Neuer Defender: Es ist ein SUV geworden

Maßlose Enttäuschung dürfte sich anlässlich der Vorstellung des neuen Defender 2020 unter eingefleischten Fans des Ur-Modells breitmachen: Die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten, der neue Defender ist ein SUV geworden. Ohne Leiterrahmen und mit Einzelradaufhängung, wie die Darstellung in dem Video befürchten lässt. Aerodynamisch rundgelutscht wie ein ausgespuckter Bonbon und alle anderen modernen Autos. Vollgestopft mit (Unterhaltungs-)Elektronik und überkomplexer Technik. Der sprichwörtliche Dorfschmied dürfte hier nun gar nichts mehr ausrichten können, und damit ist es mit der Expeditionstauglichkeit für Leute ohne Tross und unbegrenztes Budget wohl vorbei.

Nicht mal vom ikonischen Design des Ur-Defenders blieb mehr als ein paar halbherzige Andeutungen erhalten, der Offroader mit dem knorzigen Nutzfahrzeugcharme hat sich zur Lifestyle-Yuppie-Schleuder gewandelt. Eine sehr bedauerliche Entwicklung, die nur ein gutes hat: Die Preise für klassische Defender werden wohl weiter in noch schwindelerregendere Höhen steigen – vielleicht verkaufe ich meinen doch… SE

Video: YouTube / MotorTV / Hersteller

18 Gedanken zu „Neuer Defender: Es ist ein SUV geworden

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Solch ein Auto passt zu allen durchtätowierten Schickimicki-Zeitgenossen. Für Puristen der Geländeautos bleibt fast nur noch der bezahlbare Lada übrig.
    Mal ehrlich, bei den bestmöglich gepflegten Forst- und Wanderstraßen brauchen wir Jäger Bodenfreiheit unter der Karosse aber keine mit Elektronikbalast vollgestopften
    Vehikel oder SUVs. Aber die Autoindustrie interessierte sich noch nie wirklich für die Jagd weil es ein viel zu kleiner Absatzmarkt ist und wer u.a. mit eine DB G zur Jagd fährt wird eh nicht ernst genommen (hier spricht kein Neid sondern Erfahrung)

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    1. Titus von Unhold

      Schon schade, wenn man nur schimpfen kann und deshalb nicht mitbekommt dass INEOS die Rechte vor Jahren erworben hat, um den alten Defender in seiner bisherigen neu aufzulegen. Land Rover darf den Defender somit gar nicht mehr bauen. Macht aber auch nix:

      https://projektgrenadier.com/

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  2. Anko

    Jeep Wrangler. Robuste und wartungsfreundliche Technik. Ist zudem der einzig verbliebene vollformatige Gelände-“Pkw”, der noch mit Starrachsen gefertigt wird (MB hat beim G gerade erst auf Einzelradaufhängung der Vorderachse umgestellt).

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    1. admin Beitragsautor

      Den Nutzfahrzeug-Charakter, der ja auch von Faktoren wie Preis, Zweckmäßigkeit, Unempfindlichkeit (z.B. des Interieurs), Anpassbarkeit durch div. Aufbauten etc. bestimmt wird und den der ursprüngliche Defender noch hatte, diesen Nutzfahrzeug-Charakter hat der Jeep auch schon lange nicht mehr. Die Realität sieht doch wohl so aus, dass der Land Rover Defender in den Märkten, in denen er einst stark war, längst durch überwiegend japanische Pick-Ups diverser Hersteller verdrängt worden ist. Und wer z.B. als Förster ein wirklich belastbares Revierfahrzeug benötigt, greift jetzt halt zu etwas in dieser Art.
      Für meine persönlichen Einsatzzwecke finde ich eine offene Ladefläche allerdings nicht so ideal. Auch mit Hardtop hat man nicht die Möglichkeiten, die ein Fahrzeug wie der Defender 110 in der LKW Version bietet mit bei Bedarf riesiger Ladefläche (und 1 to. Zuladung), aber einer Verbindung zum Fahrgastraum. Für mich wäre die Alternative eher ein Bus oder Transporter mit dezenter Camping-Ausstattung, was in Verbindung mit Allradantrieb leider entweder problematisch oder unbezahlbar ist. SE

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      1. Anko

        Einfach mal einen Wrangler direkt anschauen, anfassen und reinsetzen 🙂 Die Skalierbarkeit des Wrangler zur Anpassung an die eigenen Nutzungsbedürfnisse sowohl bei Varientenauswahl ab Werk als auch über Nachrüstangebote lässt echt keine Wünsche offen. Die Türen sind komplett aushängbar, die Frontscheibe wie beim alten VW Kübel und Jeep Willys auf die Motorhaube umklappbar, Zweitürer, Viertürer, Hardtop, Softtop und bei zumindest den Viertürern seit ein paar Jahren auch die geschlossene Bauform, Sperren an Hinterachse und Vorderachse nach Wahl ab Werk oder nachrüstbar und optional entkoppelbare Stabilisatoren für die Maximierung der dank Starrachsen ohnehin enormen Verschränkung.

        Bzgl. zulässiger maximaler Anhängerlast und max. Zuladung gibt es zwar eindeutig stärkere Kandidaten, aber – von Pickups abgesehen – keinen anderen noch gebauten fullsize Offrader mehr, der so konsequent für Pisten- und Geländegebrauch konstruiert und geeignet ist. Ich hatte mir vor ein paar Jahren mal einen brandneuen mit Kaufinteresse angesehen und befand ihn für meine Profil als Alleinfahrzeug und für somit die nicht nur jagdliche Nutzung dann doch zu spartanisch und deutlich zu “nutzfahrzeugig”. Als reines Jagd-/Geländefahrzeug und somit dann Zweitwagen aber immer gern, wenn sich dann mal die Gelegenheit und ein passender Preis ergibt 🙂

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  3. Jan Schöne

    Kennt jemand zufällig den Trekka?! Eine Koproduktion der (ehemaligen) CSSR mit Neuseeland mit unverkennbaren Anleihen beim alten Landy. Was ist eigentlich vom Lada Niva zu halten? War in meiner DDR-Jugend mein Traumauto.

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    1. admin Beitragsautor

      Im Gelände kann der Lada Niva unbestritten was, Preis-Leistungs-mäßig spielt er auch in einer Klasse für sich. Ich kenne aber diverse Leute, die irgendwann entnervt von der Verarbeitungsqualität aufgegeben und sich von ihrem Niva getrennt haben. Zitat von einem davon: “Was nützt es einem, dass ein Radlager nur 25 Euro kostet, wenn man es alle drei Monate wechseln mus…” Mich persönlich würde der doch eher hohe Verbrauch der Benziner schrecken, was beim Einsatz als reines Revierfahrzeug natürlich keine Rolle spielt. Außerdem finde ich ihn, wie auch den Jimny zu klein, da ich die (bei meinem alten 110 durchaus gegebene) Möglichkeit schätze, im Auto auch mal Isomatte und Schlafsack ausrollen zu können. SE

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      1. Standrecht

        Der 110er ist einach die beste Wahl wenn es um Platz und Geländegänigkeit geht.
        Meiner bekommt gerade einen neuen verzinkten Rahmen. Der neue Dä … Discovery-Ersatz ist einach ein edel Offroader ala G-Klasse geworden. Sachde drum …

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    2. Enok1969

      Finger weg vom Lada. Habe meinen nach nicht mal 4 Jahren abgegeben, da diverse Teile, u.a. Lichtmaschine, Verteilergetriebe defekt waren bzw. von der Werkstatt weitere Schwachstellen angekündigt wurden – vom Rost (u.a. in den Lampen!) ganz zu schweigen. Schade das diese Alternative zu den sonstigen SUV damit auch entfällt.

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      1. admin Beitragsautor

        Danke für den Erfahrungsbericht. Wirklich schade. Der Lada – oder auch der UAZ 452 – wäre wirklich eine Alternative für Leute, die sich nicht über ihr Auto definieren, die kein Statussymbol und keinen Imageträger brauchen. Aber anscheinend kriegen die nach wie vor die lausige Verarbeitungsqualität nicht in den Griff und das nervt und geht bei hiesigen Werkstattpreisen auch ins Geld. SE

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        1. Klaus

          Habe andere Erfahrung gemacht, ich fahre mittlerweile den 3. Niva, , hatte den letzten fast 10 Jahre, mit 113000 Km ohne größere Probleme gefahren.

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  4. js

    Wie Land Rover stolz berichtet, verfügt der neue “Defender” über mehr Rechenleistung, um eine Pfütze zu bewältigen, als die NASA für die Mondlandung benötigte. Kurzum: zu teuer, zu kompliziert, zu wenig Nutzfahrzeug! Thema verfehlt!

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    1. admin Beitragsautor

      Auf YouTube gibt es ein nettes Video zu sehen, in dem Ex Top Gear Richard Hammond den neuen Defender lobpreist:
      https://www.youtube.com/watch?v=vac6mJE8rqo
      Hier eine kleine Auswahl der lustigsten – und treffendsten – Kommentare der YouTube-Nutzer:

      I didn’t know what would happen if a Kia soul and a Honda Element had sex now I do.

      So the original ones have just doubled in price after this!

      The whole idea of the original Land Rover Defender was to go anywhere and be easy to fix, not to be a smartphone on wheels

      That feeling when a much beloved brand completely sells its soul. Shame on you, Land Rover.

      I wonder what they paid Hamster to shill this sad truck

      Richard: 21,000 of anything is alot. Me: well not brain cells

      Dass die Fabrik, in der der neue Defender entsteht nicht in Solihull, sondern in der Slowakei steht, wie Hammond in dem Video verrät, hat wirklich nur noch gefehlt. SE

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