NRW: Kosten für Trichinenuntersuchung werden nur für Frischlinge von max. 20 kg erstattet

Mit einem Pilotprojektes des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) soll eine verstärkte Bejagung von Frischlingen in NRW erreicht werden (JAWINA berichtete). Dieses Projekt soll in der Jägerschaft den Anreiz erhöhen, den Bestand an Schwarzwild in NRW zu verringern. Dies ist eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen gegen die afrikanische Schweinepest (ASP), die auch über die Wildschweinpopulation eingeschleppt und verbreitet werden kann. Für die Trichinenuntersuchung bei den Kommunen anfallende Gebühren werden mit maximal zehn Euro je untersuchtem Frischling gestützt. Ein entsprechender Erlass vom 11. August 2017 ist am 14. August 2017 an die zuständigen Behörden verschickt worden.

Mit der Verfügung vom 25. August 2017 hat das LANUV die Kreise und kreisfreien Städte mit einem Merkblatt über die Vorgaben zur konkreten Umsetzung informiert:

–       Danach werden nur Kosten für Proben an Frischlingen erstattet. Frischlinge in diesem Sinne sind Wildschweine, welche zum Zeitpunkt der Erlegung ein Körpergewicht von maximal 20 kg aufweisen. Das Gewicht der beprobten Wildschweine ist durch eine geeignete Unterlage (Kopie des Wildursprungsschein) nachzuweisen.

–       Es werden nur Kosten für Proben berücksichtigt, bei denen das Erlegungsdatum des beprobten Frischlings nach dem 11.08.2017 liegt.

Bei Rückfragen Ihrerseits setzen Sie sich bitte mit dem für Sie zuständigen Kreisveterinäramt in Verbindung!

Der Landesjagdverband NRW hatte sich bereits in Gesprächen mit dem zuständigen Ministerium wiederholt und vehement für eine landesweite Abschaffung, jedenfalls aber Senkung, der Untersuchungsgebühren für gestreifte Frischlinge eingesetzt.

Durch eine intensive Bejagung muss der Schwarzwildbestand reguliert und dessen natürlicher Aufbau sichergestellt werden. Daher sollte der Abschuss aus mindestens 75 % – besser 80 % – Frischlingen, 15 % Überläufern, 5 % unterrangigen Bachen und 5 % Keilern bestehen. Der hohe Eingriff in die Jugendklasse ist der sichere Garant für die Bestandsregulierung und Wildschadensminderung. Alle Jagdarten sind zu nutzen. PM LJV NRW

Beitragsbild: Dieser Frischling scheitert jedenfalls nicht an der 20-kg-Grenze. Foto: SE

6 Gedanken zu „NRW: Kosten für Trichinenuntersuchung werden nur für Frischlinge von max. 20 kg erstattet

    1. admin Beitragsautor

      Das ist eine sehr gute Frage, denn wie soll man an einer Trichinenprobe erkennen, ob das erlegte Stück ein Frischling war oder erst recht, ob er nun über oder unter 20 kg wog. Wir haben die Frage an den LJV NRW und das LANUV weitergeleitet.

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  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    NRW hat schon vor ein paar Jahren Frischlingsfänge freigegeben und den Schuss mit der “kleinen Kugel” auf geringe Frischlinge erlaubt. Es gibt keine Statistik, die einen nennenswerten Erfolg zeigt. Gleiches gilt auch für Brandenburg, wo im letzten Jagdjahr nur knapp über zehn Frischlinge mit der kleinen Kugel erlegt wurden. Das wird mit dem Zuschuss zur Gebühr für die Trichinenschau vermutlich ähnlich laufen, zumal das größere Hindernis vermutlich die wenigen Abgabestellen und -Termine sind, die es in manchen Landkreisen gibt.
    Solange nicht in den Jägerköpfen etwas passiert, solange man sich als Kindermörder verunglimpfen lassen muss, wenn man “Streifenhörnchen” erlegt, werden wir das Schwarzwild nicht in den Griff bekommen. In NRW hatten übrigens Überläufer bislang im Sommer Schonzeit, damit man nicht versehentlich eine führende Überläuferbache erlegt (§ 22, 4 BJG). Dass auch Frischlinge bereits in großer Zahl frischen, und dann den Schutz von § 22, 4 BJG genießen, hat sich anscheinend in NRW noch nicht überall herumgesprochen.
    Wenn Frischlinge auch “weitestgehend” von Trichinen frei sind, genügt mir das nicht. Trichinose ist eine ekelhafte Krankheit, die ich nicht haben möchte. Also, jede erlegte Sau muss auf Trichinen untersucht werden!

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Die Frage, ob erlegte Frischlinge vorgezeigt werden müssen, erledigt sich in den Bundesländern, in denen es Wildursprungscheine gibt. Hier werden es sich die Jagdausübungsberechtigten wohl kaum leisten, eine dicke Sau via Urkundenfälschung zum Frischling zu machen, nur um ein paar Euro zu sparen. Kurios ist in Brandenburg folgende Situation: Man gibt einen Frischling mit 15 kg beim Wildhändler zum Zerwirken ab, den man selbst verwerten möchte. Dann lässt der Wildhändler die Trichinenuntersuchung machen, die man dann aber gnadenlos bezahlen muss. Hier muss verwaltungstechnisch nachgearbeitet werden!

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