LJV Sachsen: Bewerber um Präsidiumsposten mit Peta-Vergangenheit sorgt für Irritationen

Bei den anstehenden Wahlen zum Präsidium des LJV Sachsen tritt ein Bewerber an, der mit seiner angeblichen “Peta-Vergangenheit” für Irritationen sorgt. Im Internet werden Gerüchte gestreut und die Angst vor Unterwanderung, Trojanischen Pferden und U-Booten geschürt. JAWINA hat mit dem Kandidaten gesprochen. Man ist nicht “bei Peta”, erklärt Enrico Holz, man trage sich in irgendwelche Listen ein zum Thema Tierschutz oder Massentierhaltung. Das habe er getan, um sich für Fragen zu engagieren, die ihm wichtig erschienen. Wann das war? Lange her, vor 15, 17 Jahren, meint Holz, “da war ich noch jung.” Heute hat Holz ein Unternehmen, das neben Forstdienstleistungen auch professionellen Stöberhundeeinsatz (Bracken und Terrier) und Nachsuchenservice anbietet. Den Jagdschein hat er seit 2014. Alles Aktivitäten, die Peta wohl keinesfalls gutheißen würde.

JAWINA: Herr Holz, wie lange und wann haben Sie sich in welcher Form für Peta engagiert?

Mein Engagement bei PETA betraf den Eintrag in das „Aktivistennetzwerk“. Ich habe mich für die Arbeit von PETA interessiert, was ich auch weiterhin tun werde, da sie für meine Arbeit als Waldpädagoge aber auch als Jäger wichtig und teilweise von Nöten ist, um ganz einfach vorbereitet zu sein.

Sofern der pure Eintrag in das sog. „Aktivistennetzwerk“ von PETA, um den Newsletter zu erhalten, als engagiert angesehen wird, dann läuft dieses „Engagement“ seit 2001 fortlaufend weiter. Der Newsletter steht jedem Interessierten, egal ob pro oder contra PETA, zur Verfügung.
Für mich stand von Anfang an im Fokus, über die in meinen Augen übertriebene Massentierhaltung aufzuklären. Und in dieser Form unterstütze ich auch Tierschutzorganisationen weiter. Auch für die Jägerschaft ist das ein ernst zunehmendes und wichtiges Thema.

Eine aktive Mitarbeit bei PETA lag nie vor und war auch nie beabsichtigt.

Welche Position streben Sie im LJV Sachsen an?

Ich strebe die Position des Beisitzers an.

Wie stehen Sie heute zu Peta?

Ich sehe PETA als eine wichtige Informationsquelle für mich als Waldpädagoge und Jäger an. Diese Informationen werden von mir selbstkritisch betrachtet und in meiner Arbeit entsprechend widerlegt.

Mir ist es wichtig, den Widersachern der Jägerschaft in die Karten zu schauen und mit ihnen ggf. in den Disput zu treten. Als Jäger sollte man wissen, was einem vorgeworfen wird, um angemessen zu agieren. Ich empfehle der Jägerschaft, selbstreflektiert mit Informationen der Tierschutz-organisationen umzugehen.

Wie stehen Sie insbesondere zu deren teilweise doch sehr radikalen Forderungen, die nicht nur eine Abschaffung der Jagd beinhalten, sondern, soweit ich das sehe, ein vollständiges Verbot jeglicher Nutzung von Tieren bis zum Blindenhund, was den brauchbaren Jagdhund und das Reitpony einschließen dürfte?

Mir ist es als Jäger wichtig, dass wir genau diesen Forderungen mit Weitblick und fundierten Argumenten gegenübertreten und die Notwendigkeit der Jagd und artgerechten Nutzung von Tieren begründen. Der Hund stammt vom Wolf ab und ist damit von Natur aus Jäger. Letztlich fordert PETA mit dem Verbot der Nutzung z. B. von Hunden als Jagdhund den Eingriff in den ureigensten Instinkt des Hundes. Die Forderung von PETA ist einseitig gedacht ohne Rücksicht auf die daraus folgenden Konsequenzen für die Umwelt. Unsere Gesellschaft würde, so wie sie ist, nicht existieren, würde es die Jagd nie gegeben haben. Die Jagd gehört zum Ursprung der Menschheit.

Wie jagen Sie, was ist Ihre heutige Einstellung zur Jagd?

Mit Waffe im Anschlag. 🙂 Mein Schwerpunkt bei der Jagd ist die Nachsuche mit meinen Hunden.
Ich war der Jagd gegenüber noch nie negativ eingestellt. Nur weil ich einen Newsletter einer Tierschutzorganisation beziehe und deren Meinungen partiell unterstütze, bin ich als JÄGER nicht Jagdgegner. Die Jagd sichert meiner Familie und mir den Lebensunterhalt und einen reich gedeckten Tisch mit ökologisch wertvollen Produkten. Außerdem bin ich Mitglied im Prüfungsausschuss und nehme angehenden Jägern die Jagdprüfung ab.

Was möchten Sie beim LJV Sachsen bewirken?

Meine Hauptanliegen sind:

 Verbesserung des Stellenwertes der Jäger in der Gesellschaft
 Aufklärung der Gesellschaft über die Arbeit und die Aufgabenvielfalt eines Jägers
 Sensibilisierung der Jäger für eine öffentlichkeitswirksame, positive Selbstdarstellung und Identifikation mit dem Bild des Jägers in der Gesellschaft

Mir ist es wichtig, dass sich die Jägerschaft bewusst wird, dass sie selbst dafür verantwortlich ist, wie sie in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Es ist an der Zeit, Beiträge von PETA & Co. zu kommentieren und richtig zu stellen und nicht stillschweigend hinzunehmen, um im „stillen Kämmerlein“ über „den Feind (so der Wortlaut auf der Sondersitzung)“ herzuziehen. Solange in Videos auf Youtube und Co. der Jäger und sein Jagdhund als gefährlich und abartig dargestellt werden und die Jäger keine Gegendarstellung liefern, wird der Jagd in der Gesellschaft – letztlich wie bei PETA – verachtet.

Wie ist Ihre “Peta-Vergangenheit” überhaupt bekannt geworden?

Ich wurde auf der Sondersitzung gefragt.

Die Fragen stellte Stephan Elison.

Beitragsbild: Enrico Holz mit seinen Hunden im Einsatz. Copyright: Enrico Holt

4 Gedanken zu „LJV Sachsen: Bewerber um Präsidiumsposten mit Peta-Vergangenheit sorgt für Irritationen

  1. Ralf

    Ich muss als Jäger Tierschutzorganisationen unterstützen?
    Wir Jäger sind dem Tierschutz verpflichtet. Ich persönlich sehe keinen Grund, eine Tierschutzorganisation oder gar Tierrechtsorganisation zu unterstützen (-schon garnicht finanziell, wenn man den Artikel gelesen hat https://www.jawina.de/peta-rekordausgaben-fuer-personalkosten-und-oeffentlichkeitsarbeit/ ).

    Folgende Aussage unterstütze ich allerdings:
    “…Mir ist es wichtig, dass sich die Jägerschaft bewusst wird, dass sie selbst dafür verantwortlich ist, wie sie in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Es ist an der Zeit, Beiträge von PETA & Co. zu kommentieren und richtig zu stellen und nicht stillschweigend hinzunehmen, um im „stillen Kämmerlein“ über „den Feind (so der Wortlaut auf der Sondersitzung)“ herzuziehen. Solange in Videos auf Youtube und Co. der Jäger und sein Jagdhund als gefährlich und abartig dargestellt werden und die Jäger keine Gegendarstellung liefern, wird der Jagd in der Gesellschaft – letztlich wie bei PETA – verachtet.”

    Wegducken wie noch zu Opas Zeiten können wir uns heute nicht mehr erlauben! Ich habe den Eindruck, dass PETA über Kommentatoren verfügt, die rhetorisch sehr gut geschult sind. Da müssen wir auch hinkommen.

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  2. JS

    Gut, das sich Jawina dem Herrn Holz stellt und ihn interviewt und sich eben nicht von Internetinformationen, dunklen Kanälen, Gerüchten usw. abhängig macht. In den Worten von Herrn Holz schwingt viel Richtiges mit, nämlich nicht über PETA/Tierschutz u.ä. zu fabulieren, sondern sich zu informieren, ggf. auch über deren Newsletter usw. Nur wenn wir wissen, wie dort argumentiert wird und uns nicht auf “Gehörtes” verlassen, können wir agieren und entsprechend reagieren.

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  3. N.G

    Gegen das Interview ist nichts einzuwenden, beschäftigt man sich jedoch mit der Website von Herrn Holz und den dort angebotenen Leistungen ( Jagdservice),
    wirft die erstaunlich rasante Entwicklung zumindest bei mir so einige Fragen auf….
    – Jagdschein seit 2014
    – Jagdservice/ Fallenjagd, Stöberhund,24h- Nachsuchenhotline
    – Kandidatur zum Präsidenten LJV-Sachsen
    Leistung, kommt bekanntlich von “etwas leisten”, und
    Erfahrung von ” etwas erfahren” . Dies geht bekanntlich nicht von heute auf morgen. Ich bin erstaunt, welche Durchstarter wir hier in Sachsen nach gerade einmal 4 Jagdjahren so vorzuweisen haben….

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  4. RK

    Zum Kommentar von “N.G” (“wirft die erstaunlich rasante Entwicklung zumindest bei mir so einige Fragen auf”) – die Fragen kann man zwar aufwerfen (am besten durch ein ergänzendes Interview ;-)). Ich halte es aber nicht für ausgeschlossen, dass man in vier engagierten Jahren in der Jagd so viel Erfahrungen sammeln kann. Wenn man ein Hobby (oder hier ggf. auch schon eine berufliche Tätigkeit) intensiv ausübt, hat man nach 3-4 Jahren ggf. mehr Erfahrung und Skills als andere nach zehn Jahren. Und: Man kann auch jahrzehntelang etwas falsch machen. Allein die Anzahl von Jahresjagdscheinen sagt nur begrenzt etwas über jagdliche Qualifikationen aus.

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