Neun vergiftete Greifvögel entdeckt – Nabu dreht frei

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“Ein noch nicht dagewesener Fall von Umweltkriminalität wurde am vergangenen Wochenende im Landkreis Cloppenburg entdeckt”, entrüstet sich der Nabu Niedersachsen – durchaus nicht zu Unrecht – in einer Pressemitteilung vom heutigen Tag (18.04.): “Neun vergiftete, tote Greifvögel konnten in einem kleinen Areal der Gemeinde Cappeln entdeckt und sichergestellt werden. Die Kriminalpolizei wurde sofort eingeschaltet. Der Nabu fordert die Landesjägerschaft zur Mithilfe bei der Aufklärung des Falles auf sowie die Einrichtung einer Stabsstelle Umweltkriminalität.”

So weit, so gut bzw. schlecht. Aber mit einer zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig überzogenen und ungerechtfertigten Forderung diskreditiert sich der Nabu selbst: “Bis zur Aufklärung des Falles fordert der Nabu weiterhin die einstweilige Einziehung der Jagdscheine von allen im Revier tätigen Jägern”, heißt es in der PM.

Es ist noch nicht einmal klar, ob ein Jäger hinter der Tat steckt (in der Vergangenheit wurden beispielsweise auch Brieftauben- oder Geflügelzüchter erwischt) – solange sind diese unbewiesenen Anschuldigungen zurückzuweisen. Dem Nabu sollte auch bekannt sein, dass Sippenhaft schon seit längerer Zeit keinen Platz mehr in unserem Rechtssystem. Solche Taten sind üblicherweise das Werk von Einzeltätern. Den Jägern des Reviers die Bildung einer kriminellen Vereinigung zu unterstellen, ist schon deshalb unstatthaft. Überdies sind unzulässige Verallgemeinerungen der Art, wie sie der Verband sie hier äußert, stets äußerst bedenklich: Es würde berechtigte Empörungsstürme hervorrufen, wenn aufgrund der illegalen Tat z.B. eines Flüchtlings, Migranten, Muslims oder Menschen mit dunkler Hautfarbe pauschale Anschuldigungen gegen die gesamte Gruppe erhoben werden würden. Soll die selbe Form von hetzerischen Anschuldigungen in Ordnung sein, nur weil es gegen Jäger geht? Nein, es bleibt Hetze – auch wenn es der Nabu macht. Hier ist eine Entschuldigung von den Verantwortlichen für diese Entgleisung zu fordern.

„Mich erreichten einzelne Fotos und die Info, in einem abgelegenen Waldstück lägen, nahe von neuen Hochsitzen, auffällig türkisbläulich eingefärbte Ringeltauben als Köder aus. Zudem seien dort Eier ausgelegt, aber auch ein Bussard läge dort tot. Da schrillten bei mir sofort die Alarmglocken“, berichtet Ludger Frye, der Nabu-Kreisvorsitzende im Landkreis Vechta, in der Nabu-PM. Darin heißt es weiter: “Dessen sofortige Rückfrage beim Entdecker ergab, offensichtlich würden zu Jagdzwecken [!] völlig ungeschützt und frei eingefärbte Ködertiere und Gifteier in einem Waldkomplex ausliegen.”

Diese Einfärbung der Ködertiere sei typisch für die Verwendung von europaweit verbotenen, extrem starken Kontaktgiften wie Carbofuran oder Mevinphos“, so Nabu-Mann Ludger Frye. Diese sind auch für Menschen bei Kontakt lebensbedrohend. Der Hinweisgeber hatte den Greifvogel nichts ahnend und unachtsam berührt.

Frye verständigte die Kriminalpolizei, um den dringenden Verdacht einer schweren Umweltstraftat und eine anhaltende Gefahrensituation zu melden. Umgehend vereinbarte man eine gemeinsame Durchsuchung des weitläufigen Areals in der Gemeinde Cappeln, welches bei Darrenkamp, also zwischen den Orten Schwichteler und Vestrup, ganz nahe der Landkreisgrenze Cloppenburg und Vechta liegt.

Bei der Durchsuchung, die über fünf Stunden andauerte, wurden in verschiedenen Bereichen des über fünf Hektar großen Fundbereiches “in Fundgruppen Dutzende mit Gift bestrichene Ringeltauben sowie Hühnereier mit Injektionslöchern auffällig und exponiert auf Baumstümpfen. Aber auch Haustauben-, Fasanen-, Enten- und Hasen-Kadaver lagen ebenso blau eingefärbt aus. Die Durchsuchung ergab eine erschreckende Opferzahl toter Greifvögel, die teils unmittelbar neben den Ködern lagen.”

Insgesamt fanden Kripo und Nabu gemeinsam neun tote Greifvögel, darunter sieben Mäusebussarde, zwei Habichte sowie einzelne Rabenvögel. Köder, Eier und Opfer wurden dokumentiert und anschließend möglichst vollständig eingesammelt, um sie behördlich untersuchen zu lassen. „Und um weitere Vergiftungsgefahren von Mensch und Tier auszuschließen“, verdeutlichte der Naturschützer diese Notwendigkeit. „Die abgelegene Fundsituation und die offensichtliche Erkennbarkeit, deuten klar auf die Verursacher hin, ist sich Ludger Frye sicher. Keiner der örtlichen Jäger könne das Ausmaß der toten Vögel übersehen haben, unterstellt der Nabu. Unterschiedlich alte Köder und Opfer deuteten auch auf einen langen Zeitraum des Auslegens hin. „Nichts, was hier einmalig geschieht“, ist er sich sicher. „Deshalb fordert der NABU sofort die einstweilige Einziehung der Jagdscheine von allen im Revier tätigen Jägern, bis der gesamte Straftatbestand und die persönlichen Verantwortlichkeiten aufgeklärt sind!“

Am 27. März 2007 unterzeichneten das Niedersächsische Umweltministerium, das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium, der BUND Niedersachsen, die Landesjägerschaft Niedersachsen, die Niedersächsische Ornithologische Vereinigung, die Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen sowie der NABU Niedersachsen unterzeichneten die ‚Hannoversche Erklärung gegen illegale Verfolgung von Greifvögeln in Niedersachsen‘. Neben der Schutzwürdigkeit der Greifvögel wurde in der ‚Hannoverschen Erklärung‘ auch auf die Konsequenzen bei Nichtbeachtung hingewiesen. Wörtlich heißt es „Die Verfolgung ohne staatliche Ausnahmegenehmigung zum Beispiel mit Gift, Fallen und Waffen ist nach dem Jagdrecht und dem Naturschutzrecht eine Straftat, die mit empfindlichen Strafen bis hin zum Freiheitsentzug von fünf Jahren geahndet werden kann.“ PM Nabu/SE

Beitragsbild: Vergiftete Greifvögel. Quelle: Ludger Frye/Nabu

Die Red. dankt JAWINA-Leser RS für den Hinweis!

Ein Gedanke zu „Neun vergiftete Greifvögel entdeckt – Nabu dreht frei

  1. Joachim

    Was mir nicht ganz klar ist, weshalb durchsucht die Polizei gemeinsam mit dem Nabu?
    Ist der Nabu neuerdings Strafverfolgungsbehörde?

    Antworten

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