Niedersachsen: Jäger dürfen Produkte direkt an Verbraucher verkaufen

Jägerinnen und Jäger können ihr Wildbret und daraus hergestellte Erzeugnisse selbst vermarkten. Dabei dürfen sie auch die Räumlichkeiten von anderen zugelassenen oder registrierten Lebensmittelunternehmen – zum Beispiel handwerklichen Fleischereien – nutzen bzw. deren Dienstleistung in Anspruch nehmen. Das ist der Kern eines Erlasses, den das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) nun an die zuständigen Veterinärbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte versendet hat. Auch die Landesjägerschaft Niedersachsen und der Fleischerverband haben den Erlass erhalten.

Da Restaurants, Gaststätten und Hotels aufgrund der Corona-Krise einige Wochen geschlossen waren und als wichtige Abnehmer ausgefallen sind, ist es derzeit schwierig, erlegtes Wild zu vermarkten. Gleichzeitig ist es insbesondere in Hinblick auf die Vermeidung eines Eintrags der Afrikanischen Schweinepest wichtig, Schwarzwild weiterhin intensiv zu bejagen. Vor diesem Hintergrund hat das ML mit dem Erlass eine Hilfestellung formuliert, der den zuständigen Veterinärbehörden sowie Jägern und Lebensmittelbetrieben die rechtlich zulässigen Wege der Wildbretvermarktung aufzeigt. Für Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast ist es wichtig, dass die Tiere für die Gewinnung von Lebensmitteln erlegt werden und nicht in der Tierkörperverwertung enden. Daher sei die Vermarktung durch die Jägerinnen und Jäger der beste Weg, die Produkte auf kurzem Weg an private Kunden zu bringen. Barbara Otte-Kinast: „Wildfleisch kommt aus der Region, ist hochwertig und schmackhaft – und man kann es gut als Steak oder Bratwurst auf den Grill legen!“

 

Der Erlass beschreibt, dass Jägerinnen und Jäger andere Lebensmittelunternehmen beauftragen können, Produkte wie etwa Wurst aus dem erlegten Wild herzustellen. Diese Produkte dürfen die Jäger dann wiederum selbst vertreiben, wenn sie sich bei der zuständigen Veterinärbehörde als Lebensmittelunternehmer haben registrieren lassen. Die Abgabe der Produkte darf jedoch nur an Endverbraucher erfolgen – entweder am Wohnort des Jägers oder über einen lokalen Marktstand im Umkreis von weniger als 100 Kilometern um den Wohnort des Jägers oder den Erlegungsort. Voraussetzung hierfür ist außerdem die Einhaltung der einschlägigen lebensmittelrechtlichen Hygienebestimmungen. PM

Beitragsbild: Wildbret. Foto: SE

 

4 Gedanken zu „Niedersachsen: Jäger dürfen Produkte direkt an Verbraucher verkaufen

  1. Enok1969

    Was soll daran neu sein? So läuft das doch schon einige Jahre. Der Jäger registriert sich beim LMÜ-Amt als Lebensmittelunternehmer und darf dann im Umfang der Beantragung/Genehmigung, je nach räumlichen Voraussetzungen, Wild und Teile von Wild direkt vermarkten…

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    1. Frank

      Sorry, aber damit offenbaren Sie entweder eine ungenügende Lektüre des Beitrags oder völlig unzureichende Kenntnisse des harmonisierten Lebensmittelrechts. Dies folgt durchgängig der Prämisse der Rückverfolgbarkeit zum Erzeuger. Hinsichtlich des Primärerzeugnisses Wild (Karkasse in Decke, Schwarte, Balg oder Federkleid) wie auch küchenfertig zugerichteten Fleischstücken sind dies immer nur BEarbeitungen des Primärerzeugnisses Wild (mit dem Messer), für die die Rückverfolgbarkeit zum vermarktenden Jäger linear mühelos ist – rechtskonforme Kennzeichnung vorausgesetzt.
      Bei Wurst, Schinken, etc., veredelten Wilderzeugnissen also, handelt es sich definitionsgemäß um VERarbeitete Produkte! Wo kommen die nun her? Verkauft der Erleger seine Beute einem Verarbeiter (Metzger), der sie veredelt und weitergibt, muss er qua Kennzeichnung rückverfolgbar sein, der Erleger ist es dann nur noch über ihn als sein Vorlieferant – aber für die Lebensmittelsicherheit seines Erzeugnisses ist der Verarbeiter verantwortlicher Urheber!
      Was aber nun, wenn der Erleger im Eigentum seiner Beute bleibt, die aber vom Verarbeiter als Drittem in dessen eigenen Räumen – und damit der Kontrolle des Erlegers entzogen – veredeln lässt, das Ergebnis anschließend aber selbst in Verkehr bringt? Dann bleibt nur er als Urheber rückverfolg- und damit haftbar, und zwar auch für die durch den dieser kontrollierten Rückverfolgbarkeit entzogenen Verarbeiter!
      Deswegen ist dies im Prinzip nur zulässig, wenn der Erleger für die Veredelung eigene Anlagen unterhält, in denen er – ggf. durch einen Dritten rsp. unter dessen zu Hilfenahme – „selbst“ (i. e. im eigenen Kontroll- und Verantwortungsbereich) verarbeitet. Dafür müsste er sich dann allerdings auch als VERarbeitungsbetrieb tierischer Erzeugnisse gemäß EU-Recht zertifizieren lassen – und eben nicht bloß als Wild(bret)vermarktender Jäger (Primärerzeuger oder maximal BEarbeiter! Weil das ein Riesenunterschied ist (lebensmittel- und haftungsrechtlich wie praktisch) macht das natürlich niemand! Meist wird der vorgenannte Weg beschritten, der rechtlich ein Umgehungstatbestand ist. Weil dafür aber eine Kontrollierbarkeit praktisch ohne weiteres oder jedenfalls mit weit geringerem Aufwand für den Erleger als die Einrichtung und Zertifizierung eines eigenen VERarbeitungsbetriebes, ist der Gesetzgeber mit seiner großzügigen Auslegung des Europarechts dem Erleger weit entgegengekommen und hat so Jägern, die ihr Beuteaufkommen kaum allein in Form von Frischfleisch vermarkten können oder wollen, aus der rechtlichen Patsche geholfen – und genau das ist durchaus neu, zumal es solche Regelungen bei uns noch lange nicht in allen (für die Lebensmittelsicherheit rsp. deren Überwachung zuständigen) Bundesländern gibt. Ein Hintergrund, der gemäß EU-VO 853/2004 in der Schulung zur dort definierten „kundigen Person“ eigentlich vermittelt worden sein sollte…

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