Nach Trophäen-Selfie: Schottland prüft Verschärfung der Jagdgesetze

Wieder einmal sorgt ein Erleger-Selfie für Ärger: Die amerikanische Jagd-Bloggerin und laut Eigenwerbung “Hardcore-Jägerin” (hardcore huntress) Larysa Switlyk, hat auf Instagram ein Foto einer von ihr auf der schottischen Insel Islay erlegten Wildziege gepostet. Bei den schottischen Wildziegen handelt es sich um die Nachfahren inzwischen gründlich verwilderter Hausziegen, die sich sehr erfolgreich an das wilde Leben in vielen Regionen Schottlands angepasst haben. Die Ziegen gelten als invasive, nicht-einheimische Art, wie die BBC berichtet. Eher jagdfeindlich gesinnte Tierschutzorganisationen wie OneKind kritisierten Swtlyk scharf für ihr Selfie und sprachen von “schockierenden Aufnahmen”. B-Prominente wie die Mutter des schottischen Tennisspielers Andy Murray stimmten in den Empörungs-Chor ein, wie die New York Times berichtet. Ablehnung riefen auch die Kommentare Switlyks hervor, die die Erlegung der Wildziege als “fun hunt” (Spaßjagd) beschrieben hatte und sich – nicht ohne ihre Sponsoren zu erwähnen – mit einem Fernschuss auf 200 Yards (183 Meter) gebrüstet hatte. Der schottische Parlamentsabgeordnete Michael Russell kündigte an, die Angelegenheit mit besonderer Dringlichkeit mit der Umweltstaatssekretärin Roseanna Cunningham zu erörtern. Er würde dergleichen gern sofort beendet sehen, so der Politiker.

Umweltstaatssekretärin Cunningham gelobte in ihrer Entgegnung, die Jagdgesetze Schottlands überprüfen und erforderlichenfalls ändern zu wollen. Sie verstehe, dass viele Menschen diese Art von Bildern unerträglich fänden. Zugleich betonte Cunningham, dass die Jagd einen notwendigen Bestandteil der nachhaltigen Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen darstelle und nicht illegal sei. Die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon kündigte auf Twitter an, eine Verschärfung der Jagdgesetze zu überprüfen.

Switlyk dürfte bewusst gewesen sein, welche Reaktion ihre Trophäen-Selfies hervorrufen würden, schreibt die New York Times: Sie sei inzwischen auf ihrer nächsten Jagdreise, schrieb Switlyk auf Twitter: Es gäbe doch nichts besseres, als dieser von den sozialen Medien [denen sie ihr Einkommen verdankt, Anm. d. Red.] getriebenen Welt zu entfliehen und in der Natur zu sein. “Hoffentlich wird das genug Zeit sein für all die Ignoranten da draußen, die mir Morddrohungen senden, sich über Jagd und Naturschutz zu informieren.” SE

Beitragsbild: Headline des zitierten Beitrags der BBC (Screenshot)

7 Gedanken zu „Nach Trophäen-Selfie: Schottland prüft Verschärfung der Jagdgesetze

  1. Joseph Hewener

    Man schaue sich die Bilder auf einer Plattform für Jäger, Schützen und Angler an, Rubrik Jagdreisen. Mich wundert es, dass die Medien hier noch nicht aufmerksam geworden sind, bei derart schlimmen Bildern. Wie hohl muss jemand sein, der solche Bilder postet und sich damit brüstet, ein Tier erlegt zu haben. Steilvorlagen für Gegner.

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  2. Anko

    Im Instagram-Link des Artikels sind zwei Erlegerfotos mit Wildziegen zu sehen. Um welches der beiden geht es? Ich finde beide gut gelungen. Ich verstehe den Hype um die Fotos nicht und insbesondere nicht, dass sich womöglich sogar noch Jäger sich über solche Fotos deshalb empören, weil sie Jagdgegner erzürnen könnten: Leute, ihr erzürnt Jagdgegner schon mit eurer bloßen Existenz. Das ist kein Grund, seine Freude an der Jagd nicht mehr öffentlich und gern auch mal in Form würdiger Erlegerfotos zu zeigen.

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  3. Ronbi

    Was ist an einem Trophäenphoto schlecht?
    Wie wäre es mit einem Photo von einer Karotte und ihrem Ernter?
    Man vergesse nicht den Microschrei der Karotte beim Ausreißen.

    In Texas gibt es eine Firma, die baut Präzisionsgewehre mit einer Zieloptik, vergleichbar der, in einem Jet oder Panzer.
    Vorteil, jeder wird zum Scharfschützen über ein und mehr Kilometer.
    Vorteil das Gewehr ist in der Lage das Jagdgeschehen live ins Internet zu laden.
    Trefferquote übrigens 99,9%.
    Bei uns wird es so etwas leider nie geben.

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  4. Grimbart

    Tja, soll man sich ganz verstecken oder zu seinem Tun stehen? Ich stelle keine Bilder von mir ins Netz, weil ich gar nicht an diesem ganzen “Social media” Kram teilhabe, aber für viele der jüngeren Generation gehört es dazu.

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  5. Ralf

    Ich habe lange über die dargestellte Problematik überlegt. Auch habe ich überlegt, ob ich dazu Stellung nehmen soll, oder obe es besser wäre, es “auszusitzen”.

    Joseph Hewener schreibt: ”
    “Wie hohl muss jemand sein, der solche Bilder postet und sich damit brüstet, ein Tier erlegt zu haben. Steilvorlagen für Gegner.”
    —Hier stellt sich keine Frage, ob Neandertaler das auch verachtet hätten. Der Erleger wäre gefeiert worden, weil er es irgendwie geschafft hat, Fleisch und damit Nahrung für den Fortbestand der Leute zu beschaffen. Und wenn er dann auch noch ein kapitales Tier erlegt hat, dann hat er gezeigt, dass er Kenntnisse und Fähigkeiten hatte, um dieses Tier zu erlegen. Hierdurch hat er den Damen gezeigt, dass er gute Gene hat… Wer jetzt kritikmäßig behauptet, dass das ja dem Leistungsgedanken entspräche, dem gebe ich Recht. Gute Trophäen sind auch Spiegelbild guter Hege, zu der auch gute Lebensbedingungen (da gehören Nährstoffe, Stressfreiheit etc. dazu) des Wildes gehören. Sowas sollte man nicht verstecken müssen, sondern zeigen (dürfen).

    Anko hat Geschrieben:
    “Ich verstehe den Hype um die Fotos nicht und insbesondere nicht, dass sich womöglich sogar noch Jäger sich über solche Fotos deshalb empören, weil sie Jagdgegner erzürnen könnten: Leute, ihr erzürnt Jagdgegner schon mit eurer bloßen Existenz. Das ist kein Grund, seine Freude an der Jagd nicht mehr öffentlich und gern auch mal in Form würdiger Erlegerfotos zu zeigen.”
    —-Anko hat aus meiner Sicht den Kern getroffen.
    Heute wird bereits die Nase gerümpft, wenn Erlegerfotos veröffentlich werden. Was ist mit anderen alltäglichen Trophäen wie den Fußballpokalen, sonstigen Sport-Preisen, mit der Pferdeschleife nach dem Reitturnier, dem Zuchtschaugewinnertier oder dem Foto vom Rekordkürbis? Der Mensch ist Sammler UND Jäger. Schon immer gewesen.
    Man muss sich auch vergegenwärtigen, dass es Mitglieder von “speziellen Vereinen” sind, die gezielt auf der Suche nach diesen Bildern und Artikeln sind, um sie durch Kommentare verächtlich darzustellen. Hier kann ein falsches Bild der öffentlichen Wahrnehmung entstehen. Der “Troll” muss nur andauernd seinen Namen wechseln -Schon sieht es für den Außenstehenden so aus, dass das ja ganz viele sind, die das nicht gutfinden. Auch so wird “Meinung” gemacht. Absolutes Problem.

    Die Frage ist nun, und da sind wir in gewisser Weise auf dem Scheideweg:
    Wollen wir uns verstecken oder zeigen. Wollen wir ein Schattendasein darstellen oder wollen wir Teil der Gesellschaft bleiben. Das Ganze hat aus meiner Sicht auch mit Präsentation und Präsentationstechniken zu tun. Vielleicht sollten wir uns noch mehr mit der Jagd in die Öffentlichkeit begeben. Nur wenn wir uns im Gespräch als “normale Bürger” und “auf Augenhöhe” präsentieren und uns in nachvollziehbarer Art darstellen, dann schaffen wir die Basis dafür, dass Nichtjäger die Jagd verstehen und nachvollziehen können und wecken vielleicht beim ein oder anderen mehr die Lust darauf, den Jägerlehrgang der örtlichen Jägerschaft zu besuchen.

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  6. Torsten Schröder

    Was bitte ist denn das für eine Diskussion? Auch ich bin kein Super-User der sozialen Medien. Aber natürlich sollte man sich als Jäger und Nutzer derselben von irgendwelchen naturentfremdeten Leuten nicht verbieten lassen Erlegerfotos zu posten. Schon gar nicht in einem Jagdblog, Ziel der Jagd ist es, ein Stück Wild zu erlegen und zwar nicht nur von einer invasiven Art. Was ist denn bitte der nächste Schritt? In der Schlachterabteilung im Supermarkt darf Fleisch nicht mehr offen ausliegen?

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  7. Ronbi

    Mir fällt da grad ein tolles Erlegerbild ein, Selbstportrait, sogenanntes Selfie, Person mit einer Packung tiefgefrorener Hühnerbrüste in der Hand. Nein, wie grausam.
    Ob ein Tiger Gewissensbisse hat und drei Wochen nicht schlafen kann, wenn er einen Sikahirsch schlägt?
    Wenn die Wildziegen “invasiv” sind, kann man sie doch qualvoll vergiften, wie es an manchen Orten passiert, anstatt sie, vielleicht noch gegen Devisen, zu erlegen.

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