Niedersachsen: Wolfsjagd-Pflicht für Jäger?

Die Ausnahmegenehmigung zur Tötung des Wolfsrüden GW717m ist nochmals erneuert worden, wie das Niedersächsische Umweltministerium mitteilte. Die bis Ende April befristete artenschutzrechtliche Genehmigung zur Entnahme des Wolfsrüden GW717m wird bis zum 31.05.2019 verlängert und das Verfahren zur Entnahme weiter unter Hochdruck vorangetrieben. Die Gefahr weiterer Risse von geschützten Nutztieren und der Weitergabe problematischer Jagdtechniken bestehe unverändert fort, so das Ministerium. Umweltminister Olaf Lies (SPD) erwägt nun auch Verschärfungen der Regelungen für den Wolfsabschuss. Anlass sind die Probleme, den Wolf auch tatsächlich zu Strecke zu bringen. Gegenüber dem NDR zog Lies die Möglichkeit in Betracht, zwar nicht das ganze Rudel, aber mehrere Tier abschießen zu lassen, “um danach zu sehen, ob sich die Situation damit verbessert.” Außerdem beklagt Lies “mangelnde Unterstützung” der ca. 170 Revierinhaber in dem 600 Quadratkilometer großen Streifgebiet des Wolfs. Daher werde geprüft, inwieweit man die Jäger zur Mitwirkung rechtlich verpflichten könne.

Das Problem sei, dass “alle die Sorge hätten, sich in irgendeiner Form öffentlichen Beleidigungen oder sonstigen Dingen ausgesetzt zu sehen”, so Lies im NDR. Tatsache ist, dass nicht nur potenzielle “Wolfsentnehmer”, sondern auch Wolfsberater oder durch Wolfsrisse geschädigte Weidetierhalter, die öffentlich von ihren Erfahrungen mit Wölfen sprechen, angefeindet, diffamiert, in sozialen Netzwerken bloßgestellt und mitunter auch bedroht werden – nicht nur in Niedersachsen.

Polizei und Behörden erklären sich für unzuständig oder sonstwie unfähig, den Betroffenen zu helfen. Herbeigeführt haben diese Situation nicht die Jäger, sondern Politik, Behörden und mehr oder minder militante Wolfsfreunde und Naturschutzorganisationen. Dass nun ausgerechnet die Jäger zwangsweise verpflichtet werden sollen, die Suppe auszulöffeln, die andere sich/uns eingebrockt haben, ist ein ziemlich hanebüchener Einfall. SE

Beitragsbild: Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD). Foto: Henning Scheffen, Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz

9 Gedanken zu „Niedersachsen: Wolfsjagd-Pflicht für Jäger?

  1. Zündelnerlaubt

    Wie will er das durchsetzen? Wenn Polizei und “Behörden” ggf helfende JägerInnen nicht schützen können, lässt sich doch keiner zwingen. Gäbe es für so eine Maßnahme eine rechtliche Handhabe? Wi könnte man sich weigern? Auch eine Zwangsverpflichtung würde einen Erleger nicht vor der wahrscheinlichen Gewalt durch militante sog. Tierrechtler schützen.
    Wie wäre es mal damit, wenn Sachbeschädiger, Brandstifter, Diebe und Jagdstörer entsprechend bestraft würden?

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  2. kilalli

    Nur so ein Gedanke:
    Wer nicht abdrückt, zum Beispiel aus Sorge, dass seine Kinder gemobbt werden, muss sich keine weiteren Gedanken über Bedrohungen machen. Auch nicht über behördliche Sanktionen, denn zu Jagderfolg unter Beachtung aller waidmännischen, tierschutzrechtlichen und sicherheitrelevanten Aspekte kann man nicht verpflichten. Wer aber abdrückt, ist der behördlichen Verpflichtung nachgekommen. Das dürfte bei einer möglichen Konfrontation auch eine strafrechtliche Bedeutung haben.

    Wenn es über den Weg der “rechtlichen Verpflichtung” letzlich doch in der Entscheidung jedes einzelnen Revierinhabers läge, ob man einen behördlichen Spezialisten im Revier in Kauf nimmt (das kann ja ein ganz umgänglicher Typ sein) oder sich lieber selbst drum kümmert, wäre das eine Erweiterung der Entscheidungsgewalt für die Revierinhaber. Schlimm?

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  3. Ronbi

    Wer die Fehler der Politik nicht ausbaden will, hat halt Schnupfen oder keinen Jagderfolg.
    Was fehlt, die Ausschöpfung aller Möglichkeiten des EU-Rechts und ein bundesweites echte Wolfsmanagement.
    Man könnte auch sagen, das kommt von das.

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  4. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Frei nach Goethes Zauberlehrling:
    “Und sie laufen! Fraß und Fresser
    gibts im Land bis an die Ufern.
    Welch entsetzliches Gemetzel!
    Herrn- ihr Jäger! hört mich rufen! –
    Ach, da kommt ein Meister!
    Herr, die Not ist groß!
    Die Wölfe, die ich rief, die Wölfe
    werd ich nun nicht los.

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  5. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wie passt das zusammen, einerseits ein echtes Wildtiermanagement des Wolfs unabhängig von den sog. “Managementplänen” der Bundesländer zu fordern, andererseits aber als Jäger bzw. als Revierinhaber die Mitwirkung zu verweigern? Sollen Jagdrecht und Eigentumsrecht weiter von einer ideologisch orientierten Wolfsindustrie unterhöhlt werden?

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    1. Zündelnerlaubt

      Wenn der Staat mir etwas ausnahmsweise erlaubt und mich zwingen will etwas zu tun, was ich auch freiwllig tun würde wenn er es mir generell erlauben würde muss ich das Spiel nicht mitspielen.
      Die Aufregung ist groß, die Wolfsjagd ist in bestimmten Bereichen angeblasen und hängt an der großen Glocke und wenn der Wolf gestreckt ist geht das Geheul los.
      Wenn der Wolf legal und auf der Fläche bejagt werden darf und sich die Socialmedia Süchtigen mal zurückhalten wird das Geschrei leiser, weil nicht jeder gestreckte Wolf bekannt würde und somit der oder die Erleger oder Erlegerin anonym bliebe. Dann postet man eben kein Foto vom gestreckten Grauhund.
      Dazu kommt natürlich die Forderung, dass der Jagd wieder Respekt gezollt wird zumindest im Recht und das Jagdstörer, Diebe, Brandstifter (gerade bei Trockenheit) und Sachbeschädiger entsprechend bestraft werden.

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    2. kilalli

      “Wie passt das zusammen, einerseits ein echtes Wildtiermanagement des Wolfs …zu fordern….”

      Es passt zusammen, wenn man auf der Erfüllung der o.g. Forderung besteht, um dann -erst dann, aber dann wirklich- seinen Teil als Revierinhaber beizutragen. Die Lies`sche Variante ist ja nur ein Provisorium, um sich der eigentlichen Aufgabe (noch) nicht stellen zu müssen. Die Bedrohung durch Ökohooligans ist dann das nächste zu bewältigende Problem.

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  6. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Selbst in meinem Bundesland mit nur 1 Wolf sind sich die Jäger nicht einig. Zu viele haben echte Angst im Falle eines notwendigen Wolfsabschusses “gesteinigt” zu werden, denn sie werden hinterher alleine gelassen. Die Horrormeldungen von BRUNO sind noch gegenwärtig. Selbst verdächtigte Jäger bekamen Morddrohungen, Eigentum wurde zerstört und Häuser beschmiert. Was nützt hier Aufklärung, wenn sich die Ideologen dagegen sperren und in ihrem Handeln nicht gebremst werden?

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