NRW: LANUV bestätigt weitere Wolfsnachweise im Kreis Wesel

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Dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) liegen weitere genetische Ergebnisse des Senckenberg Forschungsinstitutes auf Wolfnachweise Schermbeck-Gahlen im Kreis Wesel vor. So ergaben bei drei Übergriffen auf Schafe in der zweiten Augusthälfte Analysen von Speichelproben, dass die Nutztiere von einem Wolf getötet beziehungsweise verletzt wurden. Im Einzelnen handelt es sich dabei um zwei tote Schafe am 19. August 2018, fünf tote und zwei verletzte Schafe am 28. August 2018 und zwei tote Schafe am 29. August 2018. Zudem wurden in angrenzenden Waldgebieten im Juni und im August Kotproben (Losungen) gefunden, die ebenfalls genetisch einem Wolf zugeordnet werden konnten.

Bei einer Individualisierung der Losungsproben vom Juni und der Speichelprobe vom Schafriss vom 29. August 2018 konnte nachgewiesen werden, dass die Proben vom selben Wolf stammen, einem weiblichen Tier aus dem Nachwuchs eines Rudels aus Schneverdingen in Niedersachsen.

Aufgrund der jüngsten Häufung von Wolfsnachweisen wird das Wolfsmonitoring im Kreis Wesel verstärkt. Geplant ist der Einsatz von Wildkameras in Absprache mit den betreffenden Waldbesitzern und Jagdrevierinhabern. Für den konkreten Nachweis auf einen standortreuen Wolf bedarf es nach den bundesweiten Richtlinien zum Wolfsmonitoring wiederholter und individualisierter Nachweise innerhalb von sechs Monaten. Diese liegen bisher nicht vor.

Die Schafhalter wurden über die aktuellen Ergebnisse informiert. Sie können über die Förderrichtlinien Wolf des Umweltministeriums eine Entschädigung für die gerissenen Tiere sowie angefallenen Tierarztkosten erhalten. Die aktuelle „Förderrichtlinie Wolf“ ist Teil des nordrhein-westfälischen Wolfmanagementplans und sieht Entschädigungsleistungen für gerissene Nutztiere vor, sofern ein Wolfsnachweis erfolgt ist.

Beim Landesumweltamt (LANUV) können Hinweise auf Wölfe unter der Telefonnummer 02361-305-0 gemeldet werden. Außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende in der Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUV: 0201-714488.

Weitere Angaben zum Wolfsmanagement in Nordrhein-Westfalen (Verbreitungskarte, Luchs- und Wolfsberater in NRW, Förderrichtlinien Wolf NRW) gibt es im Internetangebot des LANUV „Der Wolf in NRW“: https://www.lanuv.nrw.de/natur/artenschutz/der_wolf_in_nrw/ PM

Beitragsbild: Grauwolf. Autor: Gary Kramer, US Fish & Wildlife Service

Ein Gedanke zu „NRW: LANUV bestätigt weitere Wolfsnachweise im Kreis Wesel

  1. Frank

    Eine genauere Lokalisierung des Vorfalls wäre interessant – leider schweigt sich der Link zum LANUV dazu aus rsp. weist keine präzise Karte der Region auf.
    Das Örtchen Gahlen liegt südlich des Lippe-Seiten-Kanals, Schermbeck dagegen nördlich der Lippe. Südlich – also auf der Gahlener Lippeseite – dehnt sich der Hünxer Wald als größeres geschlossenes Waldgebiet aus, das eine bewaldete Verbindung zum ebenfalls ausgedehnten Waldgebiet der Kirchheller Heide aufweist; beide sind östlich und westlich verkehrstechnisch nur von den Autobahnen A31 und A2/A3 begrenzt und stark von Naherholungsverkehr frequentiert. Über den Hiesfelder Wald und die Königshardt besteht eine westliche Waldverbindung in den Oberhausener Norden, im Osten über den Köllnischen Wald eine in den Bottroper Norden, in dem auch der Ort Kirchhellen liegt.
    Nördlich der Lippe – also auf der Schermbecker Seite dagegen liegen der Dämmerwald und die Üfter Mark – zwei sehr wildreiche Gebiete mit Rot- und Damwild. Während der Dämmerwald in einem Karree der stark frequentierten Bundesstraßen B58/B70/B224 liegt. bildet die B58 etwas weiter östlich eine Südtangente an der Üfter Mark, die in nördlicher Richtung von der B224 durchschnitten wird (Nord-West) und von der A31 im Nordosten. Hier verfügt die Autobahn, die dort im übrigen wegen hoher Wildunfälle in der Vergangenheit gezäunt ist, über eine Wildbrücke, die die Mark mit den Witte Berge und Deutener Moore verbindet.
    Alle genannten Strecken sind regional als Wildunfallschwerpunkte bekannt, die Wildbrücke wurde vornehmlich zum genetischen Austausch des üppigen Rotwildbestands der Üfter Mark errichtet. Es wird spannend sein zu beobachten, wohin sich die dort gehenden Wölfe orientieren, ohne unter die Räder zu kommen. Um dies einschätzen zu können, wäre eine genauere Ortsangabe der Schafsrisse wünschenswert. Hat Canis lupus bereits Lippe – nicht so schwer für einen Caniden – und Kanal (südlich teilweise gespundet!) überwunden, stünde er bereits buchstäblich im Norden des Ruhrgebietes, einer der dichtbesiedeltsten Gebiete Europas! Aber auch im durchaus nahrungsreichen Bereich der Üfter Mark dürfte es wegen der Straßenzerschneidungen und dem Naherholungsverkehr spannend werden. Denn dieser Bereich – im Eigentum der öffentlichen Hand – wurde in den vergangenen zwei Dekaden bewusst so gestaltet und strukturiert, um der erholungssuchenden Bevölkerung den Anblick tagaktiven Rot- und Schwarzwildes zu ermöglichen. Gerade in Rotwildbestand ist daher seitdem sehr maßvoll eingegriffen worden, und um dieses Ziel und sein Potential nicht zu gefährden, nur und ausschließlich im Wege geführter Einzelabschüsse. Großflächige Drückjagden hatten sich überdies in dem 1.800 ha großen Areal wegen der Verkehrsachsen verboten. Schaut man allerdings auf die Abschusszahlen der Vergangenheit – etliche Jahre in Folge sind dort p. a. 150 Stück Rotwild(!) im selektiven Einzelabschuss erlegt worden, würde eine Orientierung des Wolfes auch in diese Richtung spannend werden.

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