Mecklenburg-Vorpommern: Ministerieller Maulkorb-Erlass für Landesförster zum Thema Wolf

Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern (LU) hat den Bediensteten im Landesforst ein Redeverbot zum Thema Wolf erteilt. Das berichtet der Nordkurier. Das LU verwahrte sich gegenüber der Zeitung zwar gegen die Bezeichnung Maulkorb-Erlass, bestätigte jedoch, dass Mitarbeiter des Landesforsts “Vertreter einer Landesbehörde seien und in dieser Funktion auch nur berechtigt sind, „sich zu den Dingen zu äußern, die in ihrer Zuständigkeit liegen“. Beim Thema Wolf sei die fachliche Zuständsigkeit der Landesforstanstalt aber nicht gegeben: “Es handele sich ausschließlich um artenschutzrechtliche Fragen und artenschutzrechtliche Folgemaßnahmen”, erklärte ein Ministeriumssprecher gegenüber dem Nordkurier: “Bei Anfragen von Bürgern würde demnach ein zuständiger Ansprechpartner vermittelt werden, beim Thema Wolf aus dem Bereich der Naturschutzbehörden.” Damit dürfte die ideologische korrekte Auskunfterteilung gewährleistet sein.

Ein Mitarbeiter der Landesforst bestätigte laut Nordkurier zwar, dass Beamten dienstrechtlich keine von der Auffassung des Dienstherrn abweichende öffentliche Meinungsäußerung zustehe. Trotzdem werde das Redeverbot im Kollegenkreis als Unverschämtheit und “nicht hinnehmbare Missachtung ihrer Arbeit” gesehen. Zugleich lieferte der Förster eine einleuchtende Erklärung für das Redeverbot: Viele Forstleute seien Jäger, die “sich mit den ausgewogenen Positionen des Landesjagdverbandes identifizieren und einen angepassten Wolfsbestand befürworten.” Das geht natürlich nicht…

Gleichwohl passt der Maulkorb-Erlass ins Bild, denn dem Forstmann zufolge sei festzustellen, dass Informationen zum Wolf “zurückgehalten oder nur tröpfchenweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden”. Selbst Ergebnisse von DNA-Untersuchungen würden “nach seinen Erfahrungen sehr spät oder erst nach mehrmaliger Nachfrage zu den Geschädigten gelangen.” Dies veranschauliche das “Scheitern des bisherigen Wolfsmanagements der Landesregierung”, bei dem “immer mehr Personal, immer höhere Zäune […], immer mehr Entschädigungszahlungen aus Steuermitteln” aufgewendet würde.

“Informationsverbote für Landesbedienstete” erscheinen da geradezu folgerichtig. SE

Beitragsbild: Vorbildliche Staatsbürger – vier weise Affen. Autor: Bildforyou7, Quelle: Wikipedia. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz.

Die Red. dankt JAWINA-Leser HW für den Hinweis!

2 Gedanken zu „Mecklenburg-Vorpommern: Ministerieller Maulkorb-Erlass für Landesförster zum Thema Wolf

  1. Ronbi

    Na, das ist doch mal was. Selbst wenn Beamten keine Meinung zustehen sollte, sind es immer auch Privat Personen.
    Aber es passt zur deutschen Mentalität, oder?

    Antworten
  2. Coni

    Endlich öffentlich!
    Es wurde auch Zeit, dass die deutsche Öffentlichkeit von den hochherrschaftlichen Allüren der Führungskräfte (wobei Kräfte hier eher mit dem Inhalt Schwächen ersetzt werden müsste, aber Duden hat es noch nicht erfunden) deutscher Verwaltungen erfährt. Die hoch dotierten, und immer höher, bis ins Unermässliche, sich selbst dotierenden, leitenden Angestellten/Beamten (intern eben sehr gern sich selbst “Führungskräfte” nennenden) behandeln ihre Unterstellten…oder doch passender: Untergebebenen, wie Leibeigenen! Wasalen sind es inzwischen, die Schaffenden! Ebenen übergreifend! Das hochqualifizierte FachPERSONAL (!!!) mit Fachhochschul-, Bachelor-, Fachschul-, Fachabitur- etc. -abschluß ist zum Befehlsempfänger abqualifiziert worden! Und wer es dennoch waagt mit irgendeiner Idee um die Ecke zu kommen und womöglich diese auch noch zu kommunizieren… Redeverbot!
    Was für menschliche Abgründe, fachliche Inkompetenz und soziale und volkswirtschaftliche Verantwortungslosigkeit! All das “regiert”, in vielerlei Hinsicht und auf diversen Ebenen, unser Land!
    Nun also auch offiziell das Verbot der freien Meinungsäusserung, also eines der Grundrechte in diesem Land werden wir, faktisch wir alle, beraubt!
    Na dann, der Wolf wird es schon richten. Warum nicht er an Stelle der Untergebenen? Dem muss man gar nicht so eine peinliche Weisung erteilen. Der kann eh nicht (wider)reden. Klappe hält er also eh, abbeißen kann er auch, wen auch immer, umd kosten tut er noch weniger, bis gar nichts.
    Armes !

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.