Niedersachsen: Widersprüchliche Wolfsmeldungen

Widersprüchliche Meldungen über das Verhalten des Wolfsrudels auf dem Truppenübungsplatz Munster kommen aus Niedersachsen: Während das von dem Grünen Stefan Wenzel geführte Umweltministerium (MU) am Donnerstag (gestern) eine Pressemitteilung (PM) nach dem Motto “Kein Grund zur Beunruhigung, Wölfe bleiben auf Truppenübungsplatz” veröffentlichte, erklärte die Landesjägerschaft Niedersachen (LJN) das “Geheimnis des Wanderwolfs” für gelöst: Demnach stammt der Wolfsrüde, der am 15. April auf der A7 bei Berkhof nahe Hannover überfahren wurde aus – dem Munsteraner Rudel. Der Wanderwolf war zuvor durch das westliche Niedersachsen und die Niederlande gezogen.

In der Pressemitteilung des Umweltministeriums heißt es: “Das Umweltministerium hat […] darüber informiert, dass die beiden Wölfe des Munsteraner Rudels, die vor einiger Zeit mit Sendern versehen wurden, bislang keine Auffälligkeiten in Ihrem Bewegungsmuster zeigen. Die besenderten Wölfe halten sich vor allem auf dem Truppenübungsplatz Munster auf. Nur vereinzelt und für kurze Zeiträume sind die Tiere außerhalb des Truppenübungsplatz aktiv. „Die Besenderung der Wölfe ist eine wichtige Maßnahme, um das Rudel besser überwachen zu können”, sagte Umweltstaats­sekretärin Almut Kottwitz. „Durch die Auswertung der Daten hoffen wir, auch Ursachen für das wenig scheue Verhalten zu finden. Jetzt wissen wir, wo sich die Tiere aufhalten und hätten somit auch eine Grundlage, um – wenn nötig – Vergrämungsmaßnahmen durchzuführen.”

Munster

Bildschirmfoto der Internetseite des niedersächsischen Umweltministeriums mit der Meldung über die besenderten Wölfe des Munsteraner Rudels. Copyright: MU

Zum Hintergrund: Das Wolfsrudel in Munster ist in den vergangenen Monaten durch häufigere Nahkontakte zu Menschen aufgefallen. Das Umweltministerium hat daher gemeinsam mit der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) die Überwachung intensiviert und durch das Institut Lupus zwei Tiere des Rudels mit Sendern ausstatten lassen. Diese liefern zum Verhalten der Tiere wichtige Daten, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), des Umweltministeriums, der LJN und dem Institut für Wolfsmonitoring und – forschung in Deutschland Lupus dokumentiert und ausgewertet werden. Die ausgewerteten Daten werden zeitverzögert und ohne genaue Ortungshinweise an die Öffentlichkeit gegeben, um einem so genannten „Wolfstourismus” vorzubeugen.” (PM MU)

In der Meldung der LJN zum Wanderwolf heißt es:

“Das Rätsel um den Wanderwolf ist gelöst: Das am 15. April 2015 auf der A7 bei Berkhof tot aufgefundene Tier ist identisch mit dem sogenannten Wanderwolf, der Anfang März durch das westliche Niedersachsen und die Niederlande gezogen ist und dessen Spur sich Mitte April verlor. Das teilten am Donnerstag die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. und das Wolfsbüro Niedersachsen mit. Den vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Auftrag des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) durchgeführten Untersuchungen zufolge war das Tier von einem LKW erfasst worden.

Die DNA-Analyse des Kadavers durch das Senckenberg Institut brachte jetzt den Nachweis, dass es sich um einen männlichen Nachkommen des Munsteraner Rudels gehandelt hat. Diese Wölfe waren in den vergangenen Monaten häufig durch nahe Kontakte zwischen Mensch und Wolf sowie geringe Scheu vor Menschen aufgefallen. Zwei einjährige Jungwölfe tragen mittlerweile Halsbandsender, die die Standorte der Tiere regelmäßig melden.

Die Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen wird wissenschaftlich dokumentiert. Das Umweltministerium hat mit dem Wolfsmonitoring die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. beauftragt, die diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit dem Wolfsbüro im NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und den mehr als 100 Wolfsberatern wahrnimmt. Wer Spuren, Losungen oder Risse findet, die auf einen Wolf hinweisen, oder einen Wolf sieht, sollte seinen Fund dem örtlichen Wolfsberater oder der Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft Dr. Britta Habbe (wolf(at)ljn.de) melden.
Aktuelle Informationen zum Wolfsmonitoring in Niedersachsen finden Sie auf unserer Internetseite www.wildtiermanagement.com/ PM LJN

 Beitragsbild: Die Wanderroute des Wanderwolfs, Daten/Copyright: LJN/OpenStreetMap

 

 

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