pferdeleute zur Wiederansiedlung des Wolfs wird in dem Papier wie folgt beschrieben:

“Pferdehalter erleben die Rückkehr des Wolfes mit gemischten Gefühlen. Die Faszination, die viele Menschen mit dem Wolf verbinden, können wir nachempfinden – gleichzeitig sind wir in Sorge um die uns anvertrauten Pferde und Ponys, deren Wohl und Schutz unsere ausdrückliche Aufgabe ist.

Den derzeitigen öffentlichen Diskurs erfahren wir als emotional stark aufgeladen und zuspitzend. An vielen Stellen vermissen wir die sachliche Betrachtung und die angemessene Abwägung von Interessen. Uns besorgt besonders die Einseitigkeit, mit der dem Thema vielerorts begegnet wird.

Wir fordern die gewählten Interessenvertreter dazu auf, den polarisierenden und oftmals zynisch anmutenden Diskussionen energisch entgegen zu treten, sie zu versachlichen und sich kraftvoll für die berechtigten Interessen der Pferde und Pferdehalter einzusetzen. Diese dürfen mit den kommenden Herausforderungen nicht allein gelassen werden. Ihre Verantwortung für die Unversehrtheit ihrer vierbeinigen Sport- und Freizeitpartner und ihres Zuchtbestandes muss ernst genommen werden.”

Im Fortgang werden die Probleme, die sich aus der Rückkehr des Wolfs für Pferdehalter ergeben, dargestellt: Das beginnt bei der Problematik von Wolfsschutzzäunen für Pferdehalter, an die spezielle Anforderungen gestellt werden müssen, um Verletzungsgefahr für Pferde auszuschließen. Insbesondere in Hinblick auf die oftmals sehr weitläufigen Weideflächen ist damit die Wirtschaftlichkeit auch bislang erfolgreicher Betriebe gefährdet.

Zu Recht weisen die Verbände darauf hin, dass wolfssichere Zäune auch viele andere Tiere von den Koppeln und Weiden fernhalten würden, was gravierende ökologische Auswirkungen hätte: “Pferdeweiden gehören zu den Nahrungsquellen des Wildes und auf Grund der pflanzlichen Artenvielfalt eigenen sie sich dazu auch gut. Die übliche und pferdegerechte Einzäunung der vorhandenen Weiden und Koppeln erlaubt Wildtieren problemlos den Zugang zu diesen Nahrungsquellen. Bei der Errichtung von wilddichten Wolfsschutzzäunen muss in Betracht gezogen werden, dass damit auch anderen Wildtieren ein Zugang zu benötigten Futtergründen verwehrt wird. In den Blick genommen werden muss zudem, dass kleinere Tiere, die mit den stromführenden Litzen in 20 cm Höhe in Kontakt kommen, ernsten (auch letalen) Schaden nehmen können.”

Große Sorge bereiten den Pferdehaltern Forderungen, die in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Fortschritte bei der tierschutz- und artgerechten Pferdehaltung durch die Verpflichtung zu (nächtlicher) Stallhaltung zunichte gemacht werden könnten.

Abschließend warnen die Verbände vor den psychischen Folgen, die der Anblick eines von Wolfs gerissenen Pferds auslösen könnte: “Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, dass etwa die Hälfte der mehr als 150.000 organisierten Pferdesportler in den nordrhein-westfälischen Pferdesportvereinen Kinder und Jugendliche sind. Nichts und niemand bereitet sie auf die Möglichkeit der traumatisierenden Erfahrung vor, eines der geliebten Pferde oder Ponys könnte durch einen Wolfsriss getötet oder verletzt werden. Wir möchten dringend empfehlen, auch in dieser Hinsicht über dann benötigte Unterstützung nachzudenken. Betroffene dürfen aus unserer Sicht in solchen Fällen nicht allein gelassen werden. Das gilt selbstverständlich ausdrücklich auch für volljährige Pferdehalter.” SE

Die Stellungnahme wurde von folgenden Verbänden unterzeichnet:

Pferdesportverband Rheinland e.V.
Pferdesportverband Westfalen e.V.
Rheinisches Pferdestammbuch e.V.
Westfälisches Pferdestammbuch e.V.
Islandpferde- Reiter- und Züchterverband Landesverband Rheinland e.V.
Islandpferde- Reiter- und Züchterverband Landesverband Westfalen-Lippe e.V.
Erste Westernreiter Union Rheinland e.V.
Erste Westernreiter Union Westfalen e.V.
Aktionsbündnis Pro Pferd e.V.
Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V

Das Wolfspapier der NRW-Verbände steht hier zum Download bereit.

Beitragsbild: Pferde – die Rückkehr der Wölfe gefährdet die Fortschritte bei der artgerechten Pferdehaltung. Foto: SE

2 Gedanken zu „NRW: Pferdesport- und Zuchtverbände warnen vor traumatisierenden Erfahrungen durch Wolfsrisse

  1. RK

    Traumatisierung wird heute nur rechtfertigend ins Feld geführt, wenn man nicht “das Eigene” adressiert und verteidigen will. Paralellen zu anderen gesellschaftlichen Konflikten (z.B. im Rahmen der Migrationsthematik) möge jeder selbst ziehen (oder nicht).

    Antworten
  2. Zündelnerlaubt

    Das Papier ist doch zunächst treffend formuliert.
    Aber diese Traumanummer? Leute wir können doch nicht alles von den Kindern und Hernwachsenden fernhalten, so traurig ein solches Erlebnis auch wäre, dann muss pädagogisch geschickt und einfühlsam das Erlebte aufgearbeitet werden.
    Es weilen Menschen unter uns (auch unter den Flüchtingen, egal ob aus Ostpreussen oder Syrien) die wesentlich grausameres erlebt und erfahren haben dürfen, niemand hat sie vor Krieg und Vertreibung schützen können, doch wo eine feste und Vertrauensvolle Bindung besteht kann man das halbwegs gesund verarbeiten. Auch wenn Narben bleiben.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.