LJVB: Wolf sorgt für steigende Wildschäden

Die Züllsdorfer Jäger (Landkreis Elbe-Elster) sind besorgt über die Zunahme von Wildschäden vor dem Hintergrund einer wachsenden Wolfspopulation. Jagdvorsteher Dorsten Höhne schrieb daraufhin einen Brief an Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger. Die Antwort von Andreas Piela, Leiter des Referats für Arten- und Biotopschutz, hilft nicht weiter, klagt der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) in einer Pressemitteilung: Ausgangspunkt der Besorgnis war die Höhe der Wildschäden in der Züllsdorfer Feldflur. „Trotz erhöhter Aktivität schaffen es unsere Jäger kaum noch, die Schäden in erträglicher Höhe zu halten.“, schrieb Jagdvorsteher Höhne dem Minister. Zur Erklärung fügte er hinzu, dass sich mit der Etablierung eines Wolfsrudels in der Annaburger Heide insbesondere das Rotwild anders verhält. Die weiblichen Tiere – Kahlwild genannt – bilden Großrudel von 70 bis 120 Stück und sind bereits tagsüber auf den Feldern aktiv. Außerdem wechselt das Wild die aufgesuchten Flächen ständig und unvorhersehbar. Sobald die Jäger feststellen, dass das Großrudel da war, sei es in den meisten Fällen schon zu spät. Und niemand könne erwarten, dass die Jäger täglich rund um die Uhr an allen gefährdeten Flächen anwesend sind.

Ein solches Rudel richtet in nur zwei Stunden einen riesigen Schaden an. Die Jäger haben sich in ihren Jagdpachtverträgen verpflichtet, für Wildschäden aufzukommen. Damals war die Rückkehr der Wölfe aber noch nicht vorherzusehen, die Bedingungen haben sich inzwischen grundlegend geändert. Die laut Gesetz langfristig abzuschließenden Verträge gelten aber weiter, und so kommt es für die Jäger zu starken finanziellen Belastungen. Das Landwirtschaftsministerium wurde um brauchbare Antworten gebeten. Jagdvorsteher Höhne stellte klar, dass die Züllsdorfer mehr erwarten, als die von Euphorie geprägte Wolfskampagne der Vergangenheit. Diese Hoffnung wurde enttäuscht. In seiner Antwort äußerte das Landwirtschaftsministerium zwar symbolisch Verständnis für die Sorgen der Betroffenen vor Ort, darüber hinaus ist dem Schreiben jedoch nichts zu entnehmen, was auch nur im Ansatz problemlösend wirken könnte. Konkret heißt es im Antwortschreiben: „[…] zeigen die Erfahrungen, dass es in den Wolfsgebieten für die Jäger schwieriger werden kann, Beute zu machen. Insoweit erscheint es sinnvoll und zweckmäßig, wenn sich die Jäger mit ihrem Jagdregime auf die Anwesenheit der Wölfe einstellen.“ Mit so einem Hinweis ist den Jägern kein bisschen geholfen. „Dieser Umstand zeigt eindrucksvoll, dass hier einmal mehr Politik gegen die betroffenen Bewohner im ländlichen Raum gemacht wird. Die Leute, die täglich mit dem Wolf umgehen müssen, werden im Regen stehen gelassen.“, so Udo Appenzeller, Präsidiumsmitglied des Landesjagdverbandes Brandenburg e.V. (LJVB).

Piela verweist in seinem Schreiben auf den Wolfsmanagementplan sowie die Sitzungen der AG „Wolf und Wild“ sowie „Herdenschutz“. Plenums „[…] Die Arbeitsergebnisse vorgenannter Gremien werden auch einfließen in eine für 2017 vorgesehene Evaluierung des Wolfsmanagementplans“, so Piela. In diese Evaluierung wird sich auch der Jagdverband aktiv einbringen. „Wir werden uns aber nicht mit Versprechungen abspeisen lassen“, sagt Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des LJVB. „Angesichts der rasant steigenden Wolfspopulation und der wachsenden Probleme muss endlich festgelegt werden, wie viele Wölfe Brandenburg ertragen kann und will. Eine unbegrenzte Ausbreitung ist realitätsfern und sorgt im ländlichen Raum für rapide sinkende Toleranz gegenüber dem Großraubtier.“ PM LJVB

Beitragsbild: Schälschäden. Foto: SE

21 Gedanken zu „LJVB: Wolf sorgt für steigende Wildschäden

  1. Katja Ley

    so so. Ich erkenne hier Jägerlatein!
    Hierzu ein kleiner Ausschnitt aus dem Stern Nr. 32 Zitat Peter Wohlleben: Der deutsche Umgang mit der Jagd wird im Ausland gern als „German Problem“bezeichnet: Mit 50 bis 100 großen Säugetieren pro Quadratkilometer Wald haben wir Deutschen eine der höchsten Wilddichten der Welt kultiviert. Natürlicherweise wären es nur schätzungsweise ein bis zwei Tiere pro Quadratkilometer. Es herrscht Enge! Das kommt natürlich nicht von ungefähr.
    Das Wild wird intensiv hochgefüttert. Der Ökologische Jagdverband hat veröffentlicht, dass heutzutage zum Beispiel für ein Kilogramm Wildschweinfleisch zwölf Kilo Körnermais verfüttert werden – das ist dreimal so viel wie in der Massentierhaltung. Und für Hirsche wird liebevoll Getreide auf Waldlichtungen eingesät. Um ihren teuer herangehegten Bestand haben die Jäger dann natürlich auch Angst. Zitat Ende.
    Jedes Jahr werden ca. 1 Millionen Rehwild und min. eine halbe Million Füchse erschossen. Bei Wildschweinen kommt man gar nicht hinterher. Oft wird dies durch Jagddruck, falschen Abschuss (Leitbache) und vor allem durch mästen hervorgerufen. Es gibt hierzu Berichte von Wildbiologen, die besagen “Jagd reguliert nicht”.
    Der Wolf könnte ja ein wenig helfen, aber da kommt dann der Beuteneid zum Vorschein. Es ist auf allen Seiten zu erkennen.
    Liebe Jäger. Veräppeln könnt ihr nicht auf ewig. Lasst es gut sein. Es wird langsam lächerlich.

    Antworten
  2. Joachim

    @Katja Ley
    Leider ein wenig fundierter Kommentar, der überwiegend auf “habe ich irgendwo aufgeschnappt” und Halbwissen basiert. Die tatsächlichen Zusammenhänge und Interessenkonflikte bleiben völlig außen vor. Es gibt keine Wildnis bei uns, auch wenn das gerne behauptet oder geträumt wird. Jeder Quadratzentimeter ist vom Menschen geformte Kulturlandschaft.
    In den Revieren hier werden jährlich bis zu 100 Sauen erlegt. Bei ca. 40 kg je Sau würde das bedeuten, dass der Jäger jedes Jahr 48 Tonnen Mais im Wald verteilt…
    Ich denke alleine daran sollten Sie erkennen können, dass nicht alles stimmt, nur weil Sie es irgendwo gelesen haben.

    Antworten
    1. AH

      Die leider überall grassierende Dummheit (Ahnungslosigkeit) in den schulischen Grundfächern (MA+Bio) gepaart mit einer frühpupertierenden Arroganz wird heute flankiert (ersetzt) durch Themen wie Gendermainstream, Sozial Media Inhalte etc.
      Dies wird auch das “Fachmagazin” der Stern mit seinen Beiträgen incl. journalistischer Recherche beim Experten Wohlleben nicht gerade rücken.;-)

      Und das der ÖJV für 1 Kilo Wildfleisch = 12 Kilo Futter in den Wald schleppen muss liegt auf der Hand bzw. lässt sich an deren Satzung (Zielsetzung Wald vor Wild) ableiten. Sind ja schliesslich alles keine Vegetarier/Veganer.

      Aber wir schaffen das !

      Antworten
  3. Martin

    Meine Meinung die Jäger in gesamt Deutschland sollten nach und nach begrenzt werden wenn sogar komplett weg, heisst das wenn, die Förster entscheiden wann und wo die verteilen die Aufgaben aber eigenständige Reviere sollten weg, Jäger haben kein Daseinsrecht sie sind keine Behörde oder haben sonst noch irgendein Recht hier in sowas einzumischen mehr als ein Eingetragener Verein sind sie nicht sowie sich Naturschützer zu nennen ist teilweise Affront, 99% der Jäger schießen auf bestellung, daher sollte man die Jägerschaft abschaffen und nur ausgewählte Leute haben die die Förster unterstützen wenn es gebraucht wird, die Jagd ist kein Sport, kein Naturschutz das was die Jäger machen ist nix weiter als Spaß an dem Töten der Tiere und natürlich mal gepflegt rumzuschießen !!!! Das ist meine Meinung alle anderen Kommentare sind mir gepflegt egal denn euch ist meine Meinung auch egal da sie ja Falsch ist daher legt ruhig los mit euren typischen BlaBla !!!!

    Antworten
  4. Frank Topp

    …aber mal ehrlich,… für Wildschäden werden wahlweise Mountainbiker, Jogger, Reiter o. Spaziergänger verantwortlich gemacht und jetzt die Wölfe. Hier eine interessengeleitete Fehlinterpretation zu vermuten ist naheliegend. Hohe Wilddichten sind der wahre Grund. Die sog. Angstrudel ein Mythos.

    Antworten
    1. Keule

      Angstrudel sind KEIN Mythos, die gibt es hier bei uns im Wolfsgebiet zu besichtigen. In dieser Hinsicht hat sich auch die Forstpartie geirrt, die sich über das Erscheinen des Wolfs ursprünglich gefreut hat.

      Antworten
  5. Nurith Frövel

    Das klingt ja eher danach, dass wir mehr, anstatt weniger Wölfe brauchen. Wird sich schon irgendwann einspielen. Im Yellowstone Nationalpark hat die Wiederansiedlung des Wolfes Flora und Fauna gut getan und sogar Flussläufe verändert. Überlasst das ganze mal ein wenig sich selbst. Nicht immer gleich alles abknallen wollen.N

    Antworten
  6. Stefan Hiller

    also ganz grundsätzlich ist die Wildschadensregulierung ein Thema welches sowieso neu geregelt werden muss, diese hat auch recht wenig mit dem Wolf zu tun.
    Nur wird hier einmal wieder versucht generelle Fehlentwicklungen auf die Anwesenheit des Wolfes zurückzuführen.
    Ja, es ist natürlich bequemer ohne den Wolf aber wer sich damit nicht arrangieren kann, der soll doch seinen Jagdschein wieder abgeben

    Antworten
  7. Joachim

    @Frank Topp
    Natürlich übertreibt in einer Diskussion jede der beteiligten Parteien ein wenig. Klappern gehört zum Handwerk. Aber das betrifft alle Seiten.

    Was meine Erfahrung mit der Jagd angeht, ist es so, dass Wild durchaus auf Jogger und Mountainbiker reagiert. Aber man muß differenzieren. Bleiben alle auf den Wegen, kommt das Wild damit klar. Die menschlichen Waldnutzer sind dann für das Wild berechenbar.
    Das ändert sich schlagartig, wenn der Mensch unberechenbar wird und überall auftaucht. Dann bleibt das Wild lange in den Einständen.

    Da unser Schalenwild überwiegend zu den Vegetariern gehört ist das ein Problem. Die Nahrung ist schwer verdaulich und bietet wenig Energie. Ergo muß ein Pflanzfresser alle 3 bis 4 Stunden fressen. Traut sich das Wild nicht raus, erledigt es das in den Einständen. Sprich es richtet Schäden an.

    Ein erwachsenes Stück Rotwild braucht 5 kg Grünäsung am Tag. Geh mal Blätter und Gras sammeln und schau Dir an, wie viel Du für 5 kg brauchst. Und nun stell Dir ein Rudel mit nur 10 Stück Rotwild vor. Die brauchen schon 50 kg am Tag, trauen sich aber nicht raus….

    Angstrudel gibt es im übrigen und sind eine völlig normale Abwehrstrategie gegen Raubtiere. Wenn das Raubtier 1 Stück braucht, dann bist Du tot, wenn Du alleine bist. Bist Du zu zehnt, hast Du schon eine 90%-ige Überlebenschance. Schau mal Filme über Afrika und wie sich da die Pflanzenfresser verhalten.

    Und was man als Nicht-Jäger auch berücksichtigen sollte, der Jäger muß die Wildschäden bezahlen. Ein Angstrudel Rotwild im Revier und Du kannst ein Gespräch mit dem freundlichen Kundenberater der Sparkasse führen…

    Antworten
  8. Joachim

    @Martin
    Du hast recht, auf dem Diskussionsniveau ist mir Deine Meinung vollkommen egal.

    @Nurith Frövel und Stefan Hiller

    Sehr schwieriges Thema. Ich denke es fehlt schon an den Grundlagen. Es wird immer vom Ergebnis her diskutiert. Also irgendjemand erlegt Tiere und irgendjemand anderes reget sich darüber auf.
    Die Frage aber ist doch, was haben wir als Menschen in Deutschland / Zentraleuropa über Jahrhunderte angerichtet (=Schaffung von Kulturlandschaft) und was wollen und vor allem können wir in Zukunft an Natur haben.
    Wir wollen jede Menge Lebensmittel produzieren, wir wollen Freizeitwerte haben, wir wollen Wildnis, wir wollen Arbeitsplätze für Millionen, wir wollen ein Haus im Grünen und “the City that never sleeps” usw. usw. Was davon ist überhaupt machbar und wie? Und sind wir bereit mit romantischem Träumen aufzuhören?

    Der Yellowstone NP ist nur bedingt ein gutes Beispiel. Erstens haben sich die Wölfe dort inzwischen zu einem Problem entwickelt (ich fahre regelmäßig dorthin und habe über die Jahre gesehen, wie sich der Park und das Wild durch die Wölfe verändern). Und der wichtigste unterschied, während unser Vorzeige Nationalpark nämlich der im Bayerischen Wald etwas über 200 km2 groß ist, kommt der Yellowstone auf knapp 9.000 km2. Das sind, was die Entwicklung von Tierpopulationen und deren Zusammenspiel angeht Welten.

    Antworten
  9. Frank Topp

    @Joachim, … welche Faktoren sind es, die das räumliche und soziale Verhalten von Rotwild und anderen sozial lebenden Pflanzenfressern bestimmen, und welche Rolle spielen dabei die Wölfe? Was ist durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt, was ist Stammtischgerede oder einfach nur nachgeplappert?

    Dieser Frage ist Mark Nitze von der TU Dresden nachgegangen. Sein Fazit: Das räumliche Verhalten von Rotwild ist in Wolfsgebieten nicht anders als dort, wo Wölfe fehlen.
    Andere Untersuchungen die dies widerlegen würden kenne ich nicht.

    Für die Rudelgröße von Pflanzenfressern ist der überragende Faktor die Verfügbarkeit von Nahrung. Bei geringem oder zerstreutem Nahrungsangebot – im Schatten des Waldes etwa – kann sich kein großer Verband bilden. Denn um satt zu werden, müssen sich die Tiere auf einer großen Fläche verteilen. So verlieren sie alsbald den Kontakt zueinander, das Rudel löst sich auf. Deshalb sehen wir große Rotwildrudel auf Raps- und Wintergetreideflächen oder auf Wiesen, also in offenen Habitaten mit viel Nahrung und guter Sicht.

    Große Rotwildrudel im Wald sind dagegen ein Zeichen übermäßig hoher Wilddichte auf Grund unzureichender Bejagung…

    Antworten
  10. Joachim

    @Frank Topp
    Die Uni Wien forscht zum Thema Rotwild auch seit, ich glaube über 20 Jahren. Das sind zum Teil recht interessante Ergebnisse.

    Ich jage im Nordschwarzwald in einem Rotwildkerngebiet. Wir haben in den letzten 10 Jahren mit massiv steigenden Rotwildzahlen zu tun. Der Abschuß, der im übrigen behördlich festgesetzt wird, hat sich in dieser Zeit verdoppelt. Rotwild neigt von Natur aus zur Rudelbildung, weil es eigentlich ein Pflanzen fressendes Steppentier ist. Leider haben wir seinen Lebensraum abgeschafft.
    Fütterung gibt es im Nordschwarzwald keine.

    Ich denke, es gibt zwei wesentliche Probleme. Das eine ist, dass wir per Gesetzt in Deutschland Rotwildgebiete haben. Das heißt, außerhalb dieser Gebiete wird kein Rotwild tolleriert. Bei steigender Population, kann das Wild nicht ausweichen.
    Das zweite Problem ist das , was man gerne als naturnahen Waldbau bezeichnet (ist soweit völlig ok). Der führt, zusammen mit den von den Stürmen Wiebke und Lothar hinterlassenen Flächen zu einem enormen Äsungsangebot mit der gleichzeitigen Unmöglichkeit auf diesen riesigen Flächen zu jagen. Womit wir bei Deinem Hinweis sind, dass Rudelbildung am Nahrungsangebot hängt. Das ist in unseren Wäldern im Schwarzwald inzwischen extrem hoch.

    Im Ergebnis kannst Du dann bei uns im Mittelgebirge nur noch auf Schneisen und an Wegrändern jagen.

    Und wie gesagt, Rudelbildung hast Du beim Rotwild auch im Wald immer. Wenn Du keine Rudel mehr hast, hast Du kein Rotwild mehr.

    Antworten
  11. Frank Topp

    @Joachim,
    danke für den Hinweis zur Uni Wien.
    …dann sind wir uns doch einig. Es sind ganz andere Faktoren, die die Größe von Rotwildrudeln beeinflussen. Für die Probleme, den Wolf zum Sündenbock zu machen, gibt es keine Grundlage. Aber wenn man es nur oft genug wiederholt wird schon was hängen bleiben. Der Glaubwürdigkeit der Jägerschaft dient das aber nicht.

    Antworten
    1. Keule

      Lügen immer wieder zu wiederholen in der Hoffnung, das was hängenbleibt, ist eindeutig eher die Lieblingsmasche von Jagdgegnern und Tierfreunden aller Couleur! Und deren Glaubwürdigkeit bei den Gutmenschen in den Redaktionsstuben und Wohnzimmern schadet das erstaunlich wenig.

      Antworten
  12. Joachim

    @Keule
    Das sehe ich leider ähnlich.
    Allgemein ist das ein Phänomen von Extremisten jeglicher Couleur, von Leuten mit Sendungsbewußtsein. Auf jeden Fall ist es immer das Ende jeglicher vernünftigen Diskussion.

    @Frank
    Wir sind uns insoweit einige, dass es jede Menge Faktoren gibt, die Einfluss haben.
    Der Wolf gehört sicher dazu und er mischt die Karten neu. Die Frage, die wir und damit meine ich nicht nur die Jäger sondern die Gesellschaft insgesamt uns stellen müssen lautet: Wollen wir neu gemischte Karten, wollen wir ein neues Spiel?

    Wo man die Sache mit der Rudelbildung im übrigen auch sehr gut beobachten kann ist beim Rehwild. Im Wald gibt es keine Rehwildrudel (ich weiß es heißt Sprünge). Dort triffst Du Geiß mit 2 Kitz oder Jährling mit Schmalreh. Aber das wars. In der offenen Feldflur bilden sich aber Sprünge von 10 bis 30 Stück.
    Das Äsungsangebot ist für einen Selektierer wie dem Rehwild im naturnahen Waldbau eher höher als in der Agrarsteppe.
    Aber die Rudel kommen im freien Gelände, weil sie dem einzelnen Tier eben die höhere Überlebenschance bieten s.o.

    Aber und da sind wir uns einig, der Wolf ist per se kein Sündenbock. Die Frage ist, wollen wir ihn?
    Es ist auch immer alles eine Frage der Betroffenheit. Wenn Du mit Deinem Hund im Stadtpark von Frankfurt läufst, sagt es sich leicht, der Wolf stört mich nicht.
    Wenn Du Deinen Hund in Schleswig Holstein an den Wolf verlierst, siehst Du das vielleicht anders?

    Meistens ist es ja so, dass die radikalen Ideen zum Naturschutz aus den Ballungszentren kommen, also von Leuten, die eigentlich nur theoretisch mit den Themen zu tun haben.

    Mein Wunsch wäre es einfach, dass es eine sachliche und Ideologie frei Diskussion gibt. Eine Diskussion darüber, was in einem Industriestaat wie Deutschland tatsächlich möglich ist und erst dann, was wir vom Möglichen auch umsetzen wollen.

    Antworten
  13. Frank Topp

    @ Joachim u. Keule
    …eine sachliche Diskussion wünsch ich mir auch. Wer Thesen, wie in diesem Artikel, verbreitet, sieht dies aber wohl anders.

    Ja, der Wolf wird unser Leben verändern. Nicht so sehr das des Städters vielleicht. Das der Jäger bestimmt. Aber warum eigentlich nicht?

    Jahrtausende der Koexistenz mit dem Wolf haben unser Schalenwild doch zu der faszinierenden Tierart gemacht, die es ist. Ob Jäger oder nicht, wir sollten uns alle als Gäste betrachten, im Wald. Die Rückkehr der Wölfe in Ihre ehemaligen Lebensräume ist ein natürlicher Prozess. Warum den Wolf als Konkurrenten sehen? Und nicht als Mitjäger, als Kollegen? Aus Bequemlichkeit? Jagdneid?

    Der Wolf ist in einen gesellschaftlichen Konflikt geraten der lange vor seiner Rückkehr existierte. Ihn jetzt wahlweise als Ikone des Naturschutzes oder Symbol einer Ökodiktatur
    zu betrachten hat er nicht verdient.

    Antworten
    1. Keule

      Klar, wer anderer Meinung ist, ist mindestens unsachlich, eigentlich auch dumm, ein Lügner und überhaupt ein schlechter Mensch. Gähn, Es ödet mich an.
      Sie behaupten, sich eine sachliche Diskussion zu wünschen. Lassen Sie sich sagen: daraus wird aber i.d.R. nichts, wenn man Andersdenkenden erst einmal unterstellt, sie würden “einfach nur nachplappern”, und was plappern sie nach? Genau, Stammtischgerede – und das sind nur zwei Beispiele für Ihr anmaßendes und besserwisserisches Auftreten hier. Wer sich sachliche Diskussionen wünscht, sollte selber sachlich bleiben, wie das Joachim hier vorgeführt hat. Hut ab davor!

      Antworten
  14. Joachim

    @Frank Topp
    “Der Wolf ist in einen gesellschaftlichen Konflikt geraten der lange vor seiner Rückkehr existierte. Ihn jetzt wahlweise als Ikone des Naturschutzes oder Symbol einer Ökodiktatur
    zu betrachten hat er nicht verdient.”
    Das sehe absolut genauso. Aber leider ist genau das der Fall bzw. die Sache mit dem Wolf entwickelt sich zusehends in diese Richtung.

    Und wie gesagt, die Rückkehr der Wölfe mischt die Karten neu und deswegen müssen oder sollten wir die Spielregeln neu festlegen. Und es wäre schön, wenn den Betroffenen mehr Gehör geschenkt würde. Wobei die Betroffenen nicht nur die Jäger sind.
    Weil ich einer bin, will ich kurz aufzeigen, was passiert.
    Nehmen wir an, ich habe hier ein Rotwildrevier gepachtet. Dann kostet das viel Geld. Für das viele Geld bekomme ich auf der einen Seite viel Freude, weil ich gerne jage, mit allem was dran hängt.
    Auf der anderen Seite schreibt mir das Gesetz vor, in welchem Umfange und auf welche Art ich jagen muß. Dazu gehört die Erhaltung eines Arten reichen und den lokalen Gegebenheiten angepassten Wildbestandes. Außerdem schreibt mir der Staat jedes Jahr aufs Neue vor, wie viel und welche Stücke ich erlegen muß und ich muß die Schäden bezahlen, die das Wild anrichtet. Sprich ich bin jedes Jahr damit beschäftigt von Sauen zerstörte Wiesen und Äcker herzurichten und Ernteausfälle zu bezahlen. Sollte das Rotwild größere Schälschäden (vgl. Bild des Artikels) anrichten, muß ich die Bäume bezahlen.

    Käme nun der Wolf in den Nordschwarzwald, würde sich jagdlich einiges ändern. Das Wild würde heimlicher weil ängstlicher. Warum? Weil der Wolf stumm jagt und plötzlich vor der Beute auftaucht. Jagdhunde jagen laut und sind deshalb für das Wild frühzeitig zu erkennen und ihr Aufenthaltsort ist für das Wild sofort klar.
    Wild das heimlicher ist, ist schwerer zu bejagen.
    Es würden sich vermutlich Angstrudel bilden und aus der Kombination von Angstrudel und heimlich sein entstünden mehr Schäden.
    Unter Umständen weicht Wild aus und ist dann über längere Zeit nicht im Revier, das ja gemessen am Bewegungsraum der Tiere viel zu klein ist. Das führt in dem einen Revier zu einem zu geringen im anderen Revier zu einem zu hohen Bestand. Global gesehen ist das in Ordnung, für den einzelnen Revierpächter und damit Verantwortlichen ist das ein Problem.

    All das kann ich problemlos akzeptieren. Im Gegenteil ich fände, das erlebbare Geschehen in der Natur würde vielleicht interessanter.

    ABER:

    Dann bezahle ich weniger Pacht. Denn weniger jagdbares Wild heißt nicht nur weniger Jagd (der Grund weshalb ich pachte) sondern auch weniger Erlös aus dem Verkauf von Wildfleisch.
    Dann erwarte ich vom Staat, daß die Abschußzahlen herunter gesetzt werden, weil ein Teil vom Wolf erledigt wird und das Wild unter Umständen ausweicht und somit gar nicht erlegt werden kann. Und ich erwarte, daß ich für Schälschäden nicht mehr haftbar gemacht werde.

    Und schon gehts los. Die Grundbesitzer wollen die Pacht maximieren. Deswegen werden die Reviere auch immer kleiner. Das ist wie bei Wohnungen. Eine kleine Wohnung bringt auf den m2 mehr als eine große. Von den Grundbesitzern sind manche vor Ort und damit am Geschehen, andere im Ausland oder sonst wo.
    Der Forst sieht nur den Holzertrag (vgl. Ökologischer Jagdverein etc. “Wald vor Wild”) und was der Jäger an Schaden nicht zahlt, muss er auf einmal selbst tragen. Auch das ändert die Sichtweise bisweilen radikal.
    Die Besitzer der landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetriebe, die hier zur Landschaftspflege gefördert werden, weil niemand mehr seine Wiesen pflegt und alles verwaldet, bekommen Angst um ihre Ziegen und Rinder. Es droht aktuell bei uns mancher Gemeinde der Entzug des Prädikates Luftkurort weil durch das Verwalden der Streuobstwiesen, die Luftzirkulation eine andere geworden ist. Als Gegenmittel werden diese Nebenerwerbsbetriebe eingesetzt.

    Daran sieht man, so finde ich, das was ich weiter oben einmal gesagt habe. Wir müssen uns einfach fragen, passt der Wolf in die Landschaft, so wie wir sie geformt haben. Wenn er das tut ist gut. Tut er es nicht, müssen wir uns fragen, welcher Änderungen es Bedarf und ob wir sie tragen wollen und da sollte man vor allem die fragen, die es betrifft und das sind wie eben geschildert nicht die Jäger allein.

    Was ich genannt habe sind ja nur wenige Aspekte eines sehr umfangreichen Themas. Aber ich denke es zeigt sich, daß die Reduktion des Wolfes auf “eine Ikone des Naturschutzes oder Symbol einer Ökodiktatur” tatsächlich viel zu kurz gegriffen ist,.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.