Niedersachsen: Umweltministerium kündigt Untersuchung zu mutmaßlichem Wolfsbiss an

Zur Abwehr verwendeter Hammer sichergestellt – Lies: “Wenn sich bewahrheitet, dass es sich um einen Wolfsbiss handelt, muss das Tier so schnell wie möglich getötet werden”

Das niedersächsische Umweltministerium hat sich in die Untersuchung des gestern Nachmittag gemeldeten möglichen Wolfsbisses an einem Menschen in Bülstedt im LK Rotenburg eingeschaltet (JAWINA berichtete). Nachdem das Ministerium heute Nachmittag Kenntnis von dem Vorfall erlangt hatte, wurden unverzüglich zwei Mitarbeiterinnen des Wolfsbüros zur Sachverhaltsaufklärung nach Bülstedt geschickt. Vor Ort wurde Kontakt zu dem Melder aufgenommen. Es wurden Tier-Haarproben, der Pullover des Melders und der Hammer, mit dem der mutmaßliche Wolf abgewehrt wurde, sichergestellt. Die Proben sollen jetzt einer DNA-Analyse unterzogen und als Eilprobe beauftragt werden. Erste Ergebnisse werden nächste Woche erwartet. Das Umweltministerium steht hierzu auch mit dem örtlichen Wolfsberater in engem Austausch. Zudem waren Mitarbeiter der örtlichen Polizeidienststelle vor Ort.

Umweltminister Olaf Lies hat bereits Gespräche mit dem Ortsbürgermeister der Gemeinde Bülstedt, dem der Vorfall vom behandelnden Arzt heute gemeldet wurde, und dem Landrat des LK Rotenburg geführt. Sollte sich durch die entnommenen DNA-Proben bestätigen, was derzeit nicht erwiesen ist, dass es sich bei dem Biss tatsächlich um einen Wolfsbiss handelt, muss das Tier im Rahmen einer Maßnahme zur Gefahrenabwehr so schnell wie möglich getötet werden. Für diesen Fall hat das Umweltministerium bereits jetzt auf Leitungsebene Kontakt mit dem Innenministerium aufgenommen.

Minister Lies sagt dazu heute in Hannover: „Ich nehme die Situation sehr ernst und bin mit allen zuständigen Personen im Gespräch. Dennoch nützt es nichts, jetzt in Panik zu verfallen – zunächst gilt es den Sachverhalt sauber aufzuklären, um dann handlungsfähig zu sein, sollte sich der Verdacht bestätigen, dass es sich um einen Wolfsbiss handelt.“ PM

Beitragsbild: Wolf. Foto: Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

8 Gedanken zu „Niedersachsen: Umweltministerium kündigt Untersuchung zu mutmaßlichem Wolfsbiss an

  1. Anko

    “Sollte sich durch die entnommenen DNA-Proben bestätigen, (…) muss das Tier im Rahmen einer Maßnahme zur Gefahrenabwehr so schnell wie möglich getötet werden.”

    Wenn laut Umweltministerium im Fall der Fälle “das” Tier getötet werden soll, gibt es dann sicher vorher eine exakte Täteransprache, damit auch wirklich nur der Beißende und nicht etwa eines der drei bei der Beissattacke zuschauenden Rudelmitglieder Wolf getötet wird? Und die drei der Attacke beobachtend zuschauenden Rudelmitglieder will man wirklich stehen lassen?

    Werden zu Wahrung der Verhältnismäßigkeit dann alle vielleicht 20 freilaufenden Wölfe des Landkreises eingefangen und DNA-beprobt, um Verwechslungen auszuschließen?

    Jede Menge kuriose Probleme, in die sich die Politik durch den absurd hoch gehangenen Schutzstatus der Spezies selbst hereingeritten hat.

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    1. admin Beitragsautor

      Die Frage ist doch, ob es überhaupt eine Veranlassung gibt, ausgerechnet diesen Wolf bzw. diese Wölfe zu töten: Vier neugierige Jungwölfe haben mal ausprobiert, ob man Mensch essen kann. Der mutigste hat eins mit dem Hammer übergezogen bekommen und hat, so ist zu hoffen, aus dieser schmerzhaften Erfahrung was fürs Leben gelernt. Drei nicht ganz so mutige haben es mit angesehen und ihre Schlüsse gezogen. Vermutlich ist es eher unbedenklich, diese Wölfe leben zu lassen, denen eine gewisse Scheu wieder antrainiert wurde, vielleicht ist es sogar dringend anzuraten, da sie diese Erfahrung womöglich an andere Rudelmitglieder weitergeben könnten. Statt ausgerechnet diese Wölfe zu füsilieren, sollte man folglich lieber dafür sorgen, dass möglichst viele andere Wölfe ähnlich unangenehme Erfahrungen bei der Annäherung an Menschen, deren Siedlungen und Weidetiere machen. Es wäre an der Zeit, Lüge, Sentimentalität und Hysterie beim Thema Wolf endlich hinter sich zu lassen und rational zu handeln. SE

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      1. Anko

        Ich bezweifle diese Richtung des Lernerfolges:

        Beim Fangen von Sauen, Frischlingen, Kälbern, Tieren … bekommt der Wolf auch was auf den Hut. Und verfeinert danach zeitlebens seine Jagdstrategie, ohne von eben solchen durchaus wehrhaften Wesen abzulassen. Siehe in diesem Sinne auch schon die Antwort von Ronbi weiter unten.

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        1. admin Beitragsautor

          Das ist aber eine andere Situation: Das “Fangen von Sauen, Frischlingen, Kälbern, Tieren” endet i.d.R. mit dem Fangerfolg und dem Verzehr der Beute, also einem Erfolgserlebnis, einer Belohnung – und das scheint mir das Entscheidende zu sein: Hat ein Raubtier, egal ob Tiger in Indien, Löwe in Afrika oder eben ein Wolf in Niedersachsen einen Menschen getötet und/oder gar gefressen und so die Erfahrung “schnarchlangsam, völlig wehrlos und ziemlich lecker” abgespeichert, muss es zwecks Gefahrenabwehr selbstverständlich erlegt werden. Dieser Devise folgen z.B. auch die Wildhüter in Alaska: Tötet oder verspeist ein Grizzly einen Menschen, werden meist alle in Frage kommenden Bären in dem Gebiet erschossen – aber eben nicht in den vielen Fällen, wo es zu Begegnungen kommt, in denen der Mensch ein paar Kratzer und der Bär eine Ladung Bärenspray abbekommen hat. Gleichwohl mag es durchaus vertretbar sein, diese Wölfe (falls es denn welche waren) vorsichtshalber abzuschießen, es sind ja genug davon da.

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  2. MH

    Am Ende werden es sicher nur vier streunende Hunde sein, die sich zusammengetan und bis zu diesem Zeitpunkt unbemerkt ihr Unwesen getrieben haben. Die sind auch keinem Jäger oder Spaziergänger aufgefallen, so wie immer. Nicht umsonst wird Tierhaltern inzwischen geraten, beim Material für die DNA-Analyse eine “B-Probe” zu ziehen.

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  3. Niemand Sonst

    “Sollte sich durch die entnommenen DNA-Proben bestätigen, (…) muss das Tier im Rahmen einer Maßnahme zur Gefahrenabwehr so schnell wie möglich getötet werden.”

    “Für diesen Fall hat das Umweltministerium bereits jetzt auf Leitungsebene Kontakt mit dem Innenministerium aufgenommen”.

    Schickt das Innenministerium dann Wasserwerfer, Panzer, Scharfschützen, vielleicht das SEK oder gar die GSG9????? 🙂

    Natütlich nicht. Die erteilen den vier Wölfen einen Platzverweis. 🙂 🙂 :). Was sollen die denn sonst machen???????

    Und wenn das nicht reichen sollte, haben wir ja noch die Bundeswehr. 😉
    Naja. Einen halbwegs funktionierenden Leopard 2 aus irgendeinem Ausbildungsregiment wird unsere Bundesverteidigungsministerin hoffentlich noch auftreiben können ( Oder etwa nicht? ). 🙂

    Wer entscheidet über den Abschuss?
    Wer genehmigt ihn?
    Wer traut sich überhaupt?
    Welchen von den vier Wölfen nimmt man denn ins Visier?
    Ist man überhaupt noch in der Lage sich gegen die Wolfbefürworter durchzusetzen?

    Bis die Ergebnisse da sind haben die meisten eh schon vergessen was passiert ist. Und alles geht wieder seinen gewohnten Gang.

    Alles hohle Phrasen!
    Diese Aussagen kann man unter “Hauptsache was gesagt” oder “Hauptsache einer glaubts” abhaken.

    Eines haben die Aussagen unserer Politiker: Sie sind lustig!!!!! 🙂 🙂 🙂

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  4. Ronbi

    Da kriegt ein Wölfchen in der Ausbildung einen richtig deftigen Scheitel von einer Hirschkuh oder einem Wildschwein gezogen.
    Was lernt er daraus? Vorsicht. Und am Ende ausgewachsen, ist er oder sie im Hirsche oder Wildschweine fangen unschlagbar.

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  5. Ahe

    Ich denke der Hammerwerfer hat hier auch durch sein reflexartiges Handeln zur Eskalation beigetragen unter Umständen sogar um die Tat für sich und seine Ansichten nutzbar zu machen.
    Der vermeintliche „Angriff“ (Erstkontakt) des Beschüldigten war geprägt durch seine jugendlichen Unerfahrenheit und einem gewissen Gruppenzwang (Mitläufer schauten zu und applaudierten). Hinzukommt das nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden kann ob der Beschuldigten sich zum Tatzeitpunkt unter einem Rauschzustand (vergorenes Waldobst im Herbst etc.) befand. Desweiteren kannte der Beschuldigte die Gepflogenheiten seiner Umgebung nicht und konnte demzufolge nicht die richtige Handlungsweise an den Tag legen.
    In Anbetracht dieser Punkte ist wohl die geforderte Todesstrafe als absurd zu bezeichnen. Beide Pateien sollten einem Resozialisierungsprogramm unterzogen werden. In diesem Sinne auf ein gemeinsames friedliches Miteinander.

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