Neues Wald- und Jagdgesetz auf Bundesebene

Bleieintrag durch Munition soll minimiert, Bleimunition aber wohl nicht grundsätzlich verboten werden – künftig nur noch zertifizierte Büchsenpatronen für Jagdausübung zugelassen. Schießnachweis für Bewegungsjagden.

“Wald schützen und Waldbesitzer stärken”, lautet der Titel der Pressemitteilung, in der Bundesminister Schmidt stolz verkünden lässt, dass er ein neues Wald- und Jagdgesetz auf den Weg gebracht habe: “Unsere Maxime heißt schützen und nützen. Der Wald bringt uns wirtschaftliche Erträge und Erholung, dient dem Klimaschutz und beherbergt eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Mit dem neuen Gesetz haben wir es geschafft, insbesondere die Bewirtschafter kleinerer Waldflächen bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu unterstützen. Mein Ziel ist die Stärkung insbesondere der Besitzer kleinerer Wälder und die Sicherung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Jagd”, lobte sich Landwirtschaftsminister Schmidt.

Mit den Änderungen des Bundesjagdgesetzes setzt das BMEL unter anderem seine Vorstellungen für eine Minimierung des Bleis in Jagdmunition um, die gleichzeitig Anforderungen des Tierschutzes berücksichtigen, heißt es in der Pressemitteilung des Landwirtschaftsministeriums. Zusätzlich würden die Inhalte der Jägerausbildung und der Prüfung “an zeitgemäße Anforderungen angepasst.” Die Ressortabstimmung über den Entwurf zur Änderung des Bundeswaldgesetzes (BWaldG) und des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) ist abgeschlossen. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung geht noch heute in die Länder- und Verbändebeteiligung. Für Mitte März sind die Anhörungen der Länder und Verbände geplant. Anschließend ist die Befassung durch das Bundeskabinett und die Einleitung des Gesetzgebungsverfahrens vorgesehen.

Nach Informationen von JAWINA wird es im neuen Bundesjagdgesetz (BJagdG) keine starren Energiegrenzen für Jagdmunition mehr geben. Der bisherige § 19 des BJagdG legte fest, dass auf Rehwild Büchsenpatronen mit mindestens 1000 Joule, auf alles übrige Schalenwild von 2000 Joule auf 100 Meter verwendet werden müssen. Stattdessen soll im neuen BJagdG nur noch Munition für die Jagdausübung zugelassen sein, die für den jeweiligen Einsatzzweck tauglich und geeignet und entsprechend zertifiziert ist. Dabei ist dem Tierschutzgedanken gemäß auf die Energieabgabe im Wildkörper abzustellen Die Zertifizierung der Munition könnte beispielsweise durch die Beschussämter, die DEVA oder andere private Institute durchgeführt werden.

Der Bleieintrag der Munition soll den technischen Möglichkeiten entsprechend minimiert werden. Ein totales Verbot bleihaltiger Munition ist unseren Informationen zufolge (noch) nicht umgesetzt worden. Für das Inkrafttreten der neuen Vorschriften sind lange Übergangsfristen vorgesehen: Bis 2018 sollen Bestände an alter, nicht zertifizierter Munition aufgebraucht werden können. Für die Teilnahme an Drückjagden soll künftig bundeseinheitlich ein Schießnachweis erforderlich sein. In der Jägerausbildung wird das Fach Wildbrethygiene aufgewertet. PM/SE

Beitragsbild: Die zitierte und verlinkte PM zum neuen Jagd- und Waldgesetz auf der Internetseite des Bundeslandwirtschaftsministeriums (Ausschnitt, Bildschirmfoto).

2 Gedanken zu „Neues Wald- und Jagdgesetz auf Bundesebene

  1. FRank

    Dass der DJV den Referentenentwurf nicht ins Netz stellt – verständlich, um das Gesprächsklima zum Ministerium nicht zu belasten.
    Dass Jawina den Gesetzentwurf nicht ins Netz stellt oder verlinkt, lässt darauf schließen, dass Jawina schlicht noch keinen Zugriff auf das Dokument gefunden hat.
    Dass das zuständige Ministerium vom neuen Entwurf zwar in einer PM berichtet, ihn selbst aber nicht leicht auffindbar oder prominent verlinkt ins Netz stellt, empfinde ich
    als ein gefährliches Defizit der demokratischen Kultur.
    Immerhin tröstlich, dass sich die Regierung mit einem schwarzen Minister einer GroKo des Themas annimmt. Das lässt zumindest die Hoffnung, dass dabei ein geringeres Übel ensteht, als wenn man das Thema erst der nächsten – möglicherweise rot-grünen – Bundesregierung überlasst.

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