Nabu fordert: Jagd auf ein Dutzend Arten beschränken

Aktualisiertes Positionspapier veröffentlicht – Verkürzung der Jagdzeit auf vier Monate gefordert.

Der Nabu hat ein Positionspapier zur Ausrichtung der Jagd in Deutschland vorgelegt, in dem er eine grundlegende Novellierung der Gesetzgebung fordert: Das vor 60 Jahren in Kraft getretene Bundesjagdgesetz sei bis jetzt im Wesentlichen nahezu unverändert. Wissenschaftliche Erkenntnisse der Wildtierökologie und des Natur-, Arten- und Tierschutzes sowie sich ändernde gesellschaftliche Erwartungen an die Jagd seien seitdem nicht berücksichtigt worden, meint Nabu-Präsident Tschimpke. Daher müssten die derzeitigen Jagdgesetze auf den Prüfstand und nach ökologischen und ethischen Kriterien novelliert werden. Die Jägerschaft müsse auf diese Veränderungen ebenso reagieren wie Bund und Länder”, so Tschimpke.

In seinem Positionspapier bekennt sich der Nabu zu einer naturverträglichen Jagd als legitimer Form der Landnutzung, wenn sie den Kriterien der Nachhaltigkeit entspreche und ethischen Prinzipien nicht widerspreche, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. So müsse das erlegte Tier sinnvoll genutzt werden, die bejagte Art darf in ihrem Bestand nicht gefährdet sein und “zum Zweck der Jagd nicht aktiv gefördert werden”, Störungen in der Brut- und Aufzuchtzeit von Wildtieren seien zu reduzieren und natur- und artenschutzrechtliche Regelungen zu beachten.

Für den Nabu ergibt sich daraus, dass die Liste der jagdbaren Arten deutlich gekürzt wird. Eine Neuausrichtung der gesamten Jagdpolitik sei “mehr als überfällig.” Der Nabu hält es für notwendig, zu betonen, dass “auch Reh und Wildschwein vom Nabu als jagdbar eingestuft” werden.

Ferner fordert der Nabu eine Vereinheitlichung der Jagdzeiten auf die Monate September bis Dezember und eine Überarbeitung der derzeit üblichen Jagdmethoden. Aus Sicht des Nabu sind in einem zukunftsfähigen Jagdgesetz nur noch Ansitz- und Bewegungsjagden zuzulassen, während Beiz-, Fallen- und Baujagden abgeschafft werden sollten. Die Jagd müsse ferner mit bleifreier Munition erfolgen, auf die Fütterung von Wild solle grundsätzlich verzichtet werden. Zudem dürfe die Jagd in Schutzgebieten des Naturschutzrechts ausschließlich dem Schutzzweck dienen, Kernzonen von Großschutzgebieten seien als Wildruhezonen auszuweisen.

Der Nabu fordert darüber hinaus, dass künftig deutlich zwischen der Jagd “als eine (sic!) Form der Landnutzung und dem Wildtiermanagement als geeignetes Instrument für Konfliktlösungen im Bereich von wirtschaftlichen Schäden sowie bei Artenschutzmaßnahmen unterschieden” werden müsse”. “Sogenannte Neozoen” wie Marderhund, Mink und Waschbär sind aus Nabu-Sicht aufgrund der angeblich nicht vorhandenen Verwertung keine jagdbaren Arten. „Für diese Tiere ist unter Umständen ein Wildtiermanagement zum Schutz anderer gefährdeter Arten erforderlich. Auch wenn dabei jagdliche Methoden zur gezielten Regulierung von Beständen angewendet werden können, soll das Wildtiermanagement dem Naturschutzrecht unterliegen“, so Nabu-Jagdexperte Stefan Adler. PM Nabu

 

4 Gedanken zu „Nabu fordert: Jagd auf ein Dutzend Arten beschränken

  1. Joachim Ernst

    Es ist immer wieder bemerkenswert, wie man mit Worthülsen scheinbare Wahrheiten postulieren kann. Sprache ist eben doch die gefährlichste Waffe.

    Mal ganz abgesehen davon, daß etwas nicht deshalb abgeschafft gehört, weil es seit 60 Jahren wenig Veränderung erfuhr, werden Behauptungen aufgestellt, die jeglicher Grundlage entbehren. Die jagdliche Fachliteratur ist voll von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und diese haben stets Einzug in die jagdliche Praxis gehalten.
    Die Jagd hat sich in den vergangenen 60 Jahren sehr deutlich gewandelt und sich den Veränderungen der Kulturlandschaft aber auch den gesellschaftlichen angepaßt.

    Der entlarvende Satzteil ist der, in dem von gesellschaftlichen Erwartungen gesprochen wird. Damit sind nicht allgemeine gesellschaftliche Erwartungen gemeint, sondern die des Nabu, von denen er hofft, sie verallgemeinern zu können.

    Die Wild- und Artenvielfalt in unsere Kulturlandschaft ist nicht zu letzt der besonnen Ausübung der Jagd geschuldet.

    Was passiert, wenn der Nabu seine Wiesen von Heckrindern abäsen läßt, hat er eindrucksvoll vorgeführt. Er ließ sie jämmerlich verrecken.

    Die hohle Phrase vom Wildtiermanagement ist die geeignete Waffe, die Jagdausübung an sich zu reißen. Management ist im übrigen das absolute Gegenteil von natürlich.

    Schade nur, daß die jagdlichen Vereinigungen den ebenso populistischen wie nichts sagenden Forderungen nichts entgegen zu setzen haben.

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  2. MM

    Anstatt, dass die Jägerschaft offensiv die vom NABU geforderten Änderungen als nicht notwendig entlarvt, da in großen Teilen des Landes genauso gejagt wird (bleifrei, Ruhezeiten, klammert man sich lieber an Krähen-, Schwan- und Krickentenbejagung, Futterrübenhaufen, Bockjagd nur bis 15. Oktober, Dachsgraben im Winter usw…. wir werden uns noch so lang gegen diese Leute mit allem wehren, bis uns die gesamte Jagd weggenommen wird, anstatt nur einen Millimeter zu weichen

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    1. admin Beitragsautor

      Vielleicht weichen wir ja auch Millimeter für Millimeter, bis – Scheibchen für Scheibchen abgeschnitten – von der “gesamten Jagd” nichts mehr (oder nur noch sehr wenig, reine Schadwildbekämpfung z.B.) übrig bleibt.

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      1. MM

        mit Sicherheit, daher wäre verhandeln und offensives Auftreten besser, als sich permanent in die Rolle des bösen Jägers drängen zu lassen..

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