NRW: Jagdschein nicht verlängert – Jäger wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt

Ein 68 Jahre alter Jäger aus Emmerich (Kreis Kleve) musste sich vor dem Amtsgericht Kleve wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten, weil er seinen Jagdschein nicht verlängert hatte. Daraufhin war die Waffenbesitzkarte des Mannes eingezogen worden, wie die NRZ berichtet. Die Anklage warf dem Jäger vor, seine Waffen und Munition daraufhin weiter illegal in seiner Wohnung aufbewahrt zu haben. Der Anwalt des Angeklagten bestritt dies und erklärte, dass sein Mandant den Waffenschrank verschlossen und die Schlüssel einem berechtigten Dritten übergeben habe. Im August 2018 beschlagnahmte die Polizei die Waffen. Zu diesem Zweck wurde der Waffenschrank aufgebrochen, wobei nach Angaben des Jägers ein Schaden in Höhe von 5000 Euro entstand, den er ersetzt haben wolle, wie er vor Gericht erklärte. Zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung war der Jagdschein dem Bericht zufolge erst einen Monat abgelaufen. Gegen den Entzug der WBK hat der Mann ebenfalls Klage eingereicht.

Das Verfahren vor dem Emmericher Amtsgericht endete mit einem Kuhhandel: Das Verfahren wird eingestellt, dafür erklärt sich der Angeklagte bereit, auf Schadensersatzansprüche zu verzichten und seine Waffen nebst Munition einem Waffenhändler zu übergeben. Dieser soll die Waffen vermutlich zunächst nicht veräußern, sondern bis zum Ende des Verfahrens wegen des WBK-Entzugs aufbewahren, da der Beklagte sich vor Gericht verpflichtete, die Kosten für die Aufbewahrung zu übernehmen. red.

Beitragsbild: Jagdschein – wer vergisst, den Jagdschein rechtzeitig zu verlängern, handelt sich regelmäßig großen Ärger ein. Foto: SE

14 Gedanken zu „NRW: Jagdschein nicht verlängert – Jäger wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Wenn ich solche Nachrichten lese, fällt mir stets Heinrich von Kleist ein mit seiner Novelle “Michael Kohlhaas” ein. Die staatlichen Ungerechtigkeiten werden heute als “demokratisch herbeigeführt” verkauft und draufgesattelt werden zusätzlich landesspezifische Verordnungen, die eigentlich das Fass zum überlaufen bringen müssten. Der Gemeine ist Opfer, wird aber zum Täter gestempelt.

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      1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

        Die Gedanken eines H.v.Kleist mit denen der AfD gleich zu setzen ist unverschämt abwegig.

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  2. Zündelnerlaubt

    Die Mittel sind drastisch, sehr drastisch, aber der Waffenbesitz ist an den Jagdschein gekoppelt, wenn der Jagdschein nicht mehr verlängert wird, ist der Grund zum Waffenbesitz nicht mehr gegeben, es reicht dann nicht den Schlüssel abzugeben, denn theoretisch hat der ehemalige besitzer noch die Möglichkeit des Zugriffs.
    Die Waffen müssen beim neuen Besitzer im Haus sein und sie müssen vorallem eingetragen werden. Im Grunde ist der unerlaubte Waffenbesitz gegeben. Aber gleich Anklage zu erheben, bei jemandem der sich nichts weiter zu Schulden hat kommen lassen ist schon haarig

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  3. Torsten Schröder

    Sollte der Jagdschein zum Zeitpunkt der Beschlagnahme der Waffen durch die Polizei tatsächlich erst einen Monat abgelaufen gewesen sein, ist die Aktion einem normal denkenden Bürger wohl kaum als verhältnismäßig zu vermitteln. Ansonsten müsste wohl auch bei Überschreiten des TÜV-Termins die Staatsgewalt ähnlich hart durchgreifen oder was ist an verschlossenen Waffen gefährlicher als an einem ggf. nicht verkehrssicheren Fahrzeug? Leider scheint auch hier das Gericht nicht den A…. in der Hose gehabt zu haben, zu entscheiden. Zwischenzeitlich scheint es bei Gerichten zur Arbeitsvermeidung an der Tagesordnung zu sein, sich um ein Urteil zu drücken, da läuft man ja auch Gefahr, dass dieses in der nächsten Instanz wieder kassiert wird.

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  4. Davor Petrovic

    Der kleine Mann ist immer am bluten, da kann man dich auslassen. Einen Monat abgelaufen, das ist doch lächerlich. Saß die Kontrolle schon auf dem Waffenschrank und hat gewartet oder wie?
    Einfach lächerlich….

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  5. Claus Strobel

    Ich weiß nicht, wie lange ein Jagdschein gültig ist, aber sagen wir mal 1 o. 2 Jahre. Seìt der letzten Verlängerung kennt man also das genaue Verfallsdatum. Ist es also so schwer, sich rechtzeitig um eine Verlängerung zu kümmern?
    Legalisiert man erstmal eine Fristüberschreitung, kommt doch glatt der Nähste und meint, dass er nun auch nur weitere 4 Wochen drüber ist. Wo soll dann mal die klare Grenze sein? Und jedem sollte inzwischen klar sein, dass bei Waffen die Toleranz vorbei ist

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    1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

      Es heißt “Jahresjagdschein” und gilt vom 1.4. bis zum 31.3. des Folgejahres, ist also identisch mit dem Jagdjahr. Es gibt dann noch den 3-Jahres Jagdschein, bei dem aber auch die Gebühren und Versicherung für 3 Jahre fällig werden. Vergessen kann Mann die Verlängerung nicht, denn der Versicherungsträger schickt bereits Wochen vorher eine Erinnerung, die Prämie rechtzeitig zu bezahlen und mit der Vers.Bestätigung kann Mann bei der Behörde den Jagdschein verlängern lassen. Warum der Betroffene dies nicht gemacht hat ist eigentlich egal, ABER ein Bußgeld hätte vollkommen ausgereicht.

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      1. admin Beitragsautor

        Es ist angesichts des massiven Vorgehens der Behörden zu vermuten, dass es möglicherweise weitere Gründe für die Entziehung der WBK gab – eine entsprechende Anfrage läuft. SE

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  6. Jürgen Müller

    In dieses Land darf jeder ohne Papiere, Dokumente oder Bescheinigungen einreisen, hat sofort Rechte und wird finanziell unterstützt. Aber wenn der deutsche Michel einen Behördentermin versemmelt trift ihn die geballte Macht des Beamtenstaates. Alles nur noch Traurig

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  7. AM

    Irgendetwas stimmt an der Sachverhaltsschilderung nicht. Nur, weil der Mann vier Wochen keinen gelösten Jagdschein besaß, kann er nicht wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt werden. Die WBK ist die amtliche Bescheinigung dafür, dass er seine Waffen sehr wohl völlig legal besessen hat. Man ist nicht gezwungen, jedes Jahr seinen Jagdschein zu lösen, um seine Waffen weiterhin legal zu besitzen. Der Jagdschein berechtigt zum Erwerb und zum Führen der Jagdwaffen, nicht aber zum Besitz von Waffen. Der legale Besitz wird über die WBK dokumentiert. Es gibt Jäger, die nicht häufig zur Jagd gehen. Wenn sie zur Jagd gehen wollen, lösen sie einen Tagesjagdschein. Solche Jäger dürften dann nach der Intention des o. a. Sachverhaltes keine Waffen besitzen. Dem ist aber nicht so. Sie dürfen genauso Waffen besitzen wie Inhaber von Jahresjagdscheinen.
    Und was ist, wenn jemand mal monatelang wegen Krankheit nicht in der Lage ist, seinen Jagdschein zu lösen? Macht der sich dann etwa auch des illegalen Waffenbesitzes strafbar? Ich sage: niemals!!
    In der nächsten Instanz wäre so ein Urteil garantiert kassiert worden. Es muss meiner Meinung nach noch etwas anderes, schwerwiegenderes vorgefallen sein. Allein das vierwöchige Überziehen des Jagdscheinlösens rechtfertig nicht die erwähnten Maßnahmen.

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    1. Frosch

      Sehe ich auch so. Das nicht lösen eines neuen Jagscheins hat zuerst einmal zur Folge, dass die Erlaubnis zum Munitionserwerb und wichtiger zu deren Besitz erlischt. Die Waffen selbst bleiben bis zum Widerruf der WBK wegen fehlendem Bedürfnis legal in Besitz. Es ist schwer zu glauben, dass vor dem Einzug der WBK keine Kommunikation zwischen Amt (SB) und Beklagtem stattgefunden hat. Eine derartige Vollstreckung kommt doch nicht aus heiterem Himmel.

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