NRW: Mit Wildschwein verwechselt – Jäger schiesst Fohlen

+++ Saarland: Auf Nachsuche verlaufen – Polizei und Feuerwehr suchen 80-jährigen Jäger +++

In Blankenheim (Kreis Euskirchen) hat ein Jäger ein vier Monate altes Islandpferdefohlen erschossen. Das Pferd wies einen Durchschuss aus einer großkalibrigen Waffe auf, der Kadaver lag in einer Senke etwa 70 Meter von einem Hochsitz entfernt. Das tote Tier wurde erst am nächsten Morgen gefunden. Am Abend zuvor hatte ein Gastjäger aus dem Ruhrgebiet auf dem Hochsitz auf Sauen angesessen. Dieser gab bei einer Befragung an, auf ein Wildschwein geschossen zu haben, das vermeintlich erlegte Tier jedoch nicht gefunden zu haben. Er sei dann nach Hause gefahren. Eine Nachsuche hielt er wohl nicht für erforderlich…

Das Rappfohlen stand auf einer Koppel zusammen mit anderen Pferden. Dass Wildschweine auf Pferdekoppeln zwischen den Pferden brechen, ist nicht ungewöhnlich. Steht ein Pony oder Fohlen in einer Senke, so dass die im Vergleich zum Wildschwein deutlich längeren Beine nicht erkennbar sind, ist die Verwechslungsgefahr durchaus gegeben. Umso größere Vorsicht muss man natürlich walten lassen: Einen Schuss auf 70 Meter in Dunkelheit zwischen die Pferde abzugeben, erscheint äußerst gewagt.

Die Besitzerin des Fohlens hat keine Anzeige erstattet, der Vorfall wurde mit der Zahlung eines vierstelligen Eurobetrags durch den Jäger gütlich beigelegt, wie ein Polizeisprecher gegenüber der JAWINA-Redaktion bestätigte. Einem Bericht des Boulevardblatts Express zufolge wird der Gastjäger in diesem Revier nicht mehr jagen: Der Revierinhaber hat seinen Begehungsschein widerrufen. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung, fahrlässige Sachbeschädigung sei jedoch nicht strafbar, so das Blatt. red.

Beitragsbild: Islandpferd mit Fohlen. Foto: SE

11 Gedanken zu „NRW: Mit Wildschwein verwechselt – Jäger schiesst Fohlen

  1. Zündelnerlaubt

    ….”das vermeintlich erlegte Tier jedoch nicht gefunden zu haben. Er sei dann nach Hause gefahren. Eine Nachsuche hielt er wohl nicht für erforderlich…”
    Keine Frage, Karte lochen

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  2. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Wo lernen diese Leute eigentlich das Handwerk? Sachbeschädigung ??? das ist ein klarer Verstoß gegen den im Jagdgesetz festgeschriebenen Tierschutz, dass auf jeden Fall auf einen Schuss (noch dazu nächtens) eine Nachsuche/ Kontrollsuche zu veranlassen ist. Auf solche Leute kann die grüne Zunft verzichten.

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  3. Jörg Wohlleben / Jowohunter

    völlig unverständlich sein handeln . Frage stellt sich ob der Jagdausübungsberechtigte Ihn darauf hingewiesen hat das dort Pferde stehen . Sollte dies der Fall gewesen sein gibt es eigentlich nur eine Konsequenz aus seinem unüberlegten Handeln !
    Wie war das noch : schieße nie auf etwas wenn Du nicht weißt was es ist . Nennt man auch ansprechen .
    Schade um das Fohlen und hoffentlich hat kein Kind dadurch Alpträume und einen Hass auf uns Jäger

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  4. Ronbi

    Abgesehen vom Verhalten des Jägers, zeigt dieser Fall einmal mehr, dass für das ganze Bundesgebiet, die Erlaubnis für Jagdzieltechnik, für alle jagdbaren Wildarten wünschenswert ist.
    Besonders eignen sich Wärmebildkameras, auf Schwarz Weiß, an der Waffe.
    Da kommt es dann zu keiner Verwechslung mehr, in der Dämmerung und Nacht.
    Auch der Einsatz von Laserzielpunkttechnik, ist von Vorteil.
    Wer das für nicht waidgerecht hält, irrt sich gewaltig.
    Waidgerecht, ist alles, was zu einem sicheren Ansprechen und zu einer sicheren Schussabgabe führt.
    Das Argument, das Wild hätte keine Ruhe mehr in der Nacht ist wenig durchdacht.
    Schließlich ist es die Gesetzeslage und die Verantwortung des einzelnen Jägers, damit wildschonend um zu gehen.
    Man stelle sich vor es wäre kein Pferd, sondern ein Mensch gewesen.

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    1. Zündelnerlaubt

      Ich persönlich glaube es nicht, das es hilfreich ist, das Unvermögen und die schlechte Haltung gegenüber Lebewesen ein positives Argument für Nachtzieltechnik ist, war da nicht letztes Jahr ein Fall in Skandinavien wo jemand trotz dieser Hilfsmittel auf ein Jogger geschossen hat?

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  5. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Ronbi – Die Nachtjagd (im Wald) auf Schwarzwild, und da meine ich “Kuhnacht” ohne das man was sieht, verbietet sich nach meiner Einstellung zur Jagd. Das hat was mit Jagdethik zu tun, Respekt vor der Kreatur. Zugegeben, die Wildschäden durch Sauen sind in der Agrarlandschaft für manchen schmerzhaft teuer. Da ist die Investition in eine kostspielige Nachtsicht(ziel)technik durchaus verständlich. Mir ist aber nicht bekannt, dass dort, wo Vorsatzgeräte genehmigt wurden, die Sauenstrecken adäquat gestiegen wären. Aber der o.g. Fall bezieht sich auf einen schusshitzigen Gelegenheitsjäger, der auf etwas schoss, dass er als Sau angesprochen hatte aber jeglichen Respekt vor der Kreatur vermissen ließ und daher ohne Kontrollsuche nach Hause fuhr. Dieser Zeitgenosse hätte sich auch mit Nachtsichttechnik so verhalten.

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    1. Ronbi

      Diesen Zeitgenossen habe ich ausdrücklich ausgenommen.
      Ich würde sogar an seiner Jagderlaubnis knabbern.
      Das Problem, des sicheren Ansprechens und der sicheren Schußabgabe, bleibt.
      Besonders jetzt, in der heraufziehenden Dunklen Jahreszeit.
      Aus Respekt vor dem Leben, vieles zu unterlassen, versteht sich von selbst.
      Oder sollte es zumindest.

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    2. jochen

      Vielleicht steigt die Strecke nicht adäquat an, aber sauberes Ansprechen und gute Trefferpunktlage alleine, sind eigentlich schon Grund genug. Ich werde nie verstehen, was am schießen in der Nacht, auf dunkle grunzende Klumpen, waidgerecht sein soll.

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  6. Ulf Muuß

    @ Jochen: ich kann Sie beruhigen. Durch Nachtzieltechnik wird weder das Ansprechen noch die Treffpunktlage verbessert. Es verschieben sich lediglich die Grenzbereiche. Die Nachsuchenführer haben die Anschüsse nicht mehr 50 m vor dem Hochsitz, sondern 150 m. Viele Jäger haben vergessen dass man das Wild auch in Ruhe lassen kann wenn das Licht nicht mehr reicht…

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    1. jochen

      Tja, natürlich kommt es immer noch auf den einzelnen drauf an, der ist für seinen Schuß verantwortlich. Wer das schon bei Tageslicht nicht anständig hinbekommt, der wird sich auch nachts nicht ändern. Es ist wie immer im Leben, es gibt solche und solche. Es bleibt auch Faktum und jeder mit WBK weiß das auch, man sieht wichtige Dinge, die einem sonst entgehen. Nachsuchen gibt es immer, auch bei bestem Tageslicht, obwohl da draußen, nach eigenen Aussagen, ja nur noch Scharfschützen rumlaufen, die einer Fliege das Auge ausschießen können. Wieviel Promille würden ihre Sauen wohl nachts bei 150m schießen? Ich tippe auf: überschaubar. Mit oder ohne NZG wird sich an die 40m Kirrung gehockt und die Sauen dort beflakt! Warum? Weil vielerorts der Wildschaden sie dazu zwingt. Ich würde dem Wild gerne viel mehr Ruhe gönnen, ob Nachts oder in der Schonzeit, aber man gönnt uns auch keine Ruhe. Solange ich nicht im Lotto gewonnen habe und mir der Wildschadenschätzer egal sein kann, muß es eben anders gehen.

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