Nathalie Bunke: Ethik voran

Ich mühe mich durch den Unterwuchs. Es geht hoch und runter, die Brombeeren reißen an den Lederhosen, der verzeckte Farn geht bis über die Hüften. Die fetten Kreuzspinnen, die ihre Netze quer gespannt haben, heben meine Laune keineswegs. Rechts und links höre ich das stete und langgezogene „hoop hooop“ meiner Nachbarn. Für Millisekunden verfluche ich die Idee als Treiber mitzugehen.

Schützen haben es da deutlich bequemer. Einige Schützen vom Streckenplatz erkenne ich im Vorbeigehen wieder. Die junge Verkaufselite großer Waffenfirmen steht martialisch im Anschlag, ebenso wie die fröhlichen Schützen der schwedischen Reisegruppe, die extra wegen der Sauen in unsere Reviere gekommen sind. Nach drei Stunden dampfen die Treiber wie Teekessel. Halali ist geblasen, jetzt heißt es Bergehilfe leisten. Das Rottier müssen fünf angehende Jungjäger zum Weg zerren, die Frage an den schnöseligen jungen Schützen, ob denn ein Kalb in der Nähe war, wird mit einem zu flotten „Nein“ beantwortet. „Blöde Schnepfe, was für eine dämliche Frage“ ….steht ihm ins Gesicht geschrieben, ich denke bei mir „Du mich auch!“.

So ist denn auch die Spinne voll Milch. Auf der Strecke liegen dann auch wieder die Kreaturen, deren Läufe in Fetzen hängen oder die Altersschätzung anhand der Zahnformel nicht mehr möglich ist, weil der Äser fehlt. Der Besuch im Schießkino vor der Drückjagdsaison liegt hier wohl Lichtjahre zurück oder Parkinson hat schon eingesetzt.

Mir fallen die jungschen Schützen vom Morgen wieder ein, wenn es heißt die Treiber hierhin, die Schützen dorthin. Mitleidige Blicke treffen die Waffenlosen. Ein bisschen mehr Respekt wäre angebracht, nicht nur den Kreaturen gegenüber, die auf der Strecke liegen. Dem Journalisten der örtlichen Zeitung, der über die Jagd berichtet, ist der Gedanke der Weidgerechtigkeit beim Anblick mancher Stücke schwierig zu vermitteln. Zu dumm, dass sich die Tiere bewegen, noch blöder, dass so mancher Schütze sein Gehirn am Streckenplatz abgegeben hat. Das einzig Gute an der Sache ist, dass die angehenden Jungjäger die Themen Ethik und Weidgerechtigkeit ganz real erleben und ich im Unterricht nicht mehr viel erklären muss. Nathalie Bunke

Foto: Laufschuss bei Rothirsch. Copyright: SE

Portrait_Bunke2

Foto: privat

Dipl.-Ing. Nathalie Bunke ist als Jägerin und Waldpädagogin der Natur auf der Spur. Sie bildet leidenschaftlich gerne JägerInnen aus und in der Lernort Natur Bildungsinitiative weiter. Vor sieben Jahren hat die leidenschaftliche Jägerin die Firma „Luftifux – Spielen, Lernen, Anziehen rund um die Natur“ gegründet. Sie lebt mit Mann, drei Töchtern, Kater und Hund in Berlin.

 

 

 

2 Gedanken zu „Nathalie Bunke: Ethik voran

  1. Jutta Hinz

    Werte Frau Bunke,
    Sie verstehen also unter Ethik zerschossene Tiere? Darum dieses große Foto, weil Sie es einfach schön finden, Ihre Mitgeschöpfe massakriert und verstümmelt zu sehen?
    Sie lehren, in die friedliche Stille des Waldes einzubrechen, sich an ekligen Spinnen und Brombeeren zu stören, und sich an eben gerade noch gesunden, aber von “Menschen” grausamst ermordeten Tieren zu erfreuen?!
    Haben Sie kein ehtisches Hobby im Leben finden können?
    Welch eine Anmaßung des “Menschen” gesundes Leben unter Qualen sterben zu lassen, ist das schön für Sie`?
    Der große Mahatma Gandhi sagte, Die Kultur eines Volkes erkennt man daran wie es seine Tiere behandelt.
    Sie und alle anderen lustvollen Tiermörder sind weit von Kultur entfernt.
    Die vegane Bewegung erzeugt wahrhafte Menschen und es gibt Länder, z. B. Das Land des Friedens, in dem die Tiere nicht von Menschen zerstört werden und trotzdem und gerade deshalb ist die Natur in Ordnung.
    möge das endlich ein Ende haben; es werden immer mehr zu Menschen, die vegan leben!

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  2. Nathalie Bunke

    Sehr geehrte Frau Hinz,
    ich glaube Sie haben den Artikel nicht verstanden?! Erstens sind die Spinnen nicht eklig sondern lediglich fett – ein feiner Unterschied. Sie haben ihren Platz im Ökosystem, wie jedes Lebewesen. Und unter Ethik verstehe ich auch keine zerschossenen Tiere, die Doppeldeutigkeit ist Ihnen scheinbar entgangen. Unter Ethik verstehe ich nach Albert Schweitzer “eine Ehrfurcht vor dem Leben” einen Wert, den ich meinen Mitjägern und denen die in der Ausbildung sind, immer wieder ans Herz lege. Leider sieht das nicht jeder so. Ich massakriere auch keine Geschöpfe, sie sterben schnell nach einem Leben in Freiheit, mit allem Futter was die Natur bietet. Ein Veganer, der vorgibt durch seine Art der Ernährung keine Tiere auf dem Gewissen zu haben, der lügt sich in die eigene Tasche. Er ist nicht mehr als ein Kind, was sich die Welt schön träumt. Glauben Sie allen Ernstes, dass mit der Ernte ihrer pflanzlichen Nahrungsmittel keine Laufkäfer, Spinnen, Hasen, Mäuse etc. durch die Drescherblätter geschreddert worden sind?! Schön wär´s.
    Übrigens ist Jagd für mich kein Hobby, sondern eine Lebensform. Und wie passend, dass Sie Gandhi zitieren,…. ist das nicht das Land, in dem Frauen noch weniger wert sind als Kuhdung?

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