Mecklenburg-Vorpommern: Backhaus macht Grenzen dicht für Jäger

LJV und DJV stellen klar: Jagd ist kein Tourismus. Jäger sollten trotz Corona-Krise von Beschränkungen ausgenommen werden. Sie verhindern Wildschäden auf Feldern. Verstärkte Wildschweinjagd ist notwendig wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest.

Mecklenburg-Vorpommern plant ein komplettes Einreiseverbot für Jäger, die ihren ersten Wohnsitz nicht in Mecklenburg-Vorpommern haben. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat bereits entsprechend gehandelt: Jagdreisen seien unzulässig. Der Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern und der Deutsche Jagdverband protestieren gegen dieses Vorhaben. In einem Brief an Landwirtschaftsminister Till Backhaus stellte DJV-Präsident Dr. Volker Böhning klar: Jagdpächter, bestätigte Jagdaufseher und Erlaubnisscheininhaber werden gerade im Frühjahr dringend gebraucht – auch wenn sie nicht dauerhaft in Mecklenburg-Vorpommern wohnen. Die intensive Jagd ist im Frühjahr notwendig, um Schäden durch Wildtiere auf Feldern und Wiesen zu verhindern. Zudem müssen Jäger verstärkt Wildschweine bejagen, da die Afrikanische Schweinepest nur noch wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist.

“Ein Jagdaufenthalt hat rein gar nichts mit Tourismus zu tun. Er ist ein triftiger Grund, schließlich unterstützen wir Jäger die systemrelevante Daseinsvorsorge der Landwirtschaft”, sagte Dr. Böhning. Über den Jagdschein, ein amtliches Dokument, könne sich jeder Jäger ausweisen. Pachtvertrag und Begehungsschein dokumentieren genau, wo gejagt werde. Auch das Urlaubsland Schleswig-Holstein hat zwischenzeitlich klargestellt, dass Jagd eine notwendige Tätigkeit ist und die Anreise ins Revier zulässig.

Auch in Zeiten der Corona-Krise ist die Einzeljagd problemlos durchzuführen, die behördlichen Kontaktbeschränkungen werden eingehalten. Bereits Mitte März hat DJV-Präsident Dr. Böhning gegenüber Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner deutlich gemacht, dass Jäger wegen ihrer gesellschaftlich relevanten Aufgaben generell von weitergehenden Beschränkungen ausgenommen werden müssen. Entsprechende Hinweise gingen anschließend aus dem Ministerium an alle Bundesländer. Ein Alleingang von Mecklenburg-Vorpommern wäre ausgesprochen kontraproduktiv. PM

Beitragsbild: Auch in Zeiten der Corona-Krise ist die Einzeljagd problemlos durchzuführen, die behördlichen Kontaktbeschränkungen werden eingehalten. Quelle: Kauer/DJV

3 Gedanken zu „Mecklenburg-Vorpommern: Backhaus macht Grenzen dicht für Jäger

  1. Dr. Wolfgang Lipps

    So dumm, wie manche Verwaltungen oder Politiker denken, kann der einfache Jäger das erkennbar nicht. Der brandenburgische Minister für Landwirtschaft und Forst hält die Jäger für zu blöd, die Corona-Krise erfasst zu haben. Herr Backhaus verlängert im Alleingang gegen alle berechtigten Bedenken die Jagdzeiten in MV, weil angeblich zu viel Schalenwild vorhanden sei, und schließt gleichzeitig viele von denen, die dieses Schalenwild bejagen (können und sogar müssen) grundrechtswidrig (unverhältnismäßige Einschränkung der Freizügigkeit) von der Jagd aus. Haben die alle eigentlich niemanden, den sie mal um fundierten Rechtsrat bitten könnten?

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    1. Waldjäger

      Grundrechtswidrig? 😀 manche haben auch eine echt ausgefallene (egoistische) Auffassung von Recht..Eigentum verpflichtet dafür Sorge zu tragen, dass die Wildbestände an den Naturhaushalt angepasst sind. Das sämtliche dem Allgemeinwohl dienende Funktionen des jeweiligen Eigentum erhalten bleiben. Geregelt in komplexen Gesetzen. Setzt der Eigentümer einen Pächter ein der von sonst wo kommt, muss er damit rechnen, dass dieser seinen Pflichten nicht optimal nachkommen kann.

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      1. Dr. Wolfgang Lipps

        Hallo Waldjäger,
        die Sozialfunktion des Eigentums geht nicht soweit, wie Sie das sehen. Aber das kann man diskutieren. Grundgesetzwidrig ist m. E. in der MV-Regelung Folgendes: der gesetzliche Infektionsschutz kann und darf sogar Grundrechte einschränken, damit also auch die im Freiheitspostulat der Verfassung liegende Freizügigkeit, mit der sich jeder Staatsbürger jedenfalls auf seinem Staatsgebiet jederzeit frei, auch über Bundesländergrenzen hinweg, bewegen kann (was übrigens auch für die gesamte EU gilt!). Aber: das muss notwendig, zumutbar und vor allem verhältnismäßig sein. Die MV-Regelung erfüllt keine dieser drei Voraussetzungen.
        Weidmannsheil
        Wolgang Lipps

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