Niedersachsen: “Neue Kategorie wölfischen Verhaltens”

CDU-Landtagsabgeordneter: “Umweltminister Wenzel hat nur den Spielraum, den ihm die Naturschutzverbände lassen.”

Bei Wardböhmen im niedersächsischen Landkreis Celle hat ein Wolf eine Spaziergängerin mit Hund “verfolgt” und den mittelgroßen Mischling schließlich gebissen, wie der NDR berichtete. Der Vorfall spielte sich in nur etwa 100 Metern Entfernung von der Ortschaft ab. Die Frau ließ den Hund von der Leine, der daraufhin auf den Wolf zusprang und im anschließenden Gerangel einige Bissverletzungen am Hals davontrug. Der Hundehalterin gelang es, den Wolf durch “Schreien und Gesten” zu vertreiben. Auf den Fotos, den die Frau von dem Wolf machte, ist zu erkennen, dass es sich um einen besenderten Wolf aus dem Munsteraner Rudel handelt, die schon mehrfach durch mangelnde Scheu gegenüber Menschen aufgefallen waren.

Wegducken als Politikstil

Vom niedersächsischen Umweltministerium unter Leitung des Grünen-Politikers Stefan Wenzel war keine Stellungnahme zu dem Vorfall zu erhalten. Stattdessen verwies man dort auf das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN). Dessen Pressesprecher erklärte gegenüber Jawina, er könne weder zur Identität, noch zum Aufenthaltsort der besenderten Wölfe nähere Angaben machen, da die GPS-Halsbänder derzeit nicht funktionierten und verwies ansonsten auf die Richtlinien zum Verhalten bei Begegnungen mit Wölfen (Hunde stets anleinen!).

Der niedersächsische CDU-Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann, der anlässlich des mutmaßlichen Wolfsangriffs auf einen Jogger vor wenigen Wochen Minister Wenzel für sein Schweigen bereits scharf kritisiert hatte, erklärte im Gespräch mit Jawina, dieser Wolfsvorfall stelle “eine neue Kategorie” wölfischen Verhaltens dar: Es sei das erste Mal, dass ein Wolf einem Menschen “aktiv hinterher gegangen” sei. Der Vorfall reihe sich eine Serie von bedenklichen Nahbegegnungen ein: Erst vor wenigen Tagen sei ein Wolf durch eine Ortschaft in der Nähe von Wardböhmen gezogen, wovon es ein Video gebe.

Angermann erklärte sein Unverständnis angesichts der fortdauernden Untätigkeit des grünen Ministers: Wenzel habe offenbar “nur soviel Spielraum, wie ihm die Naturschutzverbände lassen.” Wenzel fürchte eine Anzeige, sonst hätte er den verhaltensauffälligen Wolf in Diepholz-Vechta schon zum Abschuss freigegeben.

Es sei bedauerlich, so Angermann, dass die GPS-Halsbänder der besenderten Wölfe nicht funktionieren: “Man hätte die Positionsdaten zur Vergrämung der Wölfe nutzen können und so auch nachvollziehen können, ob die Vergrämung funktioniert.” Man müsse sich fragen, ob die Landesregierung auf weitere Wolfsvorfälle vorbereitet sei, dies sei aber zu bezweifeln: “Die CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag fordert seit langem die Einrichtung einer “Task Force”, die bei Wolfsangriffen schnell reagieren kann und zum Beispiel Vergrämungsmaßnahmen einleiten, und, wo nötig, durchführen kann. Dies ist bisher aber nicht geschehen.”

Es müsse wohl erst etwas schlimmeres passieren, fürchtet Angermann: “Am Anfang hat man uns erzählt, wir würden die scheuen Wölfe nie sehen, jetzt laufen sie tagsüber durch die Ortschaften und es heißt, das seien junge Wölfe in der Pubertät, kein Anlass zur Beunruhigung.” Die Frage sei, wie lange verhaltensauffällige Wölfe noch tolerierbar seien: “Diesmal war es eine sehr wehrhafte Frau, die den Wolf verscheuchen konnte. Es sind aber auch weniger wehrhafte Menschen unterwegs – was passiert dann?” SE

Beitragsbild: Headline des verlinkten NDR-Beitrags.

 

Ein Gedanke zu „Niedersachsen: “Neue Kategorie wölfischen Verhaltens”

  1. Joachim Orbach

    Vorfälle herunterspielen, bisher noch nicht vorgekommen oder es waren Hunde und danach ” Das Schweigen der Lämmer”. Man sollte doch tatsächlich einmal die Vorfälle mit Wölfen auflisten -einschl. der zunächst dummen Antworten. Wollen die Politiker tatsächlich die Bevölkerung verar………? Die Wölfe in unserer Kulturlandschaft dürften zunehmend ihre natürliche Scheu verlieren und sich Vorfälle häufen. Würde da nicht so mancher Politiker so manchem Betroffenen gerne einen Maulkorb verpassen?

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