Niedersachsen: Aufschub für GW717m

“Freundeskreis freilebender Wölfe” lässt Genehmigung des Wolfsabschusses juristisch überprüfen – neues Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen

Das niedersächsische Umweltministerium hat gegenüber dem NDR bestätigt, dass die Abschussgenehmigung für den Wolfsrüden GW717m ausgesetzt wurde. GW717m ist Leitwolf des Rodewalder Rudels, dem diverse Nutztierrisse, darunter Alpakas, Pferde und zur Last gelegt werden – ein Verhalten, das vom niedersächsischen Umweltministerium unter hartnäckiger Leugnung der Fakten und altbekannter wissenschaftlicher Erkenntnisse immer noch als “ungewöhnlich” bezeichnet wird (z.B. hier). Auf Antrag des sog. Freundeskreises muss das Verwaltungsgericht Oldenburg prüfen, ob die Abschussgenehmigung rechtmäßig erteilt wurde. Dies dahin ruhe die Abschussgenehmigung, teilte das Umweltministerium mit, man wolle bis zur Entscheidung des Gerichts keine Fakten schaffen. Experten bezweifeln ohnehin, ob die Entnahme nur des Leitwolfs eine Entspannung bei den Nutztierrissen bringt, da an den Rissen nach Einschätzung von Wolfsberatern mindestens vier bis fünf Wölfe beteiligt waren, die auch auf den Geschmack von schmackhaften und weitgehend wehrlosen Nutztieren gekommen sind. Leitfähe und Jungtiere aus dem Rodewalder Rudel dürften das problematische Jagdverhalten des Leitwolfs längst übernommen haben. Insofern schiene eine Entnahme des kompletten Rudels weit eher sinnvoll und angebracht.

Neues Wolfsrudel nachgewiesen

In Niedersachsen sind zu Beginn des Jahres 2019 insgesamt 24 Wolfsterritorien offiziell nachgewiesen: 22 Wolfsrudel, 1 Wolfspaar und 1 residenter Einzelwolf. Das teilt die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) mit: Zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres waren es 14 Wolfsrudel, 2 Wolfspaare und 3 residente Einzelwölfe. Auch die Zahl der eingegangenen Hin- und Nachweise hat sich weiter erhöht: Gingen im Kalenderjahr 2017 insgesamt 2.939 Meldungen ein, waren es in 2018 3.036. In beiden Jahren lieferten die niedersächsischen Jägerinnen und Jäger fast die Hälfte aller Meldungen insgesamt – bei den C1-Nachweisen waren es deutlich mehr als die Hälfte. Der offizielle Nachweis des 22. Wolfsrudels erfolgte Ende letzter Woche durch den genetischen Nachweis eines Wolfswelpen im Amt Neuhaus.

Um Hinweise auf Wölfe zukünftig noch einfacher in das offizielle Monitoring melden zu können, gibt es seit Mitte Januar eine neue Smartphone-App für iOS und Android Betriebssysteme. Die Smartphone-App „Wolfsmeldungen Niedersachsen“ ist direkt mit der Wolfsmonitoring online-Datenbank der Landesjägerschaft Niedersachsen verbunden. „Die online-Datenbank vereinfacht die Dokumentation und das Archivieren der eingehenden Wolfshin- und nachweise, auch territorienspezifische Auswertungen werden erleichtert“, so Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. „Die zusätzliche App ermöglicht es, eine schnelle und unkomplizierte Meldung abzugeben – alle für das offizielle Monitoring relevanten Daten können direkt eingegeben und abgeschickt werden“, so Reding weiter.

Die Entwicklungskosten beider Programme, die der online-Datenbank wie auch die der Smartphone-App, hat die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung übernommen – insgesamt gut 100.000 Euro stellte sie dafür zur Verfügung. „Vor dem Hintergrund der hochaktuellen Wolfsthematik in Niedersachsen nimmt das Monitoring eine zentrale Rolle ein“, sagt Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr. „Nicht nur die ehrenamtlichen Wolfsberater profitieren von diesen Neuerungen, sondern auch jeder interessierte Bürger kann über die App auf schnellem und einfachem Weg Hinweise über mögliche Wolfsvorkommen melden“, so Behr.

Die App ist eigens dafür entwickelt worden Wolfshinweise in Wald und Feld aufnehmen zu können, d.h. es ist keine Internetverbindung notwendig. Alle ausgefüllten und abgeschlossenen Meldungen können nach Eingabe auf dem Smartphone gespeichert und später bei ausreichender Internetverbindung (sofern vor Ort nicht vorhanden) in die Datenbank hochgeladen werden. Auch das hinzufügen der GPS-Koordinaten oder mit dem Smartphone aufgenommener Fotos ist problemlos auch im offline-Modus möglich. Weitere Informationen zur Nutzung sowie einen direkten Link zum Download der App finden Sie auf unserer Internetseite: https://www.wolfsmonitoring.com/meldung/app/. PM/SE

Beitragsbild: Wolf. Foto: Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Die Red. dankt JAWINA-Leser RK für den Hinweis!

 

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