NABU weist Forderung des DJV nach einer Neubewertung der Wolfspopulation zurück

Der NABU weist die Forderung des Deutschen Jagdverbandes (DJV) nach einer Neubewertung der Wolfspopulation zum jetzigen Zeitpunkt zurück. „Das Wolfsmonitoring ist in der Praxis bislang nicht ausreichend umgesetzt, so dass uns wichtige Erkenntnisse über Wanderbewegungen, Revieransprüche und langfristige Reproduktionserfolge nicht vorliegen, die wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Bestandsentwicklung möglich machen. Daher ist es in der derzeitigen Situation nicht hilfreich, laufend nach Argumenten zu suchen, den Wolf am Grünen Tisch als im Bestand gesichert zu erklären, während die drängendsten Fragen unbeantwortet bleiben“, erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Auch zu der Frage, ob einzelne Wölfe dauerhaft ein auffälliges Verhalten an den Tag legen, sei bislang zu wenig bekannt. Es entspräche nicht der Faktenlage, den Wolf als Risikofaktor für den Menschen zu erklären. Erst in der vergangenen Woche war in Sachsen erneut ein erschossener Wolf gefunden worden. „Die negative Haltung und Öffentlichkeitsarbeit des DJV und seiner Landesverbände sind mit dafür verantwortlich, dass er seinen Mitgliedern impliziert, der Wolf bringe zwangsläufig nur Probleme mit sich. Insofern verursacht der DJV eine Atmosphäre der Intoleranz gegenüber Wölfen. Manch einer mag da den illegalen Abschuss eines Wolfes als eigene Heldentat sehen“, so Miller. Der DJV solle lieber seine Rolle als anerkannter Naturschutzverband wahrnehmen und gemeinsam für die Akzeptanz des Wolfes werben. „In der Rückkehr des Wolfes liegt auch eine Chance für die Natur, die der DJV trotz allen Engagements vieler Jäger in Sachen Wolfsschutz nicht wahrnimmt“, kritisierte Miller.

Darüber hinaus mache es sich der Jagdverband zu einfach, eine Änderung des Schutzstatus in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) zu fordern: „Der Wolf ist darüber hinaus auch über die Berner Konvention und das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt“, so Miller. Der DJV müsse eine Antwort darauf geben, ob er wegen des Wolfes sämtliche Rechtsetzungen im Artenschutz in Frage stellen wolle. Der NABU vermisst im jüngsten Positionspapier des DJV zum Wolf ein klares Bekenntnis zu dieser Art. „Wenn es das einzige Ziel der Jägerschaft ist, über die Hintertür die Bejagung des Wolfes wieder einführen zu wollen, sollen sie dies auch offen und ehrlich formulieren“, ergänzte Miller. Dies könne dann aber nicht auf der Grundlage als anerkannter Naturschutzverband erfolgen, sondern diene lediglich den Eigeninteressen der Jäger. PM Nabu

Beitragsbild: Nabu-Bewertung des DJV-Positionspapiers zur Rückkher des Wolfs, Copyright: Nabu

4 Gedanken zu „NABU weist Forderung des DJV nach einer Neubewertung der Wolfspopulation zurück

  1. Joachim Orbach

    Was bildet sich der NABU denn ein? Es wird Zeit für die Landbevölkerung einmal Klartext zu reden. Was ist wenn Wölfe zunehmend die Scheu vor den Menschen verlieren und u.a. auch die Haustierhaltung als Freilandhaltung in den Wolfsgebieten erschwert.

    Joachim Orbach

    Antworten
  2. Christian Schröder

    Halten wir mal fest: Neubewertung nicht zum jetzigen Zeitpunkt, also nicht generelle Ablehnung, keine Rede mehr von bedrohter Art oder gar Willkommen Wolf, ungünstiger Erhaltungszustand, isolierte Population. Rüchzugsposition ist jetzt ein angeblich nicht ausreichendes Monitoring. Bei einem Verhältnis von 120 Wolfberatern und etlichen Hauptamtlichen bei ca. 60 Wölfen in Nds. Habn wir eine Betreuungsquote, von der jeder Kindergarten träumen würde. Die angeführten Schutzregelunfen sind bei Bedarf auch änderbar.

    Antworten
    1. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

      Gehört der Wolf in unsere dichtbesiedelte und infrastrukturell extrem gut erschlossene Kulturlandschaft? Diese Frage, die man durchaus ernsthaft diskutieren kann, sollte nicht von der Jägerschaft angestoßen werden. Zu leicht werden wir, wie z. B. der NABU es mit ihm nicht genehmen Organisationen oder Zeitgenossen gerne tut, sofort in eine bestimmte Ecke gestellt. Das haben wir nicht nötig.
      Die spannende Frage, ob die Wolfspopulation, die man Deutschland und Westpolen zuordnet, nicht eigentlich zur baltischen Population gehört, scheint immer mehr in letztere Richtung beantwortet zu werden. Damit ist der sog. “günstige Erhaltungszustand” auch bei uns längst erreicht, und es spricht außer ideologischen Scheinargumenten von NABU und Co. nichts dagegen, den Schutzstatus des Wolfs neu zu bewerten, wie es der DJV fordert.
      Dass der Wolf insbesondere beim Schwarzwild nicht die Rolle des Topregulators übernehmen kann und wird, zeigen die Erfahrungen im Baltikum. Insofern erscheint es nur logisch, nicht nur die Beute des Wolfs jagdlich zu regulieren , sondern auch ihn selbst, wenn es notwendig wird. Und wenn sich die Rasanz, mit der die Frequenz von unliebsamen Begegnungen der ländlichen Bevölkerung mit dem Wolf steigt, weiter fortsetzt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf wie im Baltikum reguliert und kontrolliert bejagt wird, bejagt werden muss. Im Baltikum werden jährlich einige hundert Wölfe erlegt, ohne dass dies die Population gefährdet. Es ist jedoch vollkommen unangebracht, dass heutzutage in Deutschland immer wieder Wölfe illegal in die ewigen Jagdgründe geschickt werden. Falls da tatsächlich “Jäger” dahinterstecken, tun sie der Sache des Weidwerks keinen guten Dienst. Geduld ist eine wichtige Jägertugend!

      Antworten
  3. Paul

    …. der “scheue ” Wolf – das dieses Attribut kaum bzw. nicht zutrifft , kann jeder feststellen, der “ihm” schon mal begegnet ist, bzw.
    die bereits zahlreich vorhandenen Berichte – vor allem aber Videos – bewertet und realistisch einschätzt. Vor wem soll “er” denn
    auch SCHEUE zeigen ? …. es tut “ihm” doch keiner etwas – im Gegenteil. da finde ich den Vergleich in den vorherigen Antworten
    sehr zutreffend : ….. Wölfe werden in unserem Land (verhältnismäßig ) i n t e n s i v e r “betreut” als Kinder in den Kitas……
    Es steht für mich die Frage ; wann werden die “Verantwortlichen” a u f w a c h e n , um eine vernünftige VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT
    -ich sage nicht : ( ständiger ) Abschuss der Wölfe – herzustellen und regulierbar zu bewerten und zu halten.
    Allein regulierende Eingriffe in die Population werden/würden die bis dato o f f e n s i c h t l i c h nicht vorhandene Scheue vor dem Menschen und die mögl. Gefahr für ihn (meiner Meinung nach ) maßgeblich beeinflussen – von der VERNUNFT , den Bestand in z u m u t b a r e r Höhe zu halten ganz zu schweigen …..
    Man könnte so zu einem Maß kommen, in vernünftiger, regulierbarer Form m i t (!!) dem Wolf zu leben !!!
    leicht besorgt, Paul

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.