Niedersachsen: Wolfsberater kritisieren Abschussgenehmigung für Wolf GW717m

Seit langem kritisieren Weidetierhalter, dass sich gewisse Wolfsberater nicht neutral verhalten, sondern eindeutig pro Wolf eingestellt sind. Die weit verbreitete Befürchtung, dass Wolfsberater die Tatsachen zum Wolf schönen würden, führte bereits 2016 zur Verabschiedung eines Verhaltens-Leitfadens für Wolfsberater. Damit sollte verhindert werden, dass Wolfsberater ihre Kompetenzen überschreiten und “über das Ziel hinausschießen”, wie es die derzeitige grüne Staatssekretärin im niedersächsischen Umweltministerium, Almut Kottwitz, formulierte. Durch den offenen Brief, in dem jetzt 16 Wolfsberater die Entscheidung von Umweltminister Olaf Lies (SPD) angreifen, den Wolfsrüden GE717m aus dem Rodewalder Rudel zum Abschuss freizugeben, dürften sich die Kritiker der Wolfsberater bestätigt sehen.

Der Wolf GW7171m wird mittlerweile für ca. 40 Nutztierrisse verantwortlich gemacht, darunter Rinder, Pferde, Alpakas. Die Tiere waren z.T. durch Zäune geschützt, die als wolfssicher galten. In dem auf der Internetseite Wolfsmonitor veröffentlichten Brief [Link: https://wolfsmonitor.de/?p=16416] werfen die Unterzeichner Lies angebliche Intransparenz bei der Abschussbewilligung vor und stellen Erforderlichkeit und Berechtigung des Abschusses in Frage. Auch der Nabu Niedersachsen zieht die Rechtmäßigkeit der Abschussgenehmigung in Zweifel und hält diese für “politisch motiviert.”

Ein Abschuss sei nur dann gerechtfertigt, “wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft wurden”, heißt es im niedersächsischen Wolfskonzept, wie die Autoren des offenen Briefs feststellen, um zu fragen: “Wann und wo sind welche verbesserten, technischen Schutzmethoden zum Einsatz gekommen?”

In dieser Weise geht es weiter: “Mit welcher Begründung haben Sie weder den AK Wolf noch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hinzugezogen? Wie sieht die fachliche Beurteilung der Mitarbeiter des Wolfsbüros aus?”

Wie in einer Verhörsituation wird Umweltminister Lies mit weiteren Fragen bombardiert: “Wie genau definieren Sie den ausreichenden Schutz? Wie waren die Rinder konkret geschützt? Wie erklären Sie, dass in Einzelfällen auch Rinder- und Pferdehalter Präventionsmaßnahmen gefördert bekommen, Sie auf der anderen Seite aber sagen, dass gar kein Schutz notwendig ist?”

Und natürlich legitimieren ein paar gerissene Rinder noch lange keinen Wolfsabschuss: “Im Jahre 2017 wurden durch die DBBW die vermehrten Übergriffe auf Rinder im Landkreis Cuxhaven untersucht und besachkundet. Als Ergebnis wurde festgehalten, dass das Reißen von Rindern kein derart grundsätzlich auffälliges Verhalten darstellt, welches eine behördliche Abschussgenehmigung legitimieren würde.”

Der schwarze Peter wird den Weidetierhaltern zugeschoben, die laut Tierschutz-Nutztierhalterverordnung schließlich verpflichtet seien, “ihre Tiere gegen Raubtiere zu schützen.” Die Schäden in der Weidewirtschaft, die zur Legitimierung des Wolfsabschusses erforderlich sind, werden bestritten: “Wie können Sie die im Gesetz geforderten erheblichen Schäden nachweisen? Wie hoch ist der Schaden, wie wurde er bemessen? In welcher Höhe wurden oder werden Billigkeitsleistungen an die Nutztierhalter gezahlt?”

Zu guter Letzt weisen die Wolfsberater noch auf die negativen Auswirkungen eines etwaigen Abschusses hin, wenn etwas “die Fähe die neue Generation Welpen allein aufziehen müsste”. Eine in der Tat schreckliche Vorstellung, vor der das Leid der gerissenen Weidetiere und ihrer Besitzer verblasst und wirtschaftliche Schäden bedeutungslos werden…

Das Umweltministerium hat die Abschussgenehmigung für GW717m unterdessen verteidigt, Umweltminister Lies hat eine Antwort auf den offenen Brief der Wolfsberater angekündigt.

Der offene Brief der Wolfsberater macht deutlich, dass die Unterzeichner sich vor allem als Anwälte für den Wolf begreifen. Das Konfliktpotenzial des Beutegreifers in der Kulturlandschaft wird geleugnet, die Herausforderungen für eine artgerechte Weidetierhaltung abgestritten und kleingeredet. Die Vorbehalte der Nutztierhalter gegenüber einer bestimmten Sorte Wolfsberater werden durch die Einseitigkeit des offenen Briefs bestätigt. Es ist daher nochmals zu fragen, ob diese ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit mit der geforderten Neutralität nachgehen (können) – und ob den von Wolfsrissen betroffenen Tierhaltern eine Zusammenarbeit mit Lobbyisten zugemutet werden kann. SE

Beitragsbild: Von Wolf gerissenes Schaf. (Archivbild). Foto: SE

 

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