Niedersachsen: “Waldkonsens” ohne Landesjägerschaft

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat ein “Gemeinsames Positionspapier Wälder für Niedersachsen” (Download hier) vorgelegt. Das von dem grünen Landwirtschaftsminister Christian Meyer als “Richtschnur für eine nachhaltig-ökologische Bewirtschaftung” und “dauerhafter Masterplan für Ökologie und Ökonomie” gepriesene Papier wurde am gestrigen Donnerstag feierlich im Ministerium signiert. 22 Verbände haben das Positionspapier gezeichnet, darunter Nabu und BUND, die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW), der ÖJV Niedersachsen, der Bundesverband der deutschen Säge- und Holzindustrie, der deutsche Gebirgs- und Wanderverein und viele mehr. Nicht dabei ist die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) Das verwundert auf den ersten Blick nicht, da das Positionspapier eindeutig die Handschrift des von der rot-grünen Landesregierung neu berufenen Waldbeirats Niedersachsen trägt, dessen Vorsitzender, der Göttinger Professor Christian Ammer, das Papier überarbeitet hat. Wenig erstaunlich daher, dass der sogenannte “Waldkonsens” mitunter einseitig die ökonomischen Interessen der Waldbesitzer vertritt.

Lippenbekenntnissen zur Verbundenheit von Wald und Wild stehen Forderungen nach “angepassten” Wildbeständen gegenüber, die einen Waldumbau “ohne zusätzliche Investitionen zur Wildschadensverhütung” ermöglichen sollen.

Auf Nachfrage von JAWINA erläutert Florian Rölfing, Pressereferent der LJN, warum der Verband das Papier nicht mitgezeichnet hat: “Aus unserer Sicht ist der Passus, dass das ML rechtliche Rahmenbedingungen einschließlich Regelungen zum Wildschadensersatz im Wald und die Förderpolitik auch mit dem Ziel der ökosystemverträglichen Anpassung der Wildbestände im Wald überprüfen und weiterentwickeln wird, eine politische Absichtserklärung, die nicht in ein solches Positionspapier passt und politisch betrachtet, einen Freifahrtsschein bedeutet”.

Der strittige Passus lautet im Zusammenhang (S. 14 f. Positionspapier):

Wir erkennen an, dass Wald und Wild untrennbar miteinander verbunden sind und die Jagdnutzung im Wald ein Einkommensfaktor sein kann. Wir sind davon überzeugt, dass der angestrebte Waldumbau nur bei regional angepassten Schalenwildbeständen gelingen kann. Sie gewährleisten den Aufbau strukturreicher Waldökosysteme aus standortgerechten Baumarten ohne zusätzliche Investitionen zur Wildschadensverhütung. Maßgeblich sind die wildbiologischen, landschaftsökologischen und waldbaulichen Erfordernisse. Die Effektivität der Bejagung soll unter Wahrung der Eigentümerinteressen weiter gesteigert werden. Wir erwarten eine erhebliche Lebensraumverbesserung in Wäldern, die sich naturnah entwickeln können.

Wir stellen aber auch fest, dass eine ungestörte Verjüngungsentwicklung ohne Schutzmaßnahmen vor Schäden durch Wild derzeit auf großen Flächen in Niedersachsens Wäldern kaum möglich und dass das Errichten von Wildschutzzäunen mit hohen Kosten verbunden ist. Sie belaufen sich in Niedersachsen auf jährlich ca. 10 Milli  en Euro und haben damit aus unserer Sicht ein nicht zu rechtfertigendes Niveau erreicht. ML wird die rechtlichen Rahmenbedingungen einschließlich der Regelungen zum Wildschadensersatz im Wald und die Förderpolitik auch mit dem Ziel der ökosystemverträglichen Anpassung der Wildbestände im Wald überprüfen und weiterentwickeln. Gemeinsam soll in Anknüpfung an die niedersächsische Erklärung zum „Wald-Wild-Konflikt” vom 2. Februar 2012 ein Leitbild zur Jagd im Wald erarbeitet werden. SE

Beitragsbild: Wald. Foto: SE

 

3 Gedanken zu „Niedersachsen: “Waldkonsens” ohne Landesjägerschaft

  1. Niederwildjäger

    Da ist ja die landesjägerschaft mal wieder schön isoliert…, das kann auf Dauer nicht gut gehen…! Wie kann man nur ständig gegen die ökonomischen Interessen der Waldbesitzer wettern…! Es ist völlig legitim, das jeder Waldbesitzer auch Geld mit seinem Wald machen soll. Dennoch beachten viele Waldbesitzer auch ökologische und soziale Belange. Hört auf, ein Keil zwischen Waldbesitzer und Jäger zu treiben und hört auf, es verwerflich zu finden, wenn Waldbesitzer auch Geld verdienen wollen…

    Antworten
  2. Peter H.

    Dies hat nicht ausschließlich mit den Interessen der Waldbesitzer zu tun, sondern mit der ideologisch geprägten Politik der Grünen. In Niedersachsen muss es genauso gehen wie in NRW -abwählen!

    Antworten
  3. Ralf K.

    Ich will es mal auf den Punkt bringen:
    Den Grünen scheint es darauf anzukommen, die Jagd nach Möglichkeit abzuschaffen.
    Möglicherweise tun sie dies, weil die Jagd nicht in ihre bunte Welt bzw. ihr Weltbild einer “Heilen Welt” passt.

    Stichwörter: “Wolf ersetzt Jagd” (auch wenn man festgestellt hat, dass das nicht funktioniert) und “Waffengesetz verschärfen”- auf Teufel komm raus.
    Sie erreichen dies durch Erschwerungen der Jagdausübungen durch Gesetze, die sie auf Bundes- und Landesebene durchzudrücken versuchen.

    Auf Bundesebene versuchen dies Frau Bundesumweltministerin Hendricks und Herrn Umweltstaatssekretär Flasbarth. Letzterer ist ehemaliger Nabu-Vorsitzender und betreibt Grünenpolitik. Er hat sich in die SPD eingeschlichen, um diese Grünen-Politik durchzusetzen.
    Umweltstaatssekretär Flasbarth hatte geäußert, dass der Wolf auch nach Erreichen eines positiven Erhaltungszustandes nicht ins Jagdrecht kommen werde. Demzufolge wird er als Vertreter Deutschlands in der EU auch nicht für die Herabstufung der Schutzstufe des Wolfes in der FFH-Richtlinie sorgen.

    Und die Herren Wenzel und Meyer sind ihrer “grünen Linie” treu geblieben und Herr Weil lässt sie machen. Wenzel verweist auf bestehende Gesetze, in denen der Wolf streng geschützt ist. Auch er wird nicht versuchen, die Gesetzeslage diesbezüglich zu verändern.

    Insgesamt betrachtet machen die Grünen mittlerweile Politik in und mit der SPD. Eine Verbotspolitik, die, zumindest auf die Jagd betrachtet, Niedersachsen und Deutschland aus meiner Sicht nicht nach vorne bringt.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.