NRW: Jagdgegnerin geht auf Kehle

JAWINA-Leser NN schickt uns die Schilderung eines bemerkenswerten Vorfalls:

“Ich bin seit Mai diesen Jahres Jungjäger im Revier X in Z. Einer unserer Ansitze befindet sich in den Feldern am Ende einer Baumreihe an der Straße S. Wenn ich richtig informiert bin, ist es uns Jägern gestattet, im Rahmen der befugten Jagdausübung Wege für Land- und Forstwirtschaft zu befahren, den Anwohnern und Besuchern jedoch nicht. Ebensowenig darf die Straße S zwischen dem Kreisverkehr Landstraße  und der Siedlung M von anderen Autofahrern als Abkürzung vom und zum Kreuz N benutzt werden.

In der letzten Zeit kommt es immer wieder vor, dass die Straße zwischen dem Kreisverkehr Landstraße und der Siedlung auch von solchen Autofahrern benutzt wird, die – sobald eines unserer mit „Jagdbetrieb” oder „Jagdschutz” gekennzeichneten oder sonstwie als Jagdfahrzeug erkennbaren Fahrzeuge entdeckt wird – als offensichtlich vorsätzliche Jagdstörung dauerhupend die Straße befahren, wenden, erneut dauerhupend in entgegengesetzter Richtung fahren, und wieder wenden um nochmals dauerhupend weiter zu fahren.

Am vergangenen Samstag (25.8.2018) saß ich gegen 18:15 auf betreffendem Ansitz und wieder ging kurz darauf auf der Straße die Huperei los. Bei der ersten Durchfahrt habe ich vom Ansitz aus nur noch ein in Richtung Siedlung fahrendes, kleines, silberfarbenes Auto erkennen können. Beim zweiten Hupkonzert in Richtung R habe ich den Ansitz mit entladener Langwaffe verlassen und bin zur Straße gegangen, um eventuell ein Kennzeichen notieren zu können. Das Auto kam mit offenem Fahrerfenster wieder zurück, die Fahrerin sah mich und hielt ihren kleinen, silberfarbenen Wagen mit dem Kennzeichen XY-Z 123 an.

Die etwas kurz geratene Fahrerin (ca. Mitte/Ende 50) habe ich dann gefragt, was sie eigentlich glaubte, da zu tun und habe ihr freundlich erklärt, dass sie diese Straße nicht benutzen dürfe, dauerhupend schon mal gar nicht, dass sie Jagdstörung beginge und unnötigerweise sowohl Wild als auch andere, darunter auch besonders geschützte, Tierarten beunruhige.

Die Fahrerin fuhr daraufhin links ran, stieg aus und begann, mich auf das Übelste zu beschimpfen und zu beleidigen. Zwecks Dokumentation dieser Entgleisungen habe ich mein Telefon hervorgeholt und begonnen, ihre verbalen Übergriffe aufzuzeichnen. Dies gefiel ihr so wenig, dass sie zunächst versuchte, mir das Telefon aus der Hand zu schlagen. Mangels Reichweite (bin in Schuhen gut 2,00 Meter lang) hatte sie damit aber keinen Erfolg, so dass sie spontan entschied, mir in den Kehlkopf zu packen, zuzudrücken und mich zu würgen (In der Ambulanz des Städtischen Klinikums ist dann später eine Kehlkopfprellung festgestellt worden, was je nach Auffassung als gefährliche Körperverletzung bzw. versuchter Totschlag zu bewerten ist).

Nach Abwehr dieses Angriffes (ich brauchte „nur“ ihre Hand von meiner Kehle zu ziehen) habe ich die Dame nach §127 StPO (“Jedermann-Recht”) bis zur Feststellung ihrer Personalien vorläufig festgenommen und um 18:58 die Polizei gerufen. Diese kam nach etwa einer halben Stunde aus X, während derer die Fahrerin weiterhin erfolglos versuchte mich zu provozieren. Die Polizei hat nach Befragung der Beteiligten eine Strafanzeige aufgenommen, mich aufgefordert, die Aufnahmen zu löschen (was ich widerspruchslos getan habe) und die Dame dann nach Hause eskortiert.

Interessehalber musste ich die Dame während des Wartens auf die Polizei ja doch fragen, was sie eigentlich glaubte was passieren würde wenn wir nicht mehr jagten. Antwort: „Nichts. Das regelt sich alles von alleine“. Auf die nächste Frage, wie sie denn zu dieser Meinung käme, : “Darüber diskutiere ich nicht mit Ihnen!“ War nicht Borniertheit die Steigerung von Ignoranz?

Ich schicke Ihnen das hier nicht, weil ich “15 Minuten Ruhm“ möchte! Aber vielleicht können sie meine Fassungslosigkeit verstehen, dass ein einzelnes Persönchen, die sich vermutlich den größten Teil ihrer Freizeit in ihrer gefilterten Veganer-Tierretter-Jagdhasser-Facebook-Blase aufhält, so radikalisieren kann, dass sie es für legitim hält, einem anderen Menschen mit blanker Mordlust in den Augen wortwörtlich an die Kehle zu gehen. Und dann selbstzufrieden und mich wie irre anstarrend auf die Polizei wartet, weil die Polizei dem (Entschuldigung!) Jäger-Arschloch dann schon erzählen wird, dass er das alles ja gar nicht darf.

Ich glaube, das musste ich nur mal loswerden.”

Die Red. dankt JAWINA-Leser NN für den Beitrag!

Beitragsbild: Bericht des Krankenhauses mit dem Befund “Prellung des Kehlkopfs” (Screenshot)

7 Gedanken zu „NRW: Jagdgegnerin geht auf Kehle

  1. RK

    Bedrückend. Manche Leute leben offensichtlich in einem Paralleluniversum. Wenn sie aus diesem herausfallen sollten, wird der Aufprall schmerzlich sein. Interessant finde ich den Hinweis der Polizei, die Aufnahmen zu löschen. Wenn damit Straftaten (körperlicher Angriff, Beleidigungen) dokumentiert sein sollten, dürfte die Aufnahme nicht rechtswidrig gewesen sein. Schlussendlich ist es Sache des Strafgerichtes, ein mögliches Beweisverwertungsverbot zu beurteilen (und nicht Sache der Polizei).
    Bzgl. der Auftofahrerin sollte man überlegen, eine sog. “MPU” (medizinisch-psychologische Untersuchung, vulgo “Idiotentest”) zu veranlassen – das geht bei der Polizei manchmal unter. Wenn jemand sein Auto für Straftaten & Ordnungswidrigkeiten einsetzt und sich selbst emotional nicht beherrschen kann, hat er/sie ggf. auch nicht mehr die Fähigkeit, ein KFZ zu führen…

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  2. jochen

    Ich finde es etwas merkwürdig, daß die Polizei wollte, das Beweismittel vernichtet werden ( Aufnahme löschen) Da würde ich gerne mal auf dem laufenden bleiben, wie das weitergeht und was ein Anwalt zu dieser Beweismittelvernichtung sagt.

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  3. Ronbi

    Starker Tobak und nicht hinnehmbar.
    Aber nicht verwunderlich, in einer Zeit, in der Rettungssanitäter, Notärzte, Feuerwehrleute, Bahnpersonal, Busfahrer und selbst die Polizei tätlich angegriffen werden.

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  4. Ralf

    Ich kann das mit der Aufforderung zum Löschen des Videomaterials auch nicht nachvollziehen. Veröffentlicht werden darf es natürlich nicht. Aber als Beweis im Straf- bzw. Owi-Verfahren soweit ich weiß zugelassen.
    Das mit dem Smartphone ist schon eine gute Sache und beim einzelnen Jäger auch die einzige Möglichkeit, solch eine Situation zu dokumentieren. Ich hätte es nicht gelöscht. Die Aufforderung der Polizeibeamten zur Löschung war rechtswidrig.

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  5. Allons!

    Ein Freund von mir, selbst Polizist sagte, dass z.Zt. bei der POL erhebliche Unsichheit in Bezug auf die neuen Regeln der DSGVO bestehen und das deshalb Beamte je nach individuellem Verständnis mehr oder weniger falsche Anweisungen etc. von sich geben. Das mag mit eine Ursache für die Anweisung zur Löschung gewesen sein. WMH

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  6. Grimbart

    Wenn schon verbotene Dashcamaufnahmen vor Gericht verwendet werden können, dann hätte ich die Aufnahmen auch nicht gelöscht. Schließlich ging es hier um einen tätlichen Angriff. Jetzt steht mehr oder minder Aussage gegen Aussage.

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  7. Frank

    Genau – so nachvollziehbar auch die vorsichtige Löschaufforderung gewesen ist, hätte ich die Beamten vor Vollzug dieser Anordnung doch gebeten, sich die Aufnahmen zumindest anzuschauen, schon im Interesse einer Beweissicherung/Zeugenschaft und im legitimen Interesse, als Anzeigenererstatter ggf. sogar vor einer Anzeige, mindestens aber vom Vorhalt “Aussage gegen Aussage” geschützt zu sein. Insofern wäre es toll, über den Ausgang des Verfahrens durch den Einsender informiert zu bleiben.

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