Mecklenburg-Vorpommern: Umstrittene Jagdzeiten-VO durchgedrückt

Die “Verordnung zur Änderung der Jagdzeitenverordnung und weiterer Verordnungen im Jagdrecht” vom 18. März ist verkündet worden und in Kraft getreten. Hauptpunkt der Verordnung ist die Änderung der Jagdzeiten für das “verbeißende Schalenwild”, wie es im Pseudo-Öko-Jargon so schön heißt.

Neue Jagdzeiten in MV (Screenshot, Ausschnitt).

Außerdem wurde der Nandu in die Liste jagdbarer Arten aufgenommen und es wird ein ganzer Schwung Nachtsichttechnik genehmigt:

Verordnungstext zum Einsatz von Nachtsichttechnik durch Jäger in MV. (Screenshot, Ausschnitt)

Beitragsbild: Erlegter Rothirsch. Foto: SE

Die Red. dankt für die Hinweise!

 

10 Gedanken zu „Mecklenburg-Vorpommern: Umstrittene Jagdzeiten-VO durchgedrückt

  1. Waldjäger

    Ein Meilenstein für Wald und Wild bei uns im Land 🙂 Leider ist der Mindestabschuss auf der Strecke geblieben aber mit diesen Jagdzeiten kann endlich effizient mit weniger Jagddruck gejagt werden.

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Sehr geehrter Waldjäger,
    das ist tatsächlich ein Meilenstein, nur steht er auf der falschen Seite des Weges! Aus wildbiologischer Sicht waren bereits die bestehenden Jagdzeiten zu lang. Weshalb sich mit längeren Jagdzeiten der Jagddruck verringern soll, erschließt sich mir nicht. Zweieinhalb Monate Schonzeit für „verbeißendes Schalenwild“ sind aus tierschutzrechtlicher Sicht ein Skandal. Wo wird denn das Wild hinziehen und wovon wird es sich ernähren, wenn es bereits im April durch Bejagung vom frischen Grün verjagt wird? Damit werden die Wildschäden geradezu provoziert, die man eigentlich verhindern will. Und am anderen Ende der Zeitachse läuft es ebenso. Wird Wild im Energiesparbetrieb im Januar durch die Gegend gescheucht, möglichst noch durch Bewegungsjagden, steigt der Energiebedarf an und wird im Wald durch zusätzlichen Verbiss und zusätzliche Schäle gedeckt. Das Umschalten auf Energiesparbetrieb beginnt übrigens vollkommen unabhängig von der Witterung kurz vor Weihnachten. Irgendwann müssen solche Binsenweisheiten doch auch den letzten Unbelehrbaren erreichen, meint man. Offenbar sind Appelle an Vernunft und Verstand aber vergebens, wenn beides nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist.

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    1. Konzentratselektierer

      Sehr geehrter Herr Pfannenstiel,
      diese Neuerungen wären nicht nötig gewesen, wenn die Jägerschaft sich in der Vergangenheit ihrer Pflicht und einziger Daseinsberechtigung bewusst gewesen wäre und die Wildbestände auf ein naturnahes Maß reduziert hätte. Dies wurde jedoch leider versäumt und lieber der eigenen hobbybegründeten Leidenschaft gefrönt. Dass die derzeitigen Wildbestände die Lebensraumkapazität bei weitem übersteigt wissen sie genauso gut wie ich. Da ist es überflüssig über irgendwelche Schonzeitenverkürzungen oder -verlängerungen zu diskutieren. Wenn zu viel Inividuen in einem Lebensraum vorhanden sind muss diese Population kleiner werden bis sie der Lebensraum wieder tragen kann. Die Waldentwicklung (möglichst mit Naturverjüngung) hat eben eine größere Priorität als der Anblick von zu viel Wild bei dem Gang auf den Hochsitz. Die Jagdzeitverängerung bedeutet nicht, dass nun das Wild ausgerottet wird. Das möchte auch keiner, aber vll ist sie ein Instrument zur Anpassung der Bestände an ein natürliches Maß. Zudem liegt es an jedem selbst, wann er sein Wild erlegt. Waidmannsheil.

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  3. Waldjäger

    Sehr geehrter Herr Pfannenstiel,
    ich verstehe Ihre Bedenken sehr gut aber der LJV hätte sicher auch ein Problem mit einer Verkürzung der Jagdzeit gehabt. Im Wald würde uns ein Beginn der Jagdzeit auch Ende Juli zur Blattzeit genügen. Aber wenn im Frühjahr gejagt werden soll, dann bitte auch mindestens mit AK I Rot- und Damwild weil diese mit beunruhigt werden. Wichtig war das der Rehbock endlich auch zu den Bewegungsjagden frei ist weil dies aus wildbiologischer Perspektive überfällig war, werden Sie mir ja sicherlich zustimmen. Da es in der Vergangenheit nicht gelungen ist, dem Ausufern der Wildbestände vielerorts zu begegnen, ist es Schade, dass der Mindestabschuss nicht mitbeschlossen wurde. So werden die HG wohl wieder den Abschuss blockieren wenn Rot und Damwild erfüllt ist. Kurz gesagt würde ich einen drastischen Einschnitt der Jagdzeit sogar begrüßen aber da die Populationen oftmals weit über dem liegen was das Revier verträgt müssen wir leider die aktiven Zeiten des Wildes nutzen wenn sie sichtbar sind um Strecke zu machen. Bleibt nur an die Vernunft und Durchsetzungsfähigkeit der Jagdausübungsberechtigten zu appellieren, die Verlängerung der Jagdzeiten sinnvoll zu nutzen und nicht einfach nur 2 Wochen mehr im Jahr das Wild zu beobachten..

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  4. Hans

    Wem die alten Jagdzeiten zu kurz sind der macht was falsch. Ich kann nur Hr. Pfannenstiel recht geben. Um so mehr Jagddruck in der Vegetationlosen Zeit entsteht um so höher werden der Verbiss und sie Schälschäden sein.

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  5. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Sehr geehrter Waldjäger,
    wie das Beispiel des Hatzfeldt-Projekts in Brandenburg und wie die Verlängerung der Jagdzeit auf den Rehbock in Brandenburg gezeigt haben, ist dadurch die Gesamtstrecke nicht gestiegen, wohl aber der Bockanteil. Was daraus folgt können Sie selber feststellen, oder?
    Wer hat denn irgendjemand in der Vergangenheit daran gehindert, seinen Wildbestand innerhalb der damals geltenden Jagdzeiten auf das gewünschte Niveau einzustellen? Wer das nicht getan hat, war entweder jagdlich unfähig oder wollte es nicht oder beides!

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    1. Waldjäger

      Sehr geehrter Herr Pfannenstiel,
      die Hatzfeldsche Forstverwaltung beweist doch was man mit waldverträglichen Wildbeständen erreichen kann. Auf ärmsten Standorten entsteht dort ein Mischwald von dem manche Förster in MV nur träumen können auf ihren guten Standorten..Dass das Reh mit verstärkter Reproduktion auf eine konsequente Jagd reagiert ist doch klar und leugnet niemand. Daher muss es doch gerade scharf bejagt werden damit es in seinem ökologischen Optimum lebt. Daher steigen doch die Wildbretgewichte die ein Indikator für die Vitalität des Wildes sind. Jetzt kommen sie wieder mit der Art und Weise der Jagd..aber seien wir doch mal realistisch. Mit der Einzeljagd beunruhigen wir logischerweise das Wild viel mehr weil an viel mehr Tagen im Jahr jemand jagen muss. Daher plädiere ich für effektive Intervalle wenn das Wild sichtbar ist, mit so viel Freiraum in der Jagdfreigabe wie möglich. Wenn wir dann in ferner Zukunft angepasste Wildbestände im Land haben sollten wir unbedingt über eine Verkürzung der Jagdzeiten nachdenken. Aber das ist Zukunftsmusik und mit unserem Jagdsystem wo jeder sein eigenes Süppchen kocht wohl eher unrealistisch. Und wer verhindert wohl mit allen Kräften einen erhöhten Abschuss? Hegegemeinschaften, LJV und auch Förster die sich der traditionellen Jagd mehr verpflichtet fühlen als der Entstehung eines stabilen Mischwaldes. Unter anderen Voraussetzungen würde ich ihre Forderungen teilweise unterschreiben aber der Ernst der Lage ist erdrückend wenn wir nicht endlich reagieren und die Bestände schnell reduzieren. Weidmannsheil

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  6. volker

    Die Verordnungen geben Jägern Möglichkeiten, einen Rahmen in dem man sich bewegen kann, aber nicht muss.

    Wer Böcke bei der Drückjagd schonen will, der kann das auch weiterhin tun. Gleiches gilt für Böcke im Bast Mitte April und andere Auswirkungen.

    Leider scheint es immer noch Jäger zu geben, die verbinden mit der Möglichkeit eine Pflicht und jagen fröhlich drauf los, weil man es jetzt ja darf. Da gilt es nicht die Verordnung zu kritisieren, sondern den Einzelnen , der sie nicht mit Vernunft der Gegebenheit angepasst nutzt.

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  7. Dr. Wolfgang Lipps

    Schöne Diskussion – aber in ausgetretenen Pfaden. Prof . Pfannenstiel hat Recht und kann sich auf seine – und unsere – reiche Erfahrung gerade in Brandenburg stützen. Das Totschlagargument gegen ihn, und für rechtswidrige Mindestabschüsse und bedenkliche Schonzeitmanipulationen, ist immer wieder der “überhöhte Wildbestand”. Wo es den tatsächlich, meist territorial ziemlich begrenzt, gibt, kann man ihn, wenn man denn will, sehr gut mit den Mitteln der neuerdings gern verunglimpften “traditionellen Jagd”, d. h. mit vernünftigen Abschussplänen und vernünftigen Jagdarten (z. B. guter Intervalljagd) regulieren. Man muss es nur machen! Klar, der weidgerechte Jäger braucht vielleicht überhaupt keine “Verbote mit Erlaubnisvorbehalt”, nämlich behördlich genehmigte Abschusspläne! Aber der Prozentsatz der weidgerechten Jäger an der Jägerschaft insgesamt ist halt zum einen nicht messbar und zum anderen, fürchte ich aus über 4jähriger Jagderfahrung, erheblich geringer als man so denkt oder gar hofft! Und “Wald vor Wild” oder vielmehr “Wald ohne Wild” kann man natürlich besser durchsetzen, wenn man die Weidgerechtigkeit mal nicht so ernst nimmt. So spekuliert die Forstpartie. Weidmannsheil.

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  8. Wildheger

    Endlich können Fehlabschüsse in eine gewisse Legalität gesprochen werden!
    Endlich haben wir ein Zielalter für unser Rehwild von maximal 12 Monaten in vielen Waldrevieren inderekt festgelegt!
    Feuer frei und Waidmannsheil allen zahlenden Gästen kann man da nur sagen!
    Denn : Es ist des Jägers Ehrenschild , dass er beschützt und hegt sein Wild, waidmännisch jagt wie sich’s gehört, dem Schöpfer im Geschöpfe ehrt.
    Sehr interssant wird sein, mit welcher Stärke die Jagdverbände gegen diesen biologischen Unsinn gegensteuern werden?!!!

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