Niedersachsen: Streit um Jagdpachtverträge auf ostfriesischen Inseln

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat die Verlängerung von insgesamt elf Jagdpachtverträgen für landeseigene Flächen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer scharf kritisiert. Die Jagdreviere befinden sich auf den ostfriesischen Inseln, jüngst wurden die Pachtverträge für Norderney, Baltrum, Langeoog und Wangerooge verlängert . “Dieses eigenmächtige Vorgehen des Landwirtschaftsministeriums ist mir vollkommen unverständlich und ganz schlechter Stil!”, polterte Lies: “Die neuen Pachtverträge sind in meinem Hause nämlich unbekannt. Wieso die Domänenverwaltung jetzt Verträge abschließt, die offenbar von dem auf Arbeitsebene erzielten Kompromiss und dem gemeinsam zwischen meinem Haus und dem Landwirtschaftsministerium erarbeiteten und in Kraft gesetzten Erlass erheblich abweichen, ist mir unbegreiflich”, sagte Umweltminister Olaf Lies. “Dieser Alleingang bedeutet einen hohen Vertrauensverlust.”

Im Vorfeld hatten die Domänenverwaltung und die Nationalparkverwaltung eine intensive Abstimmung durchgeführt, erklärt das SPD-geführte Umweltministerium. Ziel sei gewesen, “für die landeseigenen Flächen die Gestaltungsmöglichkeiten des Landes wahrzunehmen und durch angemessene jagdliche Regelungen der herausragenden Bedeutung des Nationalparks und Weltnaturerbes Wattenmeer für den internationalen Vogelschutz gerecht zu werden.” Auch die einschlägigen Naturschutzorganisationen, die die Vogeljagd im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer bekanntlich am liebsten gänzlich verbieten würden, protestierten gegen die Neuvergabe der Jagdpachten.

“Als moderne Industrienation sind wir auch Vorbild für andere Nationen”, glaubt Lies. “Mit der Einrichtung des Weltnaturerbes haben wir eine besondere Auszeichnung erhalten, aber auch einen Auftrag von internationaler Bedeutung angenommen. Wir nehmen den Schutz der Rast- und Zugvögel sehr ernst.” Olaf Lies weiter: “Wir wollen eine nachhaltige und moderne Naturschutzpolitik und eine rückwärtsgewandte Jagd kann nicht in unserem Sinne sein [Hervorhebung durch Red.]. Mit dem jetzigen Alleingang konterkariert das Landwirtschaftsministerium den Naturschutz und stellt die bislang gute Zusammenarbeit mit meinem Haus auf eine harte Probe.”

Diese Worte des SPD-Umweltministers sollte sich jeder Jäger gut merken…

Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast nahm zu den Vorwürfen wie folgt Stellung: “Auf den ostfriesischen Inseln sind Jagdpachtverträge ausgelaufen und daher verlängert worden. Dies ist ein üblicher Vorgang, der von den Domänenverwaltungen vorgenommen wird und damit voll in die Ressortzuständigkeit meines Hauses fällt. Den Vorwurf, mit den verlängerten Verträgen den Naturschutz zu konterkarieren, weise ich entschieden zurück!

Bereits das Nationalparkgesetz sieht weitreichende Einschränkungen der Jagd auf den ostfriesischen Inseln vor. Diese Einschränkungen gelten weiterhin. Auch sind in den verlängerten Pachtverträgen erneut zusätzliche Einschränkungen vorgesehen, die über das Nationalparkgesetz hinausgehen. Dazu ein Beispiel: Eine Jagdausübung an den Tagen der offiziellen Wasser- und Watvogelzählungen ist weiterhin ausgeschlossen.

Den Vorwurf des ,schlechten Stils’ an unser Haus habe ich mit Überraschung zur Kenntnis genommen. Eine offenbare Verärgerung über einen Vorgang nicht zunächst im Gespräch mit unserem Haus, sondern direkt öffentlich zu kommunizieren, ist nicht nur ausgesprochen bemerkenswert, sondern zwischen Koalitionspartnern auch nicht nachvollziehbar und mehr als ärgerlich.” PM/SE

Beitragsbild: Küste im Niedersächsischen Wattenmeer. Foto: SE

4 Gedanken zu „Niedersachsen: Streit um Jagdpachtverträge auf ostfriesischen Inseln

  1. Grimbart

    Der Nabu hat genügend seiner Leute in den Ministerien platziert um Einfluss zu nehmen. Ist doch mal wieder ein schönes Beispiel.

    Antworten
    1. Edelmann

      Um diesen Vorgang einordnen zu können, müsste man wissen, was “verlängert” bedeutet.
      Sind neue Verträge ohne Ausschreibung und Auswahlverfahren an die bisherigen Pächter gegangen?
      Wer sind die Pächter? Geht es um Prestige, um “möchtegern-Erbhöfe”?
      Und was Menschen betrifft, die Mitglied im NABU sind – wie sieht es denn mit Jagdscheininhabern in den Ministerien aus?
      Wurden diese auch “platziert”?
      Das Verhältnis wird sich schon irgendwie “die Waage halten”.

      Antworten
      1. Ralf

        Warum sollten denn die alten Pachtverträge nicht verlängert werden dürfen? Die Domänenverwaltungen haben so entschieden. Sie werden ihre Gründe für die Entscheidungen gehabt haben.
        Aus linksgrüner Sicht müssten die Pachtverträge an “alternative Menschen” gehen, weil Tradition verboten gehört?

        Was mich erheblich stört, ist der zu Recht fett gedruckte Teilsatz des Herrn Lies: “eine rückwärtsgewandte Jagd kann nicht in unserem Sinne sein”.
        Damit hat sich Herr Lies ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt. Die Jagd in Deutschland ist mustergültig und weltweit anerkannt. Sie dient mit der Hege der Arterhaltung der jagdbaren Wildarten, aber auch der Erhaltung nichtjagdbarer Tiere. Hier möchte ich als Stichwort die Fallenjagd nennen. Sowas darf auf den Inseln nicht stattfinden? Was bitte fällt Herrn Lies ein, ein solches Statement abzugeben!?

        Antworten
  2. Kr.-Itisch

    Worum geht es hier eigentlich. Um Wahlkampf, bzw. politische Scharmützel. Da wird jedes Thema hergenommen um Klientelpolitik zu betreiben, den politischen Gegner zu diskreditieren oder um Zuständikeiten an sich zu reissen. Umweltministerium vs. Landwirtschaftsministerium, SPD vs. CDU. Um die Sache geht es dabei überhaupt nicht. Leider!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.