Müll im Wald macht Tiere kalt

Der Oberkiefer des Damkalbs steckt in einem gelben Kunststoffring. Seit vielen Tagen schon. Immer wieder haben die Wildkameras in dem Revier bei Nauen das Stück fotografiert. Die Bilder dokumentieren den langsamen und qualvollen körperlichen Verfall des bei der Nahrungsaufnahme gehandicapten Stücks. “Wir sitzen ständig an, um das Kalb von seinen Qualen zu erlösen”, berichtet Revierpächter Bernd Schulze alias Wiesel. “Bisher ist es uns leider nicht gelungen, das Stück zu erlegen.” Das Kalb wird von Tag zu Tag schwächer, inzwischen folgt es dem Damtier (für Nichtjäger: Muttertier) nicht mehr. Tierschicksale wie dieses sollte den Leuten zu denken geben, die ihren Müll bedenkenlos im Wald abladen.

Die Aufnahmen der Wildkameras dokumentieren den fortschreitenden körperlichen Verfall des bei der Nahrungsaufnahme gehandicapten Damkalbs. Fälle wie diese zeigen, wie wichtig Wildkameras sind: Ohne sie blieben solche Fälle meist verborgen, und es wäre nicht möglich, die Leiden betroffener Stücke wenn möglich tierschutzgerecht zu verkürzen. Foto: privat

Davon scheint es nach wie vor jede Menge zu geben: Bei der alljährlichen Müllsammelaktion des Jagdverbands Nauen kommen Jahr für Jahr stattliche Müllberge zusammen. Mehr als 2000 Kubikmeter Müll haben die Weidleute in den 18 Jahren seit Bestehen der Müllsammelaktion aus dem Wald geklaubt. In diesem Jahr kamen unter anderem 162 Reifen sowie 26 Kühlschränke und Waschmaschinen zusammen. Viel von dem Zeug, das da in der schönen Natur landet, lässt sich kostenfrei oder für wenig Geld auf der Mülldeponie entsorgen – selbst die kostenpflichtige Entsorgung etwa von Altreifen kommt einen immer noch deutlich billiger als die saftigen Strafen, die für die illegale Entsorgung anfallen.

Muellaktion

Die Umweltschützer vom JV Nauen in Aktion. Mit dabei: Bernd Schulze mit Sonnenbrille und Matratze (fast wie neu). Foto: LJVB/privat

In der Vergangenheit hatten die Jäger die Aktion im Vorfeld angekündigt. Das führte dann dazu, dass einige Leute ganz gezielt ihren Müll im Wald abluden. Es sei “wirklich traurig, wie wenig Respekt einige Menschen vor unserer Natur haben“, meint Bernd Schulze. Das Damkalb in Wiesels Revier ist zu einem qualvollen Hungertod verurteilt, wenn die Jäger oder der Wolf es nicht vorher kriegen. Ob dergleichen den Asseln zu denken gibt, die ihren Müll in den Wald schmeißen? Ein Einzelfall ist das Kalb nicht: Vor kurzem fand Bernd Schulze einen Fuchs mit einem Einmach-Glas über dem Kopf. Offensichtlich waren in dem Glas noch Essensreste, die das Interesse des Tieres geweckt hatten. Der Fuchs blieb stecken und erstickte qualvoll. SE/PM LJVB

Ein herzliches Dankeschön der Jawina-Redaktion geht an Bernd Schulze für die Überlassung der Wildkamera-Bilder!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.