Naturschutz: Jäger auf Wildkräuter-Jagd

Seit unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit mit dem Ackerbau begannen, sorgen Ackerwildkräuter für Farbtupfer in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft – ohne dafür bei den Bauern auf große Gegenliebe zu stoßen. Seit einigen Jahrzehnten stehen der Landwirtschaft so hochwirksame Herbizide zur Verfügung, dass ein Großteil der Wildkräuter inzwischen als gefährdet eingestuft wird. Dem zu befürchtenden Verlust an Artenvielfalt – nicht nur bei den Kräutern sondern auch bei bestäubenden Insekten wie Wildbienen – stemmen sich im niedersächsischen Landkreis Aurich 16 Jäger um Kreisjägermeister Onno Reents entgegen.

Ausgerüstet mit Scheren, Messern, Sensen und großen Plastiksäcken ernteten sie auf einem Feld bei Strackholt selten gewordene Wildkräuter. Eine Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises, hatte bei einer Besichtigung der Fläche den üppigen Wildkräuterwuchs bemerkt. Sie informierte das Aktionsbündnis “Gemeinsam zur Artenvielfalt” (GzA), das wiederum an die Jägerschaft herantrat.

Kornblume

Kornblume
Foto: SE

Onno Reents bat die Jäger um Mithilfe, und die kamen und machten unter kundiger Anleitung der Biologin Petra Liebert fette Beute: Bei der 2,5-stündigen Aktion kam ein PKW-Anhänger voll Saatgut zusammen: Kornblume, Scharfgabe, Ferkelkraut, Weiße Lichtnelke, Sumpfziest, Gew. Windenknöterich, Pippau, Acker-Spörgel, Johanniskraut, Acker-Stiefmütterchen, Kanadisches Berufskraut, Leinkraut und Falsche Kamille waren dabei.

Mohnblume

Mohnblume
Foto: SE

Die eigentliche Arbeit geht jetzt erst richtig los, meint Onno Reents: “Wenn man das Saatgut erzeugen will, ist das am Anfang sehr aufwändig. Die örtlich vorhandenen Pflanzen oder auch nur der Samen müssen geerntet und sorgfältig getrocknet werden. Dann wird das Saatgut abgesucht oder gedroschen. Die so geernteten Samen werden im kommenden Jahr wieder ausgesät um die Vermehrung sicher zu stellen.”

Auf diese Weise lässt sich autochthones Saatgut gewinnen, erklärt Reents: “Die UNB des Landkreises Aurich ist stark daran interessiert, gerade im Bereich der Blühstreifen wieder stärker auf die alten Acker-Wildkräuter zurückgreifen zu können. Dieses an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Saatgut ist so im Handel nicht erhältlich. Onno Reents/SE

Bild: Onno Reents und seine Mitstreiter (Foto: privat)

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.