Museale Trophäen

Trophäenjagd gilt zunehmend als No-Go. Ein Tier “nur wegen der Trophäe”  abzuschießen (wobei gern unter den Tisch fällt, dass viele Trophäenträger wie Rehbock und Hirsch auch ganz gut schmecken), ruft die Ablehnung breiter gesellschaftlicher Schichten hervor, die über fundiertes jagdliches Hintergrundwissen verfügen (Bild-Zeitung, Veganer-Blogs). Ganz schlimm wird es, wenn ein “vom Aussterben bedrohtes”, angeblich total beliebtes und berühmtes Viech aus Trophäengier abgeknallt wird – wie der Löwe Cecil. Da kocht die Volksseele, Medienpranger und Morddrohungen empfinden viele als noch zu milde Strafe für den ruchlosen Trophäenjäger.

Selbst die Forsten, die mit der seltsamen Wertschätzung, die mancher Weidmann einem Knochen an der Wand entgegenbringt, viele Jahre lang gutes Geld verdienten, indem sie für den Abschuss eines reifen Recken zwischen zwei und vier Förster-Monatsgehälter verlangten, wenden sich von der Trophäenjagd ab. Die folgen jetzt alle der “Nur-ein-toter-Hirsch-ist-ein-guter-Hirsch-Ideologie” und wollen den König des Waldes am liebsten schon als mähnenlosen Jüngling strecken. Hauptsache tot.

Vor diesem Hintergrund erscheint es befremdlich, dass Trophäenjäger und nichtjagende Öffentlichkeit sich, was die Wertschätzung von Trophäen und auch die Trophäenaufbereitung angeht, offenbar gar nicht so sehr voneinander unterscheiden. Das gilt sogar für Trophäen von seltenen Tierarten, deren Bestand keinesfalls als gesichert anzusehen ist. So wurde die Mitte Februar in der Nähe des Flughafens Berlin Schönefeld totgefahrene Wölfin ausgestopft und im Naturkundemuseum Potsdam ausgestellt – so ein schmuckes, repräsentatives Ganzkörperpräparat würde auch manchem Jägersmann gut gefallen und wäre sicherlich eine Zierde für jedes Jägerstübchen.

Auch der bei Lahr in Baden-Württemberg überfahrene Wolf kommt trotz fortgeschrittener Verwesung (Beitragsbild) keinesfalls in die Kadavertonne der Tierkörperbeseitigungsanstalt. Nein, das Tier wird sauber abgebalgt, seine gebleichten Knochen werden im Naturkundemuseum Karlsruhe einen prächtigen Wandschmuck abgeben. Da dürfte mancher Vertreter der grünen Zunft gelb vor Neid werden.

Halten wir als Fazit und Ergebnis dieser Betrachtung fest: Jäger wie Nichtjäger wissen eine gut gemachte Trophäe zu schätzen. Auch in der angeratenen Art der Trophäenaufbereitung (Ganzkörperpräparat, Kopf-Träger-Montage, Knochen, Bettvorleger) herrscht weitgehend Übereinstimmung. Unterschiedlich ist lediglich die Art des Trophäenerwerbs: Während der Weidmann seine Trophäenträger in der Regel selbst auswählen und erlegen kann (wovon wir im Fall des Wolfs dringend abraten!), muss der Nichtjäger darauf warten, dass er etwas passendes am Straßenrand findet. Möglicherweise ist dieser beachtliche Vorteil ein Grund für den Neid und die Missgunst, die Jägern von Nichtjägern häufig entgegen gebracht wird. SE

Beitragsbild: Der bei Lahr in Baden-Württemberg überfahrene und tot aufgefundene Wolf. Quelle: FVA Baden-Württemberg

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