Niedersachsen: Der Wolf und der Hass – Lies verteidigt Entscheidung für Entnahme von GW7171m

Am Montag, den 11.02. fand im Ausschuss für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz des Niedersächsischen Landtages eine Sitzung statt, in der Umweltminister Olaf Lies (SPD) sich zur Abschussgenehmigung für den Leitwolf des Rodewalder Rudels GW7171m äußerte. Die zur Illustration des Vortrags von Minister Lies dienende Power-Point-Präsentation hat das Umweltministerium jetzt online gestellt.

In dem hoch interessanten Dokument mit dem Titel “Problemwölfe – Herausforderung für Artenschutz und Weidetierhaltung” stellt Lies zunächst die Situation im Allgemeinen dar (Zunahme der Wolfspopulation um 30 Prozent jährlich, flächendeckende Besiedlung absehbar, Akzeptanz größte Herausforderung…), um dann auf die spezielle Lage im Gebiet des Rodewalder Rudels einzugehen. Interessant sind die Folien, die sich den “Reaktionen auf Probleme mit Wölfen in den sozialen Medien” widmen: Hass und Häme gegen geschädigte Tierhalter, Drohungen und Diffamierungen gegen Personen, die in die Entscheidung für die Entnahme von Problemwölfen involviert sind.

Die in der Präsentation gesammelten Beispiele von Hetze gegen Jäger (“Macht ihm das Leben zur Hölle, hier ist Mobbing durchaus ein Mittel der Wahl!”) oder Politiker (“gezielten Abschuss von Herrn Dammann-Tamke fordern”) oder auch gegen Geschädigte von Wolfsrissen (“dem Alkohol zugetan, Geld geflossen, damit er diese Aussage macht”) stellen freilich nur eine winzige Auswahl dessen dar, was üblicher- und traurigerweise kübelweise über Betroffene ausgeschüttet wird. Das reicht aber, um auf eindrückliche Weise das Problem zu verdeutlichen – und das unterirdische und teils kriminelle Niveau der Auseinandersetzung um den Wolf aufzuzeigen. Die von den Wolfskuschlern aufgebaute Drohkulisse erachtet das Ministerium offenbar für glaubhaft genug, um etwa bedrohte Wolfsberater aus der Schusslinie zu nehmen (JAWINA berichtete) oder auf eine “aktive Kommunikation” zur Entnahme von Problemwölfen zu verzichten. Der “Schutz von mit Entnahmeentscheidung und Ausführung befassten Personen” geht vor.

“Tierliebe oder Menschenfeindlichkeit?”

Hetze und Hass gegen Opfer und Entscheider wirken umso beklemmender durch den Kontrast zu den von den selben Akteuren geäußerten extrem emotionalen, sentimentalen und vermenschlichenden Sympathiebekundungen für die Wölfe (“Vaterwolf Roddy, Wolfsfamilie bestehend aus Vater, Mutter, 2 Kinder, tötet ihr auch Kinder weil die nen Schokoriegel klauen der auf einem uneingezäunten Grundstück liegt???”).

Sehr sachlich fährt Lies mit der Begründung für die Abschussgenehmigung für GW717m fort. Er schildert die Konsequenzen des Nichthandelns für die artgerechte Tierhaltung, rechnet die Kosten für eine flächendeckende Einzäunung von Weideflächen vor und weist auf deren verheerende ökologische Auswirkungen hin. Werde GW717m nicht unverzüglich entnommen, so werde der Staat als handlungsunfähig wahrgenommen, die Akzeptanz für den Wolf im ländlichen Raum wird weiter drastisch abnehmen, die Betroffenen fühlten sich allein gelassen und in der Folge würden illegale Abschüsse zunehmend zum Problem. SE

Beitragsbild: Folie aus der Präsentation “Problemwölfe – Herausforderung für Artenschutz und Weidetierhaltung” (Screenshot)

 

7 Gedanken zu „Niedersachsen: Der Wolf und der Hass – Lies verteidigt Entscheidung für Entnahme von GW7171m

  1. F. Klimke

    Es ist beschämend und bedrückend, in welcher Art und Form sich “Wolfsschützer” äußern und andere Menschen bedrohen.
    Keine Ahnung von “Roddy und…” aber drohen.
    Geht raus und seht euch solche zerfetzten Haufen Fleisch mal an!!

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  2. Kr.-Itisch

    Das Problem ist, das man solche Hass-Kommentare bislang nur maximal als Kavaliersdelikt angesehen hat. Da aber das Verfassen und ins Netz stellen solcher Kommentare mittlerweile eskaliert, und das nicht nur im Bereich der Jagd/Naturschutz, müssen hier endlich rechtstaatliche Mittel geschaffen werden, um dem nach zu kommen. Technisch sollte es kein Problem sein, die Verfasser zu identifizieren. Juristisch sind das alles Anstiftung zu Straftaten, nichts anderes. Links- wie Rechtsterrorismus hat letztlich genau so angefangen, jetzt kommt der Tierschutz-Terrorismus hinzu. Vielleicht sollte auch mal erwähnt werden, dass auch durch den sehr einseitig geprägte Journalismus á la Jaenicke, Wohlleben, Kieling etc. und auch die dazugehörigen Medien und deren Berichterstattung die Saat für diesen „Tierschutz-Terrorismus“ gelegt wurde.

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    1. MH

      Ganz genau. Und der Schulterschluß mit diesen Leuten ging ja auch bis in unsere bekannten NGOs. Wenn jetzt der NABU beim Thema Entnahme die Kehrtwende absolviert und anfängt, “mit den Wölfen zu heulen”, nachdem man jahrelang ordentlich Spenden mit dem Thema generiert hat und jetzt vermeiden möchte, daß Schuldzuweisungen für die Eskalation der Lage auch den eigenen Laden treffen könnten, ist das mehr als beschämend. Ich hoffe, die echten Tierfreunde werden zukünftig zweimal überlegen, wem sie ihr Geld anvertrauen.

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  3. Alex Conrad

    Guten Tag, als langjähriger Züchter von Islandpferden, Hundehalter, Tierfreund und Naturliebhaber, habe ich vor ca. 3 Wochen an einer Diskussionsrunde, einberufen vom Landwirtschftsministerium, teilgenommen.
    Der Meinungsaustausch fand statt in den Räumen des westfälischen Pferdestammbuchs in Münster Handorf. Ich war dort als Vertreter für den Islandpferde Landesverband Westfalen. Die fast einhellige Meinung zum Thema Wolf war, kurz zusammengefasst:
    1. Intensives Monitoring
    2. Raus aus der Tierschutzkategorie 5, rein in 4.
    3. Entschädigung nach dem tatsächlichen Wert.
    Das sind die wichtigsten Punkte. Der dort entstandenen Meinung kann ich nur voll und ganz anschließen.
    Ein entsprechendes Papier wird noch verfasst und den entsprechenden Stellen übergeben.

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  4. Jürgen

    Wie in einem Kommentar angeklungen, ist es an der Zeit, die Brandstifter zum Wolfsheil in der Öffentlichkeit zu benennen und für ihre Wortführerschaft durch das BKA zu beobachten. Dieser geistig krankhafte Wolfswohlpöbel, ähnlich PETA, ist als kriminell einzustufen und ebenso zu ermitteln. Von Amtswegen veranlaßte Wolfsabschüsse sind nur noch streng vertraulich durchzuführen und es darf hierzu keine Veröffentlichungen mehr geben. Wird der Wolf bundesweit in das Jagdrecht aufgenommen, wird es
    die Jägerschaft mit diesem Geschmeiß auch ohne direkte Beteiligung zu tun bekommen. Beim Bären BRUNO konnte man ja sehen, wie die örtlichen Jäger beschimpft, gedemütigt und in ihrem Eigentum beschädigt wurde, obwohl sie, wie bekannt, den Bären nicht abgeschossen hatten. Deshalb: Mit dummen Leuten kann man nicht diskutieren. Sie ziehen dich auf ihr Niveau und schlagen dich dort mit ihrer Erfahrung. ( Mark Twain)

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    1. Tanja Gerken

      Ich bin weder Pro noch Kontra Wolf. Ich verstehe die Probleme, die der Wolf mit sich bringt. Andererseits gehörte und gehört er zur Natur und man muss hier souverän Lösungen finden für die Landwirte und die Gesellschaft und die Natur. Darum geht es mir bei meinem Kommentar aber nicht.

      Aber die Art und Weise, wie Sie alle miteinander umgehen und wie sich die eine und die andere Seite innerhalb ihrer und anderer Gruppierungen pro und kontra verstecken, ohne konstruktive Diskussionen und Auseinandersetzungen, macht mich sprachlos.

      Aber wenn ich diese unsachlichen und unprofessionellen Kommentare lese, dann wundere ich mich nicht, dass man mit Euch, den Kommenrarschreibern nicht diskutieren kann!

      Um Lösungen zu finden, sollte man in der Lage sein, nicht alles in einen Topf zu werfen, was nicht direkt damit zu tun hat und bei der Sache bleiben. Das Ziel sollte eine sachlich konstruktive Auseinandersetzung sein mit dem Ziel eines Kompromisses.

      So lässt man ja gar keinen sachlichen Austausch zu. Sie wollen, wie die “für die Wölfe” nur schimpfen und erreichen so nichts.

      Gott sei Dank vertreten Sie nicht die gesamte Gesellschaft. Da kämen wir nicht weit.

      Sie haben verlernt, Lösungen zu suchen, zu besprechen und die in der Demokratie notwendigen Kompromisse auszuhandeln.

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