Neues Wolfs-Fake: Wildpark Schorfheide erstattet Strafanzeige wegen angeblich ausgesetzter Wolfswelpen

Im Internet und auf Whatsapp kursiert derzeit ein Tondokument: Eine Frauenstimme erzählt von einer Nachsuche, die sie “heute morgen mit einem Förster aus Görlsdorf vom Schweißhundeverein” gehabt habe. Bei der Nachsuche, so erzählt die Stimme, habe der Förster, “einen Typen vom Wildpark Schorfheide mit einem Pickup” getroffen. “Wenn ich wüsste, wo der nochmal stand. Irgendwo stand der.” Hinten auf dem Pickup seien Transportkisten gewesen mit Wolfswelpen drin. Als der Förster hinging, um die süßen Wolfswelpen zu streicheln, habe der Mann vom Wildpark gesagt, “Nee,nee, bloß nicht streicheln, die sollen ausgesetzt werden.” “Verquatscht” habe der sich. “Stell dir das mal vor!”

Die eifrig geteilte und weitergeleitete Geschichte ist abwegig genug und weist die typischen Merkmale eines Fakes auf: Einige konkrete Angaben (Görlsdorf, Förster, Wildpark Schorfheide), die Authentizität suggerieren, werden kombiniert mit Abstrusitäten: Der “Mitarbeiter” fährt also, vermutlich in Dienstkleidung in seinem mit großen Wildpark-Schorfheide-Aufklebern gekennzeichneten Dienst-Pickup über die Dörfer in den Wald, um ausgerechnet Wolfswelpen auszusetzen, die in freier Wildbahn ohne die Elterntiere keine Überlebenschance haben? Die, wenn ein anderes Wolfsrudel in dem Bereich sein Revier hat, sofort platt gemacht werden? Der Förster, in dessen Revier sich die Sache angeblich abspielt, nimmt die Geschichte lediglich zur Kenntnis ohne den Vorfall zu melden, Anzeige zu erstatten oder Nachfragen zu stellen?

Dass ausgerechnet streng kontrollierte Zoos und Wildparks illegale Auswilderungen vornehmen könnten, selbst wenn sie wollten, ist überdies eine ziemlich abenteuerliche Vorstellung. Bleibt die Frage, wer sich solchen Kram ausdenkt und verbreitet, mit dem wirklich niemandem geholfen ist – den Jägern zuallerletzt. Der Wildpark Schorfheide hat jedenfalls Strafanzeige wegen Verleumdung gegen Unbekannt gestellt. Man darf gespannt sein, ob die Urheberin ausfindig gemacht werden kann. Vielleicht erkennt ja jemand die Stimme. Ach ja, und falls jemand wissen möchte, wie die Populationskontrolle im Wildpark Schorfheide (und nicht nur dort) funktioniert:

Schnipp, schnapp, Eier ab: Wolfsrüde im Wildpark Schorfheide bei der Kastration. Quelle: Wildpark Schorfheide

Beitragsbild: Wolfsrüde im Wildpark Schorfheide wird kastriert. Quelle: Wildpark Schorfheide

2 Gedanken zu „Neues Wolfs-Fake: Wildpark Schorfheide erstattet Strafanzeige wegen angeblich ausgesetzter Wolfswelpen

  1. Anko

    Welt.de berichtete 2010 über Wölfe im Wildpark Schorfheide noch:

    “Inzwischen gibt es 18 Tiere in zwei Rudeln. Nur eines bekommen Besucher zu sehen. Mehr als 20 Nachzuchten von Wölfen sind im Wildpark bereits gelungen. Die ersten wurden nach der achtwöchigen Handaufzucht wieder in die Rudel integriert, andere gingen in ähnliche Wildpark-Anlagen.”

    Nachzulesen hier: https://www.welt.de/reise/article6271918/Mit-Fackeln-den-hungrigen-Woelfen-auf-der-Spur.html

    Aktuell sollen immer noch 18 Wölfe im Wildpark leben. Angaben zur zwischenzeitlichen Bestandsentwicklung mit den jährlichen Nachzuchten, Fremdzugängen (2017 etwa wurden laut Pressberichten drei Wolfswelpen aus einem Zoo in den Wildpark übernommen) und den Abgängen fand ich leider nirgends, sollten den Betreibern aber problemlos möglich sein, oder?

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