LJV Hessen: Zwei Vorstandsmitglieder zurückgetreten

Die bisherigen Vorstandsmitglieder Thomas Schäfer und Helmut Nickel sind mit sofortiger Wirkung von ihren Posten als Vorstandsmitglieder des Landesjagdverbands Hessen (LJV H) zurückgetreten. In ihren Rücktrittsschreiben (die der Red. vorliegen) kritisierten Nickel und Schäfer u.a. die Personalpolitik des Verbands: Mitarbeiter seien ohne Kenntnis oder Zustimmung des Vorstands eingestellt worden. Nickel und Schäfer kritisierten übereinstimmend, dass der Vorstand in einem Fall der Einstellung zustimmen sollte, ohne den Namen, die Qualifikation oder das vereinbarte Gehalt des Bewerbers zu kennen, in einem anderen Fall sei der Arbeitsvertrag unterschrieben worden, ohne dass der Vorstand zuvor über eine Anstellung informiert worden war. Er frage sich, “ob die geplante Steigerung der Personalkosten von knapp 260.000 Euro im Jahr 2017 auf 403.000 Euro im Jahr 2019 gerechtfertigt und problemlos zu finanzieren ist – zumal auf eine institutionelle Förderung des LJV Hessen aus Mitteln der Jagdabgabe „großzügig“ verzichtet wurde”, schreibt Helmut Nickel.

Durch diese institutionelle Förderung seien bisher auch anteilig laufende Personalkosten aus der Jagdabgabe bezuschusst worden, schreibt Helmut Nickel. Dies sei im Zuge einer Projektförderung jedoch nur noch eingeschränkt möglich – nämlich nur dann, wenn einzelne LJV-Mitarbeiter einen Teil ihrer Arbeitszeit einem von der Obersten Jagdbehörde genehmigten speziellen Projekt während dessen begrenzter Laufzeit widmeten. Die Erhöhung des Mitgliederbeitrags, den die Jagdvereine an .den LJV abführen, um 11,50 Euro gleiche wegen des Wegfalls der institutionellen Förderung eher einem Nullsummenspiel.

Beide ehemalige Vorstandsmitglieder üben auch Kritik an der Informationspolitik des LJV: Es existierten offene Briefe und Stellungnahmen zum Beispiel zum hessischen Landesjagdgesetz oder zum Erproben von Saufängen, die abgegeben worden seien, ohne den Vorstand zu informieren. Desweiteren sei auf LJV-Vorstandssitzungen die Zustimmung des Vorstands zu “kosten- und ausgabenwirksamen Beschlüssen” verlangt worden, ohne dass der Vorstand ordnungsgemäß informiert worden sei.

Die 2017 erfolgte “stattliche Beitragserhöhung” sei mit der Begründung erhoben worden, so Helmut Nickel, dass der Verband durch den Verzicht auf die institutionelle Förderung durch Mittel aus der Jagdabgabe vom Ministerium unabhängig sei: “Aber bereits im nächsten Jahr klagt der LJV gegen das HMUKLV, um Projektförderungs-Mittel aus der Jagdabgabe zu bekommen.” Aus “verfahrensstrategischen Gründen (Einspruchsfrist)” sei der Vorstand, bei der Entscheidung zu klagen übergangen worden, gleichzeitig sei “für mehrere tausend Euro” ein Rechtsanwalt beauftragt worden, den LJV zu vertreten, moniert Thomas Schäfer: Er sei jedoch “nicht in den Vorstand des LJV gewählt worden, um keine Meinung zu haben.”

Der LJV Hessen nahm zu den Vorgängen in einer Pressemitteilung Stellung:

Darin heißt es: “Vor der LJV-Vorstandssitzung am 25. Oktober 2018 haben bedauerlicherweise die Vorstandsmitglieder Helmut Nickel und Thomas Schäfer schriftlich ihren Rücktritt bekanntgegeben.

Ein wesentlicher Kritikpunkt, der auch in der Vergangenheit zu Diskussionen in den Vorstandssitzungen geführt hat, ist die Entscheidung zur Einstellung von Personal in der LJV-Geschäftsstelle.

Zuständig für Personalangelegenheiten ist nach LJV-Satzung das Präsidium des LJV, bestehend aus dem Präsidenten und den Vizepräsidenten, nicht der Gesamtvorstand.

Das Präsidium unterliegt dabei den Regelungen des Arbeitnehmerdatenschutzes. Dieser Sachverhalt und diese Vorgehensweise wurden auch durch ein Rechtsgutachten bestätigt

Der LJV hat sich zum Ziel gesetzt, seine Mitgliedsvereine sowie jedes einzelne Mitglied stets transparent und zeitnah über Neuigkeiten zu informieren. Die Kommunikation wurde durch regelmäßig veröffentlichte Newsletter, die Präsenz in den sozialen Medien, sowie durch eine umfangreiche Berichterstattung im Hessenjäger in den vergangenen zwei Jahren verbessert. In der Geschäftsstelle arbeiten fünf Mitarbeiter hoch motiviert und sehr engagiert in allen Belangen rund um die Jagd in Hessen. Leider fehlt noch immer eine Vollzeitkraft in der Büroleitung. Sollten deshalb bei der Kommunikation Fehler entstanden sein, sind diese auf die hohe Auslastung, teilweise mit über hundert Anrufen täglich, zurückzuführen und haben keine persönlichen Gründe.

Der Landesjagdverband bedauert ausdrücklich das Ausscheiden seiner beiden Vorstandsmitglieder und dankt Herrn Helmut Nickel u. a. für sein Engagement rund um den Artenschutz und das Prädatorenmanagement sowie Herrn Thomas Schäfer u. a. für seinen unermüdlichen Einsatz zum Bau einer Grünbrücke an der A45 in Höhe Kalteiche.

Auf den Bezirkstagungen Mitte November steht nun das weitere Vorgehen für die Ergänzungswahl von zwei Vorstandsmitgliedern an. Der LJV wünscht sich weiterhin eine vertrauensvolle, konstruktive, durchaus auch kontroverse Diskussion in allen Themenbereichen, nicht nur auf Vorstandsebene, sondern mit allen Mitgliedsvereinen und Mitgliedern des LJV.

Der LJV Hessen hat in diesem Jahr noch Wichtiges vor: Die Landtagswahlen stehen vor der Tür, bereits nach den Koalitionsverhandlungen wird sich der LJV in die Verhandlungen um eine neue Jagdverordnung einbringen, und die Auswertungen der genetischen Untersuchungen des Rotwildes sollen noch im Dezember veröffentlicht werden.

Dafür braucht der LJV die Unterstützung aller Mitglieder. Der Landesjagdverband möchte mit großen Schritten vorwärtsgehen, den Ton angeben, wenn es um die Jagd in Hessen geht!

Das können wir mit einer starken Gemeinschaft von rund 20.000 Jägerinnen und Jägern.” PM/SE

Beitragsbild: Kopf des Rücktrittsschreibens von Thomas Schäfer (Screenshot)

Ein Gedanke zu „LJV Hessen: Zwei Vorstandsmitglieder zurückgetreten

  1. MH

    Die Zurückgetretenen: “Nickel und Schäfer kritisierten übereinstimmend, dass der Vorstand in einem Fall der Einstellung zustimmen sollte.”

    Der LJV: “Zuständig für Personalangelegenheiten ist nach LJV-Satzung das Präsidium des LJV, bestehend aus dem Präsidenten und den Vizepräsidenten, nicht der Gesamtvorstand.”

    Was ist da richtig?

    Richtig ist aber eines wohl offensichtlich: Es wurde vom HMUKLV nicht einem einzigen Antrag auf Projektförderung stattgegeben. “Jägergeld in Jägerhand” hieß es einmal zur Jagdabgabe. Das ist nun offensichtlich passé. Informationen, wohin die Jagdabgabe in den vergangen Jahren geflossen ist, wurde vor einiger Zeit bekannt. Nach dem Ausgang der Landtagswahl dürfen sich die hessischen Jäger wohl noch auf mehr gefaßt machen. Wie will man dem begegnen? Mit einer Rolle rückwärts zur institutionellen Förderung? Und die Beitragserhöhung rückgängig machen?

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