Mecklenburg-Vorpommern: Sechs Rehe beschäftigen zwei Ministerien

In Mecklenburg-Vorpommern halten sechs Rehe zwei Ministerien auf Trab: Eigentlich sollte am kommendem Samstag die A20 zwischen Dummerstorf und Sanitz (Landkreis Rostock) für etwa drei Stunden voll gesperrt werden, um die Tiere abzuschießen. Seit Anfang 2015 wurde im Verkehrsfunk mehrfach vor Tieren auf der Fahrbahn gewarnt. Die Rehe hatten immer wieder den Wildschutzzaun an einer Anschlussstelle umgangen, direkt am Fahrbahnrand geäst und auch die Autobahn überquert. Auf der wenig befahrenen A20 kam es bislang noch zu keinem Unfall. Doch sicherheitshalber war geplant, die Tiere am Samstag zwischen 11 und 14 Uhr von einem auf einem Räumfahrzeug des Winterdienstes montierten Hochsitz zu erlegen. Nicht nur wegen der Erlegung von einem Kraftfahrzeug aus hätte der Einsatz hätte eine Sondergenehmigung erfordert: Ab 1. Mai hat nur der Rehbock Jagdzeit, die zu diesem Zeitpunkt hochbeschlagenen (Jägersprache für trächtig) Ricken nicht. Doch es regte sich Protest gegen das Vorhaben, auch die Oberste Jagdbehörde erhob Einspruch.

Diverse Versuche, die territorialen, also standorttreuen Rehe zu vertreiben, waren im Vorfeld bereits gescheitert. Nun haben sich “Verkehrs- und Umweltministerium am Rande des Kabinetts darauf verständigt, gemeinsam schnell eine Maßnahme zu erarbeiten, mit der die Rehe effektiv aus dem Gefahrenbereich vertrieben werden können”, heißt es in einer Pressemitteilung des Umweltministeriums in Schwerin:

“Umweltminister Dr. Till Backhaus stellt dazu fest: „Der geplante Abschuss der Tiere wurde von meinem Ressort nicht unterstützt, da grundlegende Fragen, die den schnellen Tod der Tiere rechtfertigen, zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend geklärt waren. Natürlich steht auch für mich die Sicherung von Menschenleben an erster Stelle. Um Gefahren für den Verkehr langfristig ausschließen zu können, muss jedoch auch sichergestellt werden, dass sich keine neuen Tiere an der gleichen Stelle wieder einfinden. Es geht also nicht nur um die Frage, wie die aktuellen Rehe vertrieben werden können, sondern auch darum, wie die Tiere langfristig ferngehalten werden können. Eine wichtige Frage, die sich in diesem Zusammenhang auch stellt ist, warum der Abschnitt an der A20 so anziehend für die Tiere ist. Ist es die Nahrung? Sind es die Einstandsmöglichkeiten aus Sträuchern und Hecken? Hier müssen wir schnell zu fundierten Ergebnissen kommen.“

Auch das Verkehrsministerium sieht raschen Handlungsbedarf: „Die Gruppe von Rehen, die sich an der Bundesautobahn A20 unmittelbar neben der Fahrbahn angesiedelt hat, stellt eine erhöhte Verkehrsgefahr dar. Die Tiere müssen daher den Bereich verlassen. Das bleibt das primäre Ziel beider Ressorts. Die Experten des Umweltministeriums werden in den nächsten Tagen Vorschläge unterbreiten, wie die Rehe nicht nur vertrieben, sondern dauerhaft vergrämt werden können. Die Fachleute der Straßenbauverwaltung werden die Machbarkeit der möglichen Maßnahmen prüfen und zügig die Umsetzung in die Wege leiten. Die Fragen der Verkehrssicherheit müssen bei der weiteren Planung dringend berücksichtigt werden“, sagte Verkehrsminister Christian Pegel.

Das Abschätzen von möglichen Folgen einzelner Maßnahmen im Detail wird in den kommenden Tagen also die Mitarbeiter der Umwelt- und Straßenbaubehörden beschäftigen. Die Gefahrenlage durch die unmittelbare Nähe zur Autobahn erfordert eine gründliche Planung der Maßnahmen. Daher betonen die beiden zuständigen Minister einhellig, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe, und dass die Fachleute beider Ressorts dementsprechend ihr Knowhow bündeln. Die Verkehrsteilnehmer sind nach wie vor aufgerufen, in diesem Abschnitt der A20 besonders aufmerksam zu sein und ihre Geschwindigkeit an die Gefahrenlage anzupassen.” SE/PM

Beitragsbild: Diese Rehe stellen keine Gefahr mehr für den Straßenverkehr dar. Foto: SE

2 Gedanken zu „Mecklenburg-Vorpommern: Sechs Rehe beschäftigen zwei Ministerien

  1. Anko

    Wenn es nicht so ernst wäre könnte man meinen, die Herren Minister haben Humor. Sollte man nicht besser noch das Justizministerium involvieren? Das wäre das Sahenhäubchen! Immerhin geht es um mögliche Amtshaftungsansprüche, falls sich die Posse noch länger hinzieht und hierdurch Autofahrer zu Schaden kommen.

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  2. Gerhard Depka von Prondzinski

    Ich freue mich, dass dieser Schildbürgerstreich noch rechtzeitig beendet wurde und die Vernunft gesiegt hat. Respekt vor der Meinung von Till Backhaus. Für (fast) alles gibt es eine Lösung aber müssen dafür Minister bemüht werden!? Alles lacht über “Meck-Pomm”!

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