Mecklenburg-Vorpommern: Berufsjäger kritisieren Backhaus’ Öko-Jagdgesetz

Der Landesverband der Berufsjäger in Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat eine Stellungnahme  zum Positionspapier „Wald und Wild“ (JAWINA berichtete) veröffentlicht. Die Abschussvorgaben in dem Positionspapier halten die Berufsjäger für “einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und gegen das Jagdgesetz sowie gegen unsere Verantwortung zum Erhalt der Wildtiere als Mitgeschöpfe in unserer Kulturlandschaft.”

In der Stellungnahme der Berufsjäger heißt es: “Der Landesverband der Berufsjäger e. V. ist der einzige jagdliche Berufsverband in Mecklenburg-Vorpommern. Als solcher lehnen wir die Forderungen des Positionspapieres „Wald und Wild“ und auch die ausnahmslose Reduzierung der Schalenwildbestände ab.
Die Vitalität unseres Waldes definiert sich nicht aus der Quantität vorhandener
Schalenwildbestände. Sie ist vielmehr abhängig von klimatischen Bedingungen, einer
standortangepassten Baumartenwahl und einer fachgerechten Umsetzung naturgemäßer
Forstwirtschaft.

Wir halten die Erweiterung der Abschussvorgaben gemäß des Positionspapiers „Wald und Wild“ für einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und gegen das Jagdgesetz sowie gegen unsere Verantwortung zum Erhalt der Wildtiere als Mitgeschöpfe in unserer Kulturlandschaft.
Die Position des Landesjagdverbandes MV vom 29.11.2019 unterstützen wir in vollem Umfange.
Darüber hinaus vertreten wir als Landesverband der Berufsjäger in MV folgende
Standpunkte zum Positionspapier „Wald und Wild“ vom 22.11.2019:

Die notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz dürfen nicht auf dem Rücken des
Schalenwildes ausgetragen werden.

Auch das Schalenwild ist ein Kulturgut und muss für die nachfolgenden Generationen
erhalten werden und erlebbar bleiben!

Wir fordern: „WALD MIT WILD“!

Der Tierschutz, insbesondere der Muttertierschutz muss immer an erster Stelle stehen!
Wir fordern daher den uneingeschränkten Muttertierschutz durch Beibehaltung der
derzeitigen gesetzlichen Jagd- und Schonzeiten sowie ein Festhalten am Drückjagdverbot
ab dem 10. Januar.

 Längere Jagdzeiten bedeuten zusätzlichen Jagddruck auf die Schalenwildbestände.
Daraus resultieren Wildkonzentrationen und örtlich überhöhte Wildschäden im Wald.
Die Art und Weise der Bejagung beeinflussen die Wildschäden ungleich stärker als die
tatsächliche Wilddichte!
Wir fordern fachliche Entscheidungen vor Ideologie!

 Eine Aufhebung der Sperrwirkung der Schalenwildabschusspläne untergräbt die
Kompetenzen der bestehenden Hegegemeinschaften und macht diese wirkungslos!
Ein starker Eingriff (Reduktionsabschuss) sollte immer nur örtlich und zeitlich beschränkt
genehmigt werden!
Ein erhöhter Eingriff in die männliche Schalenwildpopulation ist dabei nicht zielführend.
Wir fordern für unser heimisches Schalenwild weiterhin Abschusspläne durch die
Hegegemeinschaften in Absprache mit den Landeigentümern und Landnutzern,
basierend auf örtlichen Daten bezüglich der Bestandshöhe und der Wildschadensituation.

 Ein Wildwirkungsmonitoring in der Zuständigkeit der unteren Forstbehörden halten wir für
nicht zielführend. Wir vermissen hier zuweilen die nötige Objektivität in der Beurteilung der
Wald und Wild – Situation.
Die Hegegemeinschaften sind die fachlichen Institutionen, die in Mecklenburg- Vorpommern
flächendeckend die Schalenwildbestände in ihrer Höhe und Zusammensetzung steuern
können. Sie setzen sich aus den verschiedensten Interessensgruppen zusammen und sind
daher in ihren Aufgaben zu unterstützen.
Wir fordern die Stärkung der Hegegemeinschaften und der unteren Jagdbehörden.
Die Hegegemeinschaften, die Jagdbehörden und die Jagdbeiräte der Landkreise müssen
unabhängig bleiben! Den Forstbehörden steht nicht die alleinige Deutungshoheit
über Wald und Wild zu!

 Zusätzliche Gesetze und Verordnungen im Jagdrecht oder auch längere Jagdzeiten
vermindern keine örtlich überhöhten Schalenwildbestände.
Wir fordern die Beibehaltung der derzeit gegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Der Landesverband der Berufsjäger e. V. ist jederzeit bereit, sich zum Wohle von Wald und Wild
fachlich einzubringen.” PM

Beitragsbild: Stellungnahme der Berufsjäger zum Positionspapier “Wald und Wild”. (Screenshot, Ausschnitt)

2 Gedanken zu „Mecklenburg-Vorpommern: Berufsjäger kritisieren Backhaus’ Öko-Jagdgesetz

  1. Jörg Vieregge

    Guten Abend,
    Es ist aus meiner Sicht richtig das Schalenwild verstärkt zu bejagen, wobei die Jagdzeiten vollkommen ausreichend sind.
    Die oft geforderten deutlich höheren Abschüsse sind fast mit einer Ausrottung zu vergleichen.
    Dazu könnte man ja auch noch einen anderen Gedanken in den Raum werfen.
    Wir schiessen dem Wolf die Beute weg , was reisst er dann ???
    Ich denke das sollte auch im Auge des Betrachters liegen .
    Keine Rehe ,keine Beute !
    Dann müssen normalerweise auch die Wölfe kurz gehalten werden um keine extreme Steigerung an rissen der Weidetiere zu erhalten .

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    1. Waldläufer

      Ich bin beruflich fast jeden Tag in MV’s Wäldern unterwegs. Ohne zu übertreiben kenne ich nur 3 Regionen in denen der Wald sich natürlich entwickeln kann und auch dort lebt Schalenwild. Ich stimme dem LJV und auch den Berufsjägern zu das wir keine längeren Jagdzeiten brauchen. Darum geht’s ja auch gar nicht. Sondern das wir nach wissenschaftlich fundierten Wissen jagen. Das heißt Rehwild und einjähriges Rot -und Damwild ab 15. April weil man dann noch was sieht im Wald und die Trophäe keine Rolle spielt. Weiterhin den Bock bis Ende Januar weil Trophäe irrelevant..man könnte dann sogar im Juni und Juli komplett auf die Jagd verzichten was der ljv aber sicher nicht mitmachen würde weil die Jäger ja schließlich am Jagen interessiert sind. Und das ist der Knackpunkt warum seit Jahrzehnten alles schief läuft! Jagdinteressierte entscheiden seit Ewigkeiten in den Hegegemeinschaften und in ihren Revieren über die Höhe der Wildbestände. Das die Naturverjüngung fast überall im Land aufgefressen wird interessiert sie einen feuchten D… Sicher hat die Forstverwaltung in der Vergangenheit auch Fehler gemacht und wer weiß schon genau wie es weitergeht mit dem Wetter.? Aber Fakt ist, senken wir nicht endlich die überhöhten Wildbestände (bewiesen) können wir einen robusten zukunftsfähigen Mischwald der auch finanzierbar sein muss, vergessen. Und wer jetzt an Zaunbau denkt und das Wild aussperren will , der hat überhaupt nichts verstanden. Ich hoffe unser Waldminister lässt sich nicht von den Jagdinteressen des LJV und der Berufsjäger einschüchtern. Es wird Zeit 1. Wild zu reduzieren 2. Wild mehr Ruhe zu geben. Beides durch professionell organisierte Gemeinschaftsjagden und durch Abschaffung unnötiger Bürokratie bei der Festlegung der Abschusszahlen. Die Jägerschaft hat bewiesen das sie nicht in der Lage ist die Kontrolle zu behalten. Jetzt sollen sie wenigstens die Forstleute das richtige tun lassen. Weidmannsheil.

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