Meisterschaft auf der roten Fährte

Verbandsfährtenschuhprüfung der Brackenzuchtvereine im Hochspessart

Am 24. Juni veranstalteten die Brackenzuchtvereine im JGHV ihre 13. gemeinsame Verbandsfährtenschuhprüfung (VFsP) im Spessartforstbetrieb Rothenbuch. Mit 14 gemeldeten Gespannen dürfte diese Fährtenschuhprüfung die größte ihrer Art in Deutschland gewesen sein. Was Anspruch bzw. Schwierigkeitsgrad angeht, so ist der Spessart mit seinen regional hohen Wilddichten und damit zahlreichen Verleitungen eine besondere Herausforderung. Ausrichtender Verein war in diesem Jahr der Verein Jagd-Beagle e.V.

Regen gab es im Spessart in den vergangenen Wochen kaum und die Temperaturen waren bei 25 bis 30 °C sommerlich heiß. Dazu wehte ein leichter Wind. Demzufolge war der Boden staubtrocken. Abseits der Wege versank man knöcheltief im trockenen Buchen- und Eichenlaub. Warum veranstaltet man eine Prüfung im Sommer bei diesen schwierigen Bedingungen? Diese Frage wurde von Gästen nicht nur einmal gestellt. Dabei liegt die Antwort doch nahe. Natürlich wird auch im Sommer gejagt, besonders wenn die Sauen im Feld zu Schaden gehen. Liegt das Stück nicht gleich, ist man auch hier auf Hunde angewiesen, die mit derart schwierigen Bedingungen fertig werden.

Gruppenbild der Hundeführer auf der Verbandsfährtenschuhprüfung (VFsP), ausgerichtet vom Verein Jagd-Beagle (VJB). Quelle: VJB

An einer VFsP dürfen Hunde teilnehmen, die mindestens 2 Jahre alt sind. Sie müssen über einen Lautnachweis verfügen sowie schussfest sein. Die Prüfung soll durchgeführt werden in Wäldern mit guten Schalenwildbeständen, wobei mit „gut“ eine Wilddichte gemeint ist, die auch ausreichend Verleitfährten garantiert. Die Fährten im Spessart werden mit Fährtenschuhen und Schwarzwildschalen getreten und sie sind mindestens 1000 m lang. Maximal 100 ml Schweiß werden auf den ersten 50 m nach dem Anschuss sowie im Verlauf nur in 4 Tropfbetten verwendet. Den Anschuss muss das Gespann in einem Bereich von 30 x 30 m selbst finden.

Markierung auf der Fährte. Quelle: VJB

Von den 14 gemeldeten Gespannen traten am 24. Juni dann 12 in den Wettstreit um die beste Nachsuchenleistung auf der 20- oder 40-Stundenfährte. (3 Brandlbracken, 3 Beagle, 2 Tirolerbracken, 2 Alpenländische Dachsbracken, 1 Westfälische Dachsbracke, 1 Schwarzwildbracke). Die Arbeit erfolgte in 5 Richtergruppen. Bei seiner Begrüßung betonte Prüfungsleiter Hans Stark, dass in der Vergangenheit von den angetretenen Gespannen nie mehr als die Hälfte zum Stück fanden. Im Vorjahr war es gar nur ein Viertel.

Suchensieger: Brandlbrackenrüde Balu vom Radmertal. Quelle: VJB

Bei der Riemenarbeit, mussten sich die Führer ganz auf ihre Hunde verlassen, Wer dabei seinen Hund nicht lesen konnte, war sehr schnell verlassen. Allzu interessant waren die zahlreichen frischen Verleitungen. Nicht selten führten die Fährten vorbei an frisch angenommenen Suhlen oder durch Bereiche, in denen die Sauen noch in der Nacht zuvor frisch gebrochen hatten. Teilweise kam Wild während der Riemenarbeit in Anblick.

Die Statistik der Vorjahre wurde auch 2017 bestätigt. Von den 12 angetretenen Gespannen fanden nur 6 zum Stück. Suchensieger (FS /I) wurde der Brandlbrackenrüde Balu vom Radmertal, der seinen Führer Thorsten Stark auf der 40-Stundenfährte in beeindruckenden 24 Minuten zum Stück führte. Sie nehmen den Wanderpokal, einen Sauerländer Halbmond, für ein Jahr mit nach Hause.

Die weiteren Ergebnisse:

Brandlbracke Alma vom Rothmundstann – Matthias Lachenmayer, FS I (1. Preis)
Beagle, Merle vom Trappenfeld – Dr. Volker Breuhaus, FS I (1. Preis)
Tirolerbracke, Billa vom Bleichhölzle – Erhard Oberdorfer, FS II (2. Preis)
Westfälische Dachsbracke, Tibia vom Kaufunger Wald – Barbara Schäfer, FS II (2. Preis)
Alpenländische Dachsbracke, Ibs aus dem Burgwald – Alexandra Freiin von Bischoffshausen, FS II (2. Preis)

Das Siegergespann mit dem Wanderpokal. Quelle: VJB

Wirklich knapp das Ziel verfehlten Beaglehündin Eyla aus der Göhrde mit ihrem Führer Kristian Möller. Sie bekamen den dritten und damit finalen Abruf, nachdem sie kurz vor dem Fährtenende einer Verleitung folgten und nur 5 m am ausgelegten Frischling vorbei arbeiteten.
Wie man eine Fährte sprichwörtlich ausbuchstabiert, demonstrierte eindrücklich Beaglehündin Merle vom Trappenfeld. Dr. Volker Breuhaus behielt die Nerven, wenn seine Hündin im frisch durchwühlten Waldboden die vielen Verleitungen akribisch und mit einer Seelenruhe untersuchte. Erst wenn sie jeweils damit fertig war, kam sie zurück auf die Fährte um dieser dann zügig zu folgen.

Die Alpenländische Dachsbracke Ibs aus dem Burgwald gönnte sich gar eine Pause und untersuchte im Fährtenverlauf zur Abwechslung tiefgründig einen anscheinend interessanteren Mäusewechsel. Nachdem die Grabarbeiten abgeschlossen waren, setzte er seine Suche problemlos fort.

Alle Beteiligten konnten an diesem Tag beeindruckende Leistungen von Hunden und Führerinnen und Führern sehen. Wieviel Fleiß und Mühe in den Vorbereitungen steckte, können wahrscheinlich nur Hundeführer erahnen, die selbst einmal auf einer solchen Prüfung geführt haben.

Zum festen Programm an diesem Wochenende im Spessart gehört auch eine Schulungsveranstaltung am Vorabend der Prüfung. Diesmal referierte Wolfgang Kommallein vom Klub Tirolerbracke zum Einsatz von Stöberhunden auf Bewegungsjagden. Seinen Ausführungen lagen interessante Untersuchungen zugrunde, bei denen die Laufwege aller Hunde auf Bewegungsjagden mit Drückjagdständen und Wildbeobachtungen zusammengebracht wurden. Die anschließende Diskussion führte von geeigneten Rassen und Anforderungen wie Spurlaut und Fährtenwille bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingungen.

Überreichung des Wanderpokals. Quelle: VJB

Einig waren sich die Anwesenden, dass sicherer Spurlaut aus jagdpraktischen und tierschutzrechtlichen Gründen unabdingbar ist. Die Kritik an der Verbandsstöberprüfungsordnung des JGHV, nach der auch sichtlaut jagende Hunde eine Brauchbarkeit für die Stöberarbeit erlangen können, nahmen die anwesenden Vertreter des JGHV-Präsidiums zur Kenntnis. Fazit: Für eine erfolgreiche Stöberjagd ist eine Mischung von weit- und kurzjagenden, sicher spurlauten Hunden erforderlich. Bei den Vorbereitungen sollte man eher mehr Hunde einplanen, denn ähnlich wie die Hundeführer können auch wahre Stöberspezialisten wie Bracken und Beagle mal einen schlechten Tag erwischen und sie jagen dann eben nur zweit- oder drittklassig.

Ein besonderer Dank geht an den Forstbetrieb Rothenbuch der Bayerischen Staatsforsten AöR und dessen Vorstand Reinhardt Neft, der die Schirmherrschaft übernommen hat. Der Betrieb stellt seit 13 Jahren nicht nur die Bühne für dieses große Ereignis. Ohne die Logistik vor Ort und die zahlreichen ehrenamtlichen Revierführer ist eine solche Prüfung undenkbar. Interessierte Hundeführer und Gäste merken sich schon jetzt das letzte Wochenende im Juni 2018 vor. Dann nämlich veranstalten die Brackenzuchtvereine im JGHV ihre 14. gemeinsame Verbandsfährtenschuhprüfung im Forstbetrieb Rothenbuch. Christian Hohm, 1. Vorsitzender Verein Jagd-Beagle e.V.

Beitragsbild: Siegergespann am Stück. Quelle: VJB

4 Gedanken zu „Meisterschaft auf der roten Fährte

  1. Anko

    Trockenheit bei in der Spitze 30°C sind schon der Hammer für ein solches Prüfungsgeschehen. Respekt!

    “Die Alpenländische Dachsbracke Ibs aus dem Burgwald gönnte sich gar eine Pause und untersuchte im Fährtenverlauf zur Abwechslung tiefgründig einen anscheinend interessanteren Mäusewechsel. Nachdem die Grabarbeiten abgeschlossen waren, setzte er seine Suche problemlos fort.”

    Der Hund hat eben Prioritäten gesetzt, da er sich an 5 Klauen abzählen konnte, dass die Schwarte am Ende der getretenen Fährte währenddessen nicht weglaufen wird.

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      1. Anko

        Ach was, da nehmen sich die Schlappohren sicher alle nicht viel.

        Der Smiley am Ende meines ersten Kommentars war mit Bedacht gesetzt, ging wie ich sehe aber leider nicht online. Was den Kommentar aber für den humorsensiblen Leser aber sich nicht gleich zur ernsten Angelegenheit macht . 😉

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  2. Joachim Orbach

    Sicherlich sind spurlaute Hunde für Bewegungsjagden in großen Forsten die geeignetsten Hunde. Aber wir haben in Deutschland halt auch viele Reviere mit versprengten kleineren Waldflächen und mit einem durchquerenden Straßennetz und da ist mir halt eben ein Vorstehhund mit gehorsam am Wild -auch wenn er nur Sichtlaut ist- lieber. Hier muss der Hundeführer halt eben mit seinem Hund mit durchgehen .Leider werden in der heutigen Zeit viele dieser Hunde nicht entsprechend abgerichtet und viele Hundeführer möchten ihren Hund vom Stand aus schnallen – aus welchen Gründen auch immer. Stummjager haben aber auch meiner Meinung nach nichts auf Bewegungsjagden -gleich welche Reviere- zu suchen.

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