Mölln/Schleswig-Holstein: Irrwitzige Podiumsdiskussion der Grünen zum Thema Wolf

Unsere Gastautorin Anna Lena Kaufmann hat eine Podiumsdiskussion zum Thema Wolf in Mölln besucht – und konnte sich überzeugen, wie ernst grüne Politiker die Bedenken der Bürger nehmen…

Unter dem Titel „Der Wolf ist zurück – Experten, Schäfer & Anwohner im Gespräch” hatte der grüne Wahlkreisabgeordnete im Bundestag, Konstantin von Notz, am 1. April zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung in sein Wahlkreisbüro nach Mölln geladen. Rede und Antwort standen: Jens Matzen vom Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein, Sabine Bengtsson, Artenschutzexpertin und Naturreise-Veranstalterin, Dirk Hadenfeldt, Wolfsbeauftragter des Kreises Herzogtum Lauenburg, Rudolf Walch, Schäfer und Landwirt des Lämmerhofes Panten und Fritz Heydemann vom NABU-Landesvorstand. Mit 120 Gästen war das Grünen-Büro in der Möllner Marktstraße bis auf den letzten Stehplatz gefüllt – das Interesse seitens besorgter Anwohner, Landwirte und Jäger war groß.

Was als vermeintlich seriös begann, nahm jedoch schnell komödiantische Züge an.

Die Angst vorm Wolf sei vollkommen unberechtigt, so der allgemeine O-Ton der Experten. „Grundsätzlich sind Wölfe scheu und meiden den Menschen”, erläuterte NABU-Sprecher Fritz Heydemann. Dass im Internet Videos kursieren, in denen ganze Wolfsrudel am hellichten Tag an einem lärmenden Trecker vorbeiziehen, dass ein Wolf bei Hannover den Terrier einer Radfahrerin gebissen und die verängstigte Halterin bis ins Dorf verfolgt hat – das kann die Nabu-Experten – getreu der Devise, dass nicht sein kann, was nicht sein darf – in ihrem festen Glauben an die “natürliche Scheu” der Wölfe freilich nicht verunsichern.

Wolfsbetreuer Jens Matzen vom Wolfsinformationszentrums Schleswig-Holstein im Wildpark Eekholt setzte dem zwar entgegen, dass es durchaus Ausnahmen gäbe – wie der aktuelle Fall eines auffälligen Wolfes im Kreis bestätigte. Isegrim attackierte am helllichten Tag eine Schafherde und zeigte kaum die für Wölfe typische Scheu vor Menschen. Erst nach längerer Zeit ließ sich der graue Räuber aus der Schafherde vertreiben, obwohl sich Wolfsbetreuer und Tierhalter bis auf wenige Meter näherten. Das schleswig-holsteinische Umweltministerium reagierte prompt und erteilte eine Genehmigung zum Beschuss mit Gummigeschossen sowie in letzter Konsequenz zum Abschuss des Tieres.

Von bissigen Hunden gehe eine zigfach höhere Gefahr für Menschen, Weidetiere oder den eigenen Hund aus, konterte Heydemann.

Im ausgelegten Flyer vom „Freundeskreis freilebender Wölfe” war darüber hinaus folgender sachdienlicher Hinweis zu lesen: „Wölfe weichen dem Menschen meistens aus, weil sie ihn viel früher entdecken als umgekehrt. Wer dennoch das seltene Glück hat, einmal einen Wolf zu sehen, braucht nicht zu fürchten, das Tier sei tollwütig oder gar verhaltensgestört.” Der Verein möchte dazu beitragen, dass die Wölfe endlich als das anerkannt werden, wie sie wirklich sind: „als intelligent, sozial und unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht.”

Eine intelligente Idee hatte eine junge Frau aus Salem: „Mit mehr Wölfen löst sich vielleicht das Problem der zu vielen Wildschweine.“

Auch Sabine Bengtsson von der Agentur Perlenfänger mit dem Fokus auf Wildpferde und Wölfe versuchte ihrerseits mit Erfahrungswerten zu überzeugen, dass ein konfliktfreies Zusammenleben zwischen Menschen und Prädatoren durchaus möglich sei – mit der Argumentation, dass in anderen Ländern wie beispielsweise Rumänen die Kinder angstfrei im Wald spielen würden.

Auf die Frage eines besorgten Familienvaters, wie er seinen Sohn vor dem Raubtier Wolf schützen könne, hatte Konstantin von Notz eine höchst beruhigende Antwort: Der Straßenverkehr sei mit Abstand die größte Bedrohung für Kinder. Das Absurde daran: Die Familie lebt abgeschieden auf dem Land, weit weg von der nächsten größeren Straße und dem nächsten Ort.

Schwarze Schafe

Herbert Grimm aus Mecklenburg fragte sich berechtigterweise, wie es angehen könne, dass ein offiziell vom Land bestellter Wolfsberater wie Hadenfeldt – nachdem das Ministerium den auffälligen Wolf zum Abschuss freigab – Drohanrufe und -briefe bis hin zu Morddrohungen erhalte – und wollte in diesem Zuge von Konstantin von Notz wissen, wie er damit als Politiker umgehe.

Auf Aufforderung durch das Wahlkreisbüro des Grünen-Abgeordneten Dr. Konstantin von Notz fügen wir an dieser Stelle folgende “Korrektur” ein (Red.):

“Denn auf die besagte Frage hin verurteilte Dr. von Notz zunächst eindeutig und nachdrücklich entsprechende Bedrohungen oder gar Gewalt gegenüber den Wolfsbeauftragen, was er zudem mit einem Lob für deren ehrenamtliches Engagement verband. Daraufhin mahnte er eine sachliche Auseinandersetzung an, bei der sich alle Beteiligte an die geltenden Gesetzen zu halten hätten. In diesem Kontext erläuterte er, dass die emotional aufgeladene Debatte um Wölfe und Abschüsse neben kulturellen Faktoren (Wolfsmythen) auch dadurch angeheizt worden sei, dass von einzelnen Jägern illegale Abschüsse angekündigt worden seien.” (Zitat: Ausschnitt aus einer Mail des Abgeordnetenbüros)

PS: Die Lübecker Nachrichten vom 2. April berichteten ebenfalls über die Veranstaltung. Den Artikel finden Sie hier: Naturschützer: „Vom Wolf geht keine Gefahr für Menschen aus. Anna Lena Kaufmann

Aktuelle Situation: Im Lauenburgischen liegen vier bis fünf C1 (eindeutige) Nachweise sowie weitere unbestätigte Hinweise vor. Seit Mitte März ist der Kreis offizielles Wolfsgebiet.

Beitragsbild: Der Flyer zur Veranstaltung, Copyright: von Notz/Grüne

Ein Gedanke zu „Mölln/Schleswig-Holstein: Irrwitzige Podiumsdiskussion der Grünen zum Thema Wolf

  1. Gottfried Schnurr

    Nach den “Reformen” in der Novellierung der Landesjagdgesetze von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen erstaunt mich längst nicht mehr, dass offensichtlich Herr Konstantin von Notz seine geäußerten “Erkenntnisse” auch noch zu glauben scheint. Ich finde es immer wieder erschreckend, welche verbalen Halbwahrweiten sogenannte selbsternannte Natur-“Experten” wie z.B. der „Freundeskreis freilebender Wölfe” oder eine “Agentur Perlenfänger” öffentlich von sich geben !! Den Glauben, dass bei der Grünen Partei der gesunde Menschenverstand agieren könnte, hat mit o.a. Beitrag, definitiv dazu beigetragen, mich zu bestätigen, jede Hoffnung aufzugeben und diese Partei keinesfalls Falls bei der nächsten Wahl auch nur ansatzweise zu unterstützen.

    Meine Prognose…alle EXPERTEN warten jetzt darauf, dass das typisch deutsche “Kreuzung-ohne-Rote-Ampel-Prinzip” eintritt. Erst wenn das erste Menschenleben zu beklagen ist, stellen wir plötzlich fest, dass das Grimms-Märchen wohl doch nicht “Rotkäppchen und der liebe Wolf” geheissen haben könnte…

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