Neu: Wohllebens Wald-Postille

Es gibt Leute, die schrecken vor nichts zurück: Peter Wohlleben, Deutschlands empfindsamster Förster, hat jetzt seine eigene Zeitschrift. Naja, fast: Wohlleben gibt seinen Namen und “wirkt als Chefreporter und wichtiger Impulsgeber an der neuen Heftreihe” “Wohllebens Welt” mit, erklärt der Gruner & Jahr Verlag in einer Pressemeldung. Der Neuzugang im Blätterwald soll vierteljährlich erscheinen, das erste Heft ist bereits seit 18. April zum Preis von 6 Euro erhältlich. “Die erste Ausgabe beschreibt unter anderem die wohltuende Wirkung des Waldes auf Körper und Seele des Menschen, erklärt aber auch, wie sich eine Wiese anhört, warum auch Eichen nachts schlafen und wie der Totengräber-Käfer zu seinem Namen kommt”, säuselt der Pressetext wie ein warmer Sommerwind in den Baumkronen. Das ist ein dankenswerter Hinweis, selbst wer ganz kurz überlegt hatte, dürfte jetzt bereits von der Versuchung geheilt sein, sich das Blatt mal anzusehen.

Endgültig den Rest gibt einem dann das Geraune Peter Wohllebens: “Natur ist mehr als grüne Kulisse; in ihr fühlen wir uns glücklich und angekommen.” Verwechselt Wohlleben möglicherweise Natur und unsere seit Jahrtausenden gebändigte, lieblich milde Kulturlandschaft? Ich wage jedenfalls zu bezweifeln, dass sich Wohlleben oder einer seiner schwärmerischen Leser besonders “glücklich und angekommen” fühlen würden, wenn man sie echter Natur aussetzen, sie beispielsweise von einem Buschpiloten irgendwo in die unendliche Wildnis am Yukon verfrachten ließe.

“Ich hoffe, mit Wohllebens Welt noch mehr Menschen für das Naturerleben zu begeistern und sie gleichzeitig für deren Schutz zu sensibilisieren”, so Wohlleben über Wohllebens Welt. Schon Wohllebens Welt in die Hand zu nehmen und darin zu blättern, sei ein sinnliches Erlebnis, es verströme dieses Gefühl von Natürlichkeit und Behaglichkeit.

Das ultimative “Naturerleben” für Städter: Eine auf (hoffentlich) chlorfrei gebleichtem Papier gedruckte Zeitschrift durchblättern und das sich dabei einstellende “Gefühl von Natürlichkeit und Behaglichkeit” genießen – kleiner Tipp: Am besten geht das daheim auf dem Sofa mit einer schönen Tasse Tee und Naturgeräuschen vom MP3-Player. Außerdem hat es uns gerade noch gefehlt, dass neben infantilen Geocachern und Nachtjoggern nun noch Wohlleben-Leser nachts im Wald rumgeistern, um ergriffen den Eichen beim Schnarchen zu lauschen.

Bei so viel Verworrenheit und hohler Gefühlsduselei fragt man sich schon, ob dem Mann klar ist, was er eigentlich tut, ob er weiß, woraus Papier hergestellt wird. Schon für seine Bücher mussten vermutlich ganze Wälder abgeholzt werden – und jetzt noch eine eigene Zeitschrift? Unfassbar! Dafür müssen Bäume sterben!! Sofort einstellen! SE

Beitragsbild: Wohlleben im Wald. Quelle: Gruner & Jahr, Autor: Roman Haindl

Die Red. dankt JAWINA-Leser KB für den Hinweis!

 

8 Gedanken zu „Neu: Wohllebens Wald-Postille

  1. Zündelnerlaubt

    Die machen aus Schei*e Gold
    Im übrigen kann man sich mit Geocachern ganz gut arrangieren, viele sind gar nicht infantil. In der Natur passieren unter garantie viele Dinge, biologische, chemisch, physikalische und sicher auch metaphysische, aber warum gerade der Wohlleben dieser Dinge Botschafter sein soll bleibt mir rätselhaft.

    PS.: es entbehrt natürlich nicht einen gewissen Komik dieses Blättchen zu sehen, aber auf der anderen Seite haben diese Leute es begriffen sich passend zu vermarkten(vllt moralisch verwerflich mit Bauernfängerei, aber die Zeilgruppe willl das so)

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  2. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Sein erstes Buch hatte ich geschenkt bekommen- ich sei doch auch ein Naturschützer. Ich brauchte mit dem Lesen nicht weit kommen um mir mein Urteil bilden zu können, denn ich halte ihn für einen Scharlatan. Das sind “des Kaisers neue Kleider”, nichts anhaben aber allen vorgaukeln es sei ein besonders feiner Stoff. Und schon laufen seine Anhänger hinter ihm her weil medial kräftig ausgeschlachtet.

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  3. Ronbi

    Echte Zeitschriften, die Probleme in der Natur angehen, fliegen aus dem Sortiment, weil es die Anzeigenkunden stört und diese Baumversteher werden gekauft.

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  4. GO

    Das war auch schon eine Geschäftsidee von mir:
    Führungen zu den Brunftplätzen heimlich, kapitaler Roteichen….. ein Genuss
    Für jeden Dendrophilen ein HEIDENSPASS…..
    Nur zum Kopfschütteln…..

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  5. Kr.-Itisch

    Man muss den Mann (Wohlleben) doch mal verstehen. Gelangweilt und minderverdienend als Forstbeamter oder vllt. nur Angestellter will er auch an das große Geld. Seine kruden Ansichten sind seiner Karriere im (Forst-) System auch nicht gerade dienlich. Was bleibt also: den medialen Mainstream nutzend seine Theorien unters mittlerweile dekadent werdende Volk zu bringen. Dem immer esoterisch affineren Volk das Geld mit der Anleitung zum Bäumekuscheln aus der Tasche zu ziehen – tolle Idee, hätte man auch selber draufkommen können. Frei nach der Devise: Mit der Dummheit der anderen sein Geld verdienen. Entsprechende Skrupellosigkeit vorausgesetzt.

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    1. admin Beitragsautor

      Ganz so ist es wohl nicht:
      “Unter Wohllebens Leitung kehrte das Forstrevier Hümmel in die Gewinnzone zurück.[21] Vor dem Hintergrund einer Organisationsreform bei den Landesforsten und der Kritik an klassischen Bewirtschaftungsmethoden kündigte Wohlleben 2006 seine Beamtenstelle und wechselte als Angestellter in den Dienst der Gemeinde. Er forcierte fortan seine Vorstellung eines ökologisch wie ökonomisch vertretbaren Naturschutzes.”
      Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Wohlleben

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      1. Kr.-Itisch

        Na ja, er hat sicher nicht mit klassischer Försterei in die Gewinnzone gefahren. Auswirkungen im Forst bedürfen mehrerer Generationen zwischen Entscheidung und Ergebnis. Er hat den Wald allenfalls anders genutzt und Einnahmen über die Freizeitnutzung generiert. Und zu behaupten, er haben den klassisch beförsterten Wald innerhalb einer Dekade zum Urwald umgebaut ist m.E. unglaubhaft, denn das dauert doch wohl deutlich länger.

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