Luxemburg: Petition fordert Verbot von Bewegungsjagden

Innerhalb von nur zwei Tagen hat eine Petition, die ein Verbot von Bewegungsjagden in Luxemburg fordert, das erforderliche Quorum von 4500 Unterschriften nicht nur erreicht, sondern übertroffen: 5700 Petenten haben unterschrieben. Jetzt ist das Parlament verpflichtet, sich mit dem Verbot von Treib- oder Drückjagden auseinander zu setzen. Die Petition ist einem Bericht des Tageblatts zufolge von dem Luxemburger Mike Clemens gestartet worden, der Treibjagden für eine “antiquiierte” und “nicht mit dem Tierschutzgesetz in Einklang zu bringende” Jagdmethode hält. Tiere für die Bejagung durch Wälder zu treiben setze diese besonderem Stress aus und führe zu unnötigem Leid. Tiere seien keine Objekte, sondern sollten mit Respekt behandelt werden, so Bürger Mike Clemens.

Dem ist entgegen zu halten, dass eine Bejagung mit einigen wenigen Bewegungsjagden pro Jahr weitaus weniger Jagddruck erzeugt und somit schonender ist, als den erforderlichen Abschuss ausschließlich durch Pirsch und Ansitz zu erfüllen. Außerdem ist die Verfolgung durch Beutegreifer für die in Wald und Feld lebenden Pflanzenfresser ein natürliches Phänomen, auf das die Tiere instinktiv reagieren. Die auf Bewegungsjagden eingesetzten Stöberhunden jagen überdies laut und langsam, wodurch die Beunruhigung des Wildes vergleichsweise gering gehalten wird.

Erfahrene Jäger haben schon oft beobachten können, wie zum Beispiel ein von einem Dackel oder einer Bracke verfolgtes Reh ziemlich gemächlich abspringt, dabei immer wieder verhofft (stehen bleibt), um zu lauschen, in welche Entfernung und Richtung sich der Verfolger bewegt. Genau darin liegt der Sinn von Drückjagden: Die Tiere werden in Bewegung gebracht, aber so schonend, dass ein gezielter, sicherer, schnell und tierschutzgerecht tötender Schuss angebracht werden kann.

Vergleicht man den durch die beschriebene Vorgehensweise bei Drückjagden verursachten Jagddruck und Stress, der auch nur lediglich eine temporäre Störung darstellt, mit den durch die Rückkehr des Wolfs verursachten Verhaltensanpassungen des Wildes – Zusammenschluss zu Großrudeln, vermehrter Aufenthalt in Nähe von Siedlungen und Straßen usw. – so ist zu folgern, dass die natürliche Anwesenheit von Großprädatoren weitaus stressiger für die Wildtiere ist, als gelegentliche Drückjagden. Dennoch ist bislang noch niemand auf die Idee gekommen, Wölfen mangelnden Respekt für ihre Beutetiere vorzuwerfen. Die Jagdgegner fordern somit letztlich einen unnatürlichen Zustand: Freiland-Kuschelzoo statt Natur.

Die Gegenpetition der Jäger hat bisher jedoch nur 250 Unterzeichner gefunden. red.

Beitragsbild: Headline des verlinkten Beitrags im Luxemburger Tageblatt. (Screenshot)

3 Gedanken zu „Luxemburg: Petition fordert Verbot von Bewegungsjagden

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wenn das mit dem Jagddruck und den Bewegungsjagden nur so einfach wäre, wie es von manchen “Vordenkern” gemacht wird. Weder eine ordnungsgemäß durchgeführte Bewegungsjagd, noch die vernünftig organisierte Einzeljagd, müssen zwangsläufig den Jagddruck erhöhen. Ausnahmen sind Bewegungsjagden nach der Wintersonnenwende, die wegen der Stoffwechselumstellungen der Wildwiederkäuer grundsätzlich tabu sein sollten. Denkt man allerdings an das, was heute bei der Jagd mit steigender Tendenz zu beobachten ist, dann kann man für die Argumente der Pro-Petenten in Luxemburg schon ein gewisses Verständnis aufbringen. Entkräften lässt sich das nur dadurch, dass wir Jäger unser Handwerk ehrlicher, ernsthafter und mit mehr Kompetenz und wildbiologischem Rüstzeug ausüben.

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  2. Christine Miller

    Ich kann Prof. Pfannenstiel nur beipflichten. Bei Bewegungsjagden kommt es auf das Wie und auf das Warum an. Das was heute leider bei der Mehrzahl der Bewegungsjagden praktiziert wird, vom Hundeeinsatz, Freigaben, z.B. einzeln anwechselnde Alttiere etc., ist ein Sargnagel für die Jagd. Wenn man es nicht schafft, tierschutzkonforme Bewegungsjagden zu organisieren, wenn man nicht ausreichende Ruhezeiten einhält und wenn Bewegungsjagden nur im Dienst unbiologischer und überzogener Abschusszahlen stehen – dann kann ich nur sagen: Weg damit und keine Träne nachgeweint.

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