Niedersachsen: Umstrittene Jagdzeitenverordnung tritt in Kraft

Landesjägerschaft erwägt Normenkontrollklage – Minister Meyer: “Fairer Kompromiss”

Am heutigen 1. Oktober tritt die neue Jagdzeitenverordnung (JZVO) für das Land Niedersachsen in Kraft. Nachdem die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) und der Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen e.V. (ZJEN) mehrfach und eindringlich Nachbesserungen eingefordert haben, die unberücksichtigt blieben, prüfen die Verbände nun gemeinsam mit dem Verband für Naturschutz und ökologische Jagd in Ostfriesland e. V.  die Durchführung einer Normenkontrollklage gegen die Verordnung.


“Wir haben alle Möglichkeiten, die uns offen standen, genutzt, um wissenschaftsbasiert und faktenorientiert auf die Fehleistungen dieser neuen Verordnung hinzuweisen – leider sind wir mit unseren Argumenten und Vorschlägen auf taube Ohren gestoßen”, so LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke in einer Pressemitteilung der LJN. Die Begründungen, die das Landwirtschaftsministerium für die Verkürzung der Jagdzeiten oder die Vollschonung einiger Arten liefert, seien wildbiologisch und ökologisch nicht nachvollziehbar –  im Gegenteil, sie sprächen eher für eine Beibehaltung der aktuellen Jagd- und Schonzeiten. Insbesondere die Aufhebung der Jagdzeit für Saat- und Blässgänse und die Verkürzung der Jagdzeiten auf Wasserfederwild in Schutzgebieten entbehrten jeder fachlichen Grundlage. Sie stellen nach Ansicht der Verbände einen massiven Eingriff in das verfassungsrechtlich geschützte Jagdrecht dar, der nicht akzeptiert werden könne. Daher prüfen die Verbände nun den Rechtsweg: „Einschränkungen der Jagd auf Tierarten, die in ihrem Bestand gänzlich ungefährdet sind und in der Kulturlandschaft hohe Schäden verursachen, können so nicht stehen bleiben“, stellte ZJEN-Präsident Hans-Heinrich Ehlen klar.

Erkannt habe dies das Landwirtschaftsministerium offenkundig nur bei dem Verzicht auf die Verkürzung der Bejagung des Schalenwildes im Januar. Dies sei zwar ein richtiger Schritt, jedoch ein viel zu geringer in Anbetracht der massiven Einschränkungen, die jetzt auf die Betroffenen zukommen, so die LJN.

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) bezeichnete die neue JZVO als “fairen Kompromiss zwischen Landwirten, Jägern und Naturschützern.” Dass die Naturschutzverbände stärkere Reduzierungen der Jagdzeiten fordern, die wiederum die Jäger als zu weitgehend kritisieren, sei bei einem solchen Abwägungsprozess normal“, so der Minister. Niedersachsen nehme mit der neuen JZVO die unter der schwarz-gelben Vorgängerregierung vorgenommene massive Ausweitung der Jagdzeiten insbesondere bei Gänsen in Vogelschutzgebieten zurück und bewege sich in etwa auf dem Niveau der Jagdzeitenverordnung der letzten sozialdemokratischen Regierung 2002.

Die novellierte Jagdzeitenverordnung sei “auf den Weg gebracht worden, um die Jagd ökologisch neu auszurichten und mehr an Natur- und Artenschutz zu orientieren. Das Schalenwild – dazu gehören unter anderem Rotwild, Damwild und Schwarzwild – darf wie bisher bis zum 31. Januar eines Jahres bejagt werden. Zum Teil sind die Jagdzeiten ausgeweitet worden; für Rehwild und bestimmte Hirscharten ist die Jagdzeit vom 1. September auf den 1. August vorgezogen worden. Bei den Rehböcken wurde die Jagdzeit insgesamt um drei Monate verlängert. Beim Hasen, Dachs und Blässhuhn gibt es hingegen Verkürzungen oder Einschränkungen der Jagdzeit.

Meyer bestätigte seinen Beitrag zum Kompromiss und zur Rücknahme der Verkürzung der Jagdzeit auf Keiler, Bachen, Hirsche und Rehe um zwei Wochen im Januar. „Wenn sowohl Förster als auch Umweltverbände, ökologische und konventionelle Jäger dies einfordern, bin ich der Letzte, der dann ‚nein’ sagt. Mit dem Zugehen auf die Jägerschaft verbinde ich aber auch die Erwartung, dass die Gesamtjagdzeit besser genutzt wird, um Verbissschäden zu reduzieren und so Wildbestände zu erreichen, die an den Wald angepasst sind.“ Nicht die Gesamtlänge der Jagdzeit sei entscheidend, sondern die effektive Nutzung von Jagdstrategien. „Die bisherigen Statistiken sind in dieser Hinsicht jedenfalls unbefriedigend“, so der Minister. „Demnach hat Deutschland nämlich die längsten Jagdzeiten, aber dennoch die höchsten Wildbestände.“

Die Jagd auf Wildgänse in EU-Vogelschutzgebieten wird ebenfalls erheblich reduziert. Bläss- und Saatgans bekommen auch aus Artenschutzgründen eine ganzjährige Schonzeit, wie von den Umweltverbänden gefordert. In Vogelschutzgebieten wird die Jagd auf Gänse und Enten während der Zugvogelsaison generell auf den 30. November verkürzt. Außerhalb der Vogelschutzgebiete bleibt das Ende der Jagdzeit auf wilde Gänse beim 15. Januar. Damit soll auch eine stärkere Lenkung und modernes Gänsemanagement erfolgen.

Eine Neuerung wird bei der Jagd auf Wildgänse eingeführt. Ab kommendem Jahr soll es eine noch stärkere Differenzierung bei Jagd- und Ruhezonen für Gänse in Vogelschutzgebieten geben. „Dann wollen wir innerhalb der Vogelschutzgebiete das moderne Instrument der Intervalljagd einführen“, sagte Meyer. „In vorher festgelegten Teilgebieten darf dann im Zwei-Wochen-Rhythmus in einer Zone gejagt werden, während in anderen die Gänse Schonung genießen.“

Dass der Landwirtschaftsminister die neuen Jagdzeiten als Kompromiss und als großes Entgegenkommen gegenüber den Interessen von Jägern, Jagdgenossen, Landwirten, Waldbesitzern und Grundeigentümern verkauft, stößt bei LJN und ZJEN auf Unverständnis: “Das verkennt die Sachlage auf erschreckende Art und Weise, insbesondere da die Entscheidungsfindungen des Landwirtschaftsministers nicht auf Grundlage von Fakten verlaufen”, so die beiden Verbandspräsidenten einhellig. Die Jagdausübung sei ein Eigentumsrecht, das verfassungsrechtlich höchsten Schutz genießt. Nicht die Jagd müsse deshalb begründet werden, sondern umgekehrt deren Einschränkung. Schließlich beinhaltete die Jagd den gesetzlichen Auftrag, für landeskulturell angepasste Wildbestände und die Vermeidung von Wildschäden zu sorgen. „Dafür aber brauchen wir ausreichende Jagdzeiten“, so die beiden Verbandsvertreter abschließend. PM LJN/PM ML Niedersachsen

Beitragsbild: Logos der Verbände LJN und ZJEN, Copyright: LJN/ZJEN

 

Ein Gedanke zu „Niedersachsen: Umstrittene Jagdzeitenverordnung tritt in Kraft

  1. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Man kann nur hoffen, dass LJN und ZJEN tatsächlich den Klageweg beschreiten, um der grünen Ökodiktatur und schleichenden Enteignung der Jagdrechtsinhaber etwas entgegenzusetzen. DJV und BAGJE sind aufgerufen ihren jeweiligen Landesverbänden Rückendeckung zu geben. Für den anderen Weg, Großdemonstrationen wie vor kurzem im Saarland, sind sich die Jagdverbände und Verbände der Jagdrechtsinhaber offenbar zu fein. Die Hoffnung auf Vernunft wird bei den Ökoideologen, die zumeist von jedem Naturverständnis weit entfernt sind, aber nicht erfüllt werden. Und aussitzen darf man diese Situation nicht. Denn wenn die Jagd, wie wir sie kennen und wie sie vernünftig ist, erst kaputtgemacht ist, wird es keinen Weg zurück mehr geben. Jetzt muss gehandelt werden und nicht geschwafelt. Jeder Jäger in jedem Bundesland muss jedem Abgeordneten in Kreis-, und Landtagen sowie im Bundestag jeden Tag eine Email schicken und sachlich fundiert auf den grünen Ökoschwindel hinweisen. Faule politische Kompromisse darf es in Sachen Jagd nicht geben. Dazu muss uns der Rest von Natur in unserem Land zu schade sein!

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