Niedersachsen: ZJEN drängt auf Wolfsmanagement

Deutliche Worte fielen auf der Beiratssitzung des Zentralverbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen (ZJEN) Ende August in Walsrode. Die Kreisvertreter des Verbandes verabschiedeten einstimmig eine Resolution. Sie fordert, die Zahl der Wölfe endlich den landeskulturellen Verhältnissen anzupassen und hierfür unverzüglich die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

„Politischer Einsatz sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene muss jetzt endlich Platz greifen, um ein aktives Bestandsmanagement voran zu bringen“, sagt ZJEN-Präsident Hans-Heinrich Ehlen. Eine quotenbasierte Schutzjagd, wie sie in Finnland, Schweden oder Frankreich praktiziert werde, muss nach seiner Einschätzung auch in Deutschland ermöglicht werden. Er weist darauf hin, dass die Wolfspopulation hier im Vergleich dieser Länder am höchsten ist.

So wie bisher darf es nicht weiter gehen, lautet der übereinstimmende Tenor im Verband. Die Politik rechtfertige ihre Untätigkeit mit dem Verweis auf den engen rechtlichen Rahmen, den sie sich im Bundesnaturschutzgesetz aber selbst gesetzt hat und zurzeit auch nicht entscheidend zu ändern gewillt ist. Der langwierige und bisher erfolglose Versuch, den Rodewalder Rüden abzuschießen, belege, dass die Entnahme einzelner Tiere kein praxistauglicher Weg für die Zukunft ist.

Die immer weiter steigenden Wolfszahlen machen nicht nur den Weidetierhaltern zu schaffen. Auch die Jagdausübung und der Lebensraum des Wildes sind stark beeinträchtigt. Reviere mit größeren wolfssicheren Zäunungen, die auch für das Wild unüberwindbar sind, können nur unter sehr erschwerten Bedingungen verpachtet werden. „Es ist ein unerträglicher Widerspruch, dass in der freien Landschaft und besonders in Schutzgebieten die Errichtung von Zäunen grundsätzlich verboten ist, doch wegen zunehmender Weidetierrisse eine Verbarrikadierung und Zerschneidung unserer wertvollsten Landschaftsbestandteile durch wolfssichere Schutzzäune erzwungen wird“, verdeutlichte Ehlen.

Der ZJEN weist in seiner Resolution auf folgende Fakten hin:

— Jährlich steigt der Wolfsbestand um rund 30 Prozent, die Population liegt aktuell bei  über 1.000 Individuen in Deutschland.
— Es gibt weiterhin ein hohes Maß an Nutztierrissen.
— Es gibt erhebliche Schwierigkeiten bei der Entnahme einzelner verhaltensauffälliger  Wölfe.
— Die Jagdpachtbereitschaft in Wolfsgebieten sinkt signifikant.
—  Die Schutzbedürftigkeit anderer Arten steigt (z.B. Muffelwild).

Angesichts dieser erdrückenden Fakten fordern die Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer:

—   die Feststellung des günstigen Erhaltungszustands des Wolfes durch das Bundesamt  für Naturschutz und das Bundesumweltministerium;

— eine Initiative zur Änderung des Schutzstatus des Wolfs nach Berner Konvention und  FFH-Richtlinie (Umgruppierung in Anhang V);

— die Festlegung eines Akzeptanzbestandes durch den Bund und die betroffenen Länder  sowie die Festlegung von Gebieten, in denen Wölfe nicht toleriert werden können;

— die Einführung einer sogenannten Schutzjagd, d.h. den Abschuss bestimmter „Kontin- gente“ als zukünftiges aktives Managementelement durch entsprechende Regelungen  im Bundesnaturschutzgesetz;

— die im Koalitionsvertrag sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene zugesicherte  Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht, um jagdrechtliche Instrumente für ein             Bestandsmanagement nutzen zu können;

— das unverzügliche Ausloten und Nutzen aller Handlungsspielräume für ein tatsächli- ches aktives Wolfsmanagement, beispielsweise den längst fälligen Erlass einer         Niedersächsischen Wolfsverordnung, die ein entsprechendes Management erlaubt;

— Maßnahmen gegen Störer der Vollstreckung, die eine angeordnete Entnahme von  Wölfen behindern.

Die Kulturlandschaft muss den unterschiedlichsten Nutzungsansprüchen und Funktionen Rechnung tragen: von der Nutzung durch Land- und Forstwirtschaft, der Erholungsnutzung bis hin zum Schutz der heimischen Artenvielfalt. Um dem gerecht werden zu können, unterliegen Wildtiere, sei es Schalenwild, Prädatoren oder invasive Arten, von jeher einem angepassten Bestandsmanagement. Ein solches muss nun endlich auch für den Wolf aktiv beschlossen und umgesetzt werden, fordert der Verband. Es ist keine Zeit zu verlieren.

Die Resolution wurde den zuständigen Ministerien und weiteren politischen Entscheidungsträgern übermittelt.

Der ZJEN ist Mitglied des „Aktionsbündnis aktives Wolfsmanagement“, das der Landesverband des Niedersächsischen Landvolks gemeinsam mit Weidetierhaltern gegründet hat. PM

Beitragsbild: Von Wolf gerissenes Schaf (Archivbild). Foto: SE

Ein Gedanke zu „Niedersachsen: ZJEN drängt auf Wolfsmanagement

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.