NRW: Gericht ordnet “Entfernung” der Bielefelder Muffelherde an

Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat die “komplette Bielefelder Muffelwild-Herde zum Tode verurteilt”, schreibt die Neue Westfälische (NW) und bringt den Sachverhalt damit durchaus treffend auf den Punkt: Weil die Wildschäden unzumutbar seien, die die gerade einmal 12-köpfige Herde reinrassiger Mufflons in den Wäldern des Klägers, der Johannes Klasing’schen Familienstiftung, anrichte, muss die Stadt Bielefeld über den Antrag auf Ab­schuss der Muffelwildherde neu entscheiden. Und dies, obwohl sich die anderen betroffenen Waldbesitzer wie auch die Stadt Bielefeld “bis zuletzt vehement für die kleine Herde der reinrassigen Tiere eingesetzt” hatten, wie die NW berichtet. Bei der Johannes Klasing’schen Familienstiftung handelt es sich übrigens um eine nicht gemeinnützige Familienstiftung, deren Stiftungszweck eine Informationsseite des NRW-Innenministeriums mit “Unterstützung der eigenen Familie” angibt. Dieser Aufstellung der Detmolder Bezirksregierung nach geht es konkret um die “Gewährung von Unterrichtsgeldern, Aussteuern, Renten an ledig bleibende Töchter”.

Einem Gutachten erleidet diese Stiftung Wildschäden in Höhe von 5000 Euro pro Jahr durch die 12 Mufflons , was die Stadt und die anderen Waldbesitzer laut NW bezweifeln. Zudem setzten diese auch den Artenschutz höher an – was etwa vor dem Hintergrund der vergleichsweise exorbitanten Kosten durch Wolfsrisse, die mit der Begründung Artenschutz bedenkenlos dem Steuerzahler aufgebürdet werden, nur allzu verständlich erscheint.

In der Pressemitteilung des OVG zum Urteil liest sich das so:

Der 16. Senat des Oberverwaltungsgerichts hat mit heute verkündetem Urteil ent­schieden, dass die Stadt Bielefeld verpflichtet war, über den Antrag auf Ab­schuss einer im Teutoburger Wald lebenden Muffelwildherde neu zu entscheiden.

Die Klägerin ist eine Stiftung, die Eigentümerin eines Wirtschaftswalds am Nordhang des Teutoburger Waldes ist. In diesem Bereich wurde in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts Muffelwild angesiedelt. Die Klägerin hat geltend gemacht, dass diese Wildart in ihrem Wald Wildschäden durch Verbiss junger Pflanzen und Schälen von Baumrinden in einem Ausmaß anrichte, welches ihr nicht zuzumuten sei. Nach Ein­holung eines Sachverständigengutachtens zum Umfang der Wildschäden und ihren wirtschaftlichen Auswirkungen ist der Senat zu dem Ergebnis gekommen, dass die Stadt Bielefeld mit dem streitgegenständlichen Abschussplan aus dem Jahr 2012 den berechtigten Ansprüchen der Klägerin auf Schutz gegen Wildschäden nicht hin­reichend Rechnung getragen habe. Andere Maßnahmen als die Entfernung der Tiere (wie z. B. eine weitere Reduzierung der ohnehin kleinen Herde, das Angebot von Heu oder Schutzmaßnahmen für die Bäume) seien nach fachkundiger Einschätzung nicht erfolgver­sprechend oder nicht wirtschaftlich durchzuführen.

Der Senat hat die Revision nicht zugelassen. Dagegen ist eine Nichtzulassungsbe­schwerde möglich, über die das Bundesverwaltungsgericht entscheidet. PM/SE

Aktenzeichen: 16 A 447/13 (I. Instanz: VG Minden 8 K 1917/11)

Beitragsbild: Von Wolf gerissener Muffel – im Gegensatz zum Wolf ist der reinrassige Mufflon tatsächlich bedroht. Foto: privat

12 Gedanken zu „NRW: Gericht ordnet “Entfernung” der Bielefelder Muffelherde an

  1. Michael Schiffers

    Da wurde wieder einmal ein mindestens schwer nachvollziehbares Urteil gefällt. Die verstaubte Stiftung sollte einmal ihre moralische Daseinsberechtigung hinterfragen!

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    1. Frank Berger

      @Michael Schiffers – uneingeschränkte Zustimmung.

      Soweit mir bekannt ist, bezeichnet sich unsere Gesellschaft als “zivilisiert”. Wenn das die Form von Zivilisation ist, dass man ein “Problem” immer nur mit dem Tod löst, dann gute Nacht.

      Ein Kalb kostet keine 9.- EUR mehr, Tiere werden “beseitigt” sobald sie stören und wiederum andere Tiere müssen unvorstellbar qualvolle Reisen machen um am Ende bestialisch getötet zu werden. Wie wird hier eigentlich mit Leben, mit GOTTES Schöpfung umgegangen?!

      Ist das die vielgepriesene neue Welt, die zivilisierte?

      Darauf kann ich gerne verzichten.

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  2. Ronbi

    Ausleihwölfe mbH wir bieten Leihwölfe für jede Problemstellung.
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    1. Berrit Wolk

      Es ist eine Frechheit, die vor vielen Jahren dort angesiedelte Mufflon Herde einfach abzuschiessen!!! Und das aus purer Profit Gier,pfui Teufel, sie sollten sich schämen! Wegen 12 Schafen so ein Theater, Lächerlich!!! Ausser direkt zur Knarre zu greifen, gibt es mindestens 10 Alternativen,die einfach umzusetzen wären, sofern es überhaupt nötig ist,die Tiere aus ihrem gewohnten Lebensumfeld zu reissen!
      So wie ich es verstehe, wird das “Wäldchen “doch auch forstwirtschaftlich genutzt?! Und die gefällten Bäume mit schwerem Gerät heraus transportiert, da Frage ich mich mit gesundem Menschenverstand, wer oder was da grösseren Schaden und Spuren hinterlässt???Dagegen fällt es ja wohl kaum ins Gewicht wenn ein paar Schafe an Baumrinde knabbert.
      Offensichtlich verfügt Familie Klasing wohl nur noch über “begrenzte Mittel “Wenn sie keinen anderen Ausweg sieht!!! Deshalb sollte doch das Spendenangebot in Anspruch genommen werden!
      Insgesamt auf jeden Fall ein Armutszeugnis für die Stadt Bielefeld wenn es nicht zu verhindern wäre dass das “Monster Mensch “wieder einmal mehr zum Rundumschlag ausholt!!!
      Ich bin wirklich entsetzt über soviel Kaltherzigkeit und Empathielosingkeit Lebewesen gegenüber! B.W.

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  3. Johann Holzapfel

    Bei so einer Familienstiftung und so einem Gerichtsurteil läuft es mir eiskalt den Rücken runter .
    Es geht da anscheinend nur um Rechthaberei , die Natur bleibt wie so oft auf der Strecke .
    Es ist eine Schande .

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  4. Jowohunter

    Unverständlich dieses Urteil ! Die Frage die ich mir stelle ist wo sind eigentlich WWF-NABU-BUND-Tierschutzorganisationen ? Wie immer in solchen Fällen nicht vertreten bzw schauen weg . Man muß sich da schon fragen wo die Reise eigentlich hingehen soll bzw wird . Hier sollte man eine Petition star€ ten um dieses so wirklich kleine Rudel zu erhalten und über was wird da geredet 5000 € Wildschaden im vergleich zu hochbelasteten Feld/Waldrevieren ein überschau barer schaden wenn es darum geht eine interessante Wildart zuerhalten heimisch oder nicht . Aber wir haben die Mufflons in der Göhrde schon dem Wolf zum Frass vorgeworfen nun soll es halt die Büchse tun , kann nur jedem raten der dran beteilgt werden soll diese im Schrank zulassen .

    Horrido
    Jowohunter

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  5. Zündelnerlaubt

    Ich frage mich ob es in Bielefeld einen Jäger gibt der sich bereit erklärt diese Aufgabe zu erfüllen. Die Bielefelder lieben ihre Muffel und werden sie nicht kampflos aufgeben.
    Es gibt auch eine Petion die mag ich aber hier nicht teilen da mir der Wortlaut nicht gefällt.
    Die Petition steht bei change.org

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  6. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Wo sind die DJV/LJV Funktionäre und hinterfragen die Gemeinnützigkeit dieser Stiftung? Wenn die Profitgier vor dem Tierschutz keinen Halt macht, wäre für mich diese nicht mehr gegeben.

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  7. Berrit Wolk

    Es ist eine Frechheit, die vor vielen Jahren dort angesiedelte Mufflon Herde einfach abzuschiessen!!! Und das aus purer Profit Gier,pfui Teufel, sie sollten sich schämen! Wegen 12 Schafen so ein Theater, Lächerlich!!! Ausser direkt zur Knarre zu greifen, gibt es mindestens 10 Alternativen,die einfach umzusetzen wären, sofern es überhaupt nötig ist,die Tiere aus ihrem gewohnten Lebensumfeld zu reissen!
    So wie ich es verstehe, wird das “Wäldchen “doch auch forstwirtschaftlich genutzt?! Und die gefällten Bäume mit schwerem Gerät heraus transportiert, da Frage ich mich mit gesundem Menschenverstand, wer oder was da grösseren Schaden und Spuren hinterlässt???Dagegen fällt es ja wohl kaum ins Gewicht wenn ein paar Schafe an Baumrinde knabbert.
    Offensichtlich verfügt Familie Klasing wohl nur noch über “begrenzte Mittel “Wenn sie keinen anderen Ausweg sieht!!! Deshalb sollte doch das Spendenangebot in Anspruch genommen werden!
    Insgesamt auf jeden Fall ein Armutszeugnis für die Stadt Bielefeld wenn es nicht zu verhindern wäre dass das “Monster Mensch “wieder einmal mehr zum Rundumschlag ausholt!!!
    Ich bin wirklich entsetzt über soviel Kaltherzigkeit und Empathielosingkeit Lebewesen gegenüber! B.W.

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  8. Gabriel Rusu

    HALLO ZUSAMMEN !

    Man muss diese Tiere nicht töten ! Habe heute Büro des Bürgermeisters angeschrieben … ich würde diese Tiere kostenlos aufnehmen.
    Habe ein genehmigtes Wildgehege in Rheinland-Pfalz und die Tiere müssten nur betäubt und dorthin transportiert werden.

    Will sich jemand bei der Sache einbringen ?

    Bin unter [Telefonnummer entfernt, Anfragen bitte über die JAWINA-Redaktion, admin.] erreichbar.

    Beste Grüße an alle
    Gabriel

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