LJV Hessen: Sinnlose Schonzeit für Fuchs und Waschbär gefährdet Artenschutz

Am 1. März beginnt die Schonzeit für Füchse und Waschbären, die im April 2016 in der neuen hessischen Jagdverordnung verankert worden ist. Besonders zur Brutzeit von seltenen Bodenbrütern wie Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn stellt die Schonzeit ein großes Problem dar. Aber auch junge Feldhasen oder die wenigen Feldhamster sind in der ausgeräumten Kulturlandschaft ihren Fressfeinden hilflos ausgesetzt.

Neben der Verbesserung der Lebensräume ist die Bejagung die effektivste Möglichkeit, um den hohen Fraßdruck auf die Jungtiere und die auf den Nestern sitzenden Elterntiere zu verringern. „Eine Schonzeit für Fuchs und Waschbär in den Frühjahrs- und Sommermonaten steht völlig im Widerspruch zum Artenschutz, den die Jägerinnen und Jäger in Hessen jeden Tag in ihren Revieren leisten“, sagt Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen.

Viele Gelege z. B. von Rebhühnern werden gefressen und die darauf sitzenden Hennen fallen Raubsäugern zum Opfer. Andreas Mohr, Leiter des Rebhuhnhegerings Wetterau hat die Ergebnisse einer Studie der Göttinger Wildbiologen bei einem eigenen Versuch bestätigen können. Auch bei ihm wurden 75 % der Gelege gefressen. „Wenn nur 25 % der Rebhühner den Fressfeinden entkommen, brauchen wir uns über den teilweise bedrohlichen Zustand unserer Feldvogelbesätze nicht zu wundern“, sagt Mohr überzeugt.

„Wir müssen in Hessen auf eine wissensbasierte Regelung zurückkommen. Auch Füchse und Waschbären ziehen in den Frühjahrs- und Sommermonaten ihre Jungtiere auf – deshalb stehen die Elterntiere bereits seit Jahrzehnten unter dem Schutz des Bundesjagdgesetzes“, so Ellenberger weiter.

„Durch das Bejagungsverbot der Jungfüchse spitzt sich die Situation weiter zu. Jungfüchse zu bejagen, ist kein Vergnügen, aber angesichts der Fleischmengen von 400 bis 500 Gramm, die ein ausgewachsener Fuchs täglich zu sich nimmt, brauchen gerade die Bodenbrüter in den ausgeräumten Feldern eine spürbare und frühe Entlastung vor dem hungrigen Raubwild. Deshalb ist für uns Jäger auch der Fang mit zertifizierten und tierschutzgerechten Fallen ein höchst effektives Mittel.“

Waschbär auf dem Dach. Quelle: Seifert/DJV

Mit der Schonzeit für den Waschbären widerspricht die hessische Jagdverordnung auch einer EU-Verordnung zur Eindämmung invasiver gebietsfremder Arten. Nach der öffentlichen Anhörung, die am 20. November 2017 endete, hat das Umweltministerium bis heute keine Managementpläne vorgelegt, die eine weitere Ausbreitung des nordamerikanischen Kleinbären verhindern könnten. „Die Jagd ist dafür ein unverzichtbares Mittel und darf nicht unsinnig eingeschränkt werden.“

Jürgen Ellenberger fordert die hessische Umweltministerin Priska Hinz auf, die EU-Verordnung umzusetzen und die Schonzeit für Waschbären sofort aufzuheben: „Die Bewohner des ländlichen Raums haben häufig Probleme mit dem Waschbären in ihren Häusern oder Gärten – diese gehen im Oktober genauso an die Wahlurnen, um einen neuen hessischen Landtag zu wählen, wie die rund 20.000 im Landesjagdverband organisierten Jägerinnen und Jäger.“

Schäden von Waschbären können Bürger auf der Webseite www.waschbaerschaeden.de kostenlos melden. Der Landesjagdverband sammelt diese Meldungen und leitet sie an die hessische Landesregierung weiter.

Weitere Informationen: Immer mehr Waschbären in Deutschland

Im Jahr 1934, ursprünglich zur ,,Bereicherung” der heimischen Tierwelt ausgesetzt, stand der Waschbär die folgenden 20 Jahre unter Naturschutz. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden in Deutschland kritische Stimmen laut. Hessen nahm ihn als erstes Bundesland ins Jagdrecht auf, doch erst seit 1990 steigt die Jagdstrecke merklich an. In einigen Bundesländern, wie auch in Hessen, unterliegt er vom 1. März bis 31. Juli der Schonzeit. Dies erschwert die Bejagung und eine Zurückdrängung der Art. Denn schon längst sind Wald- und Feldlandschaften vom Nordosten bis in den Südwesten Deutschlands in unterschiedlichen Dichten besiedelt. Als Neubürger hat er kaum natürliche Fressfeinde, welche die Ausbreitung in Deutschland stoppen könnten.

Das Ausmaß seiner Verbreitung verdeutlichen die Zahlen des Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands (WILD): Im Vergleich zu 2006 meldeten im Jahr 2013 fast doppelt so viele Reviere ein Vorkommen des Kleinbären. Deutschlandweit ist nun fast jedes zweite Revier in Waschbärhand, im Kerngebiet (Brandenburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) liegt die Zahl mit 71 Prozent sogar noch deutlich höher. Regelmäßig erheben Jäger in über 25.000 Revieren Daten zum Waschbären und anderen Neozoen, die wissenschaftlich ausgewertet werden. Das entspricht etwa der Hälfte der land- und forstwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. Damit bieten sie das umfangreichste Monitoring bundesweit. (Quelle: Deutscher Jagdverband e. V.)

Beitragsbild: Fuchswelpen an Hase. Quelle: KauerMross/DJV

Quellenangaben:

Pressemitteilung Nr. 070/17 vom 22.02.2017
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
„Kabinett beschließt neue Regeln zum Schutz der Artenvielfalt vor invasiven Arten“
http://www.bmub.bund.de/presse/pressemitteilungen/pm/artikel/kabinett-beschliesst-neue-regeln-zum-schutz-der-artenvielfalt-vor-invasiven-arten/

6 Gedanken zu „LJV Hessen: Sinnlose Schonzeit für Fuchs und Waschbär gefährdet Artenschutz

  1. Iris Schmidt

    Das wirkliche Problem der Artensterben verschuldet unleugbar allein der Mensch, der immer extremere Gifte in die Umwelt kippt, auf den Felder sprüht, neben völlig ausuferndem Raubbau, gegen Wälder, Gewässer, Böden, Luft… geht man über die mit Aggro/chemie, aber auch überdüngung durch Gülle … bewirtschafteten, landwirtschaftlich miss/genutzten Felder, kommt man nicht drumrum festzustellen, dass es kaum noch Wildblumen, kaum noch Isekten, geschweige größere Arten … besonders dort gibt. Auch gibt es auf derart bewirtschafteten Feldflächen kaum Grünstreifen, kaum Hecken, Gestrüpp , kaum Bäume, somit kaum unterschlupf und Narung für die Arten …
    Das Artensterben nun der Natur selbst/Tierarten zuzuschreiben ist nicht nur völlig ignorant. Auch der egoistische Kampf gegen Schonzeiten zeugt mit nichten von Liebe zur Natur und natürlich vorkommenden Arten, die seit anbegin der Zeit nebeneinander lebten, ohne eine Art zu bedrohen – sondern von einer weiteren Form menschlichen Egoimus und Ignoranz, jedoch der Mensch bedroht mit seinem Handeln die Natur, die Tier und Pflanzenwelt !
    Wir Menschen müssen uns dringend besinnen und schleunigst unser schädliches/schändliches Handeln unterlassen, um der Natur den benötigten Raum zu geben, mit den verbliebenen Arten zu gesunden, damit so hoffentlich weitere Arten zurück kommen können, insofern diese noch nicht völlig ausgestorben sind.
    Der Mensch braucht die Natur zum Überleben, wie die Natur jede Art benötig, die in der Natur vorkommt. Jedoch ob die Natur die Art Mensch benötigt, darüber sollten wir uns auch erst mal klar werden, bzw. wie wir als Art in und mit der Natur leben sollten, ohne die Natur, somit unsere Lebensgrundlage entgültig zu zerstören*
    MfG

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  2. J. Körner

    Gib den Landwirten die notwendigen Grundlagen zum Überleben. Im „schweineteuren“ Europa, speziell Deutschland, zu Weltmarktpreisen — was ist das überhaupt? — produzieren zu müssen, ist ein Unding. Von den Subventionen zu leben ist doch genauso wie mit HartzIV zwischen Millionären sich profilieren zu müssen. Grenzen dicht, Zölle zum Angleichen der Preise erheben, dann kann man weiter reden.
    Die Natur kommt da einfach zu kurz. Da kann man die Unzulänglichkeiten noch so lautmalerisch kritisieren. Wenn’s kalt ist muß die Heizung eben laufen, wer will schon frieren weil’s für die Umwelt besser wäre?
    Wenn Wölfe Autoreifen durchbeißen würden wäre die Diskussion um den Erhalt schon entschieden. Bei Waschbär, Mink und Enok ist „Otto Normalverbraucher“ doch ein kompletter Dorfdepp, was die Schädlichkeit auf die einheimisch Fauna anbelangt. Ich möchte endlich einmal wieder auf einheimisches Niederwild jagen, weil die Besätze es erlauben, und mich nicht mit Fallenjagd und nächtlichen Ansitzen der Reduktion von invasiven Arten beschäftigen.
    ’N Karnickel oder ein Fasan schmeckt, so glaube ich, besser als ein Waschbär. Aber Du kannst mich gern vom Gegenteil überzeugen 🙂

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  3. Lovis Kauertz

    Der Schutz von Fuchs und Waschbär ist für viele Jäger wahrscheinlich genauso “sinnlos” wie einst das Verbot Igel (!) und Greifvögel zu töten. Als 1970 in Deutschland das Verbot der Greifvogelbejagung eingeführt wurde, prognostizierten große Teile der Jägerschaft ein regelrechtes Schreckensszenario. Der Bestand der Greifvögel würde bedrohlich ansteigen, sie würden Singvögel und Kleinsäuger in Deutschland binnen weniger Jahre gänzlich ausrotten. Sogar eine Bedrohung für den Menschen wurde allen Ernstes propagiert. Und man müsse die Greifvögel weiterhin unbedingt bejagen um deren Bestand zu regulieren, da sie keine natürlichen Feinde hätten, so die Jagdbefürworter. Seit 45 Jahren nun dürfen Greifvögel in Deutschland nicht mehr bejagt werden, bis heute hat sich nichts von den furchterregenden Weissagungen bewahrheitet. Die Natur braucht den Menschen nicht als Regulator, sie regelt sich selbst durch Nahrungsangebot, Sozialstrukturen, Krankheiten und durch klimatische Einflüsse.

    Sinnlos ist allein die mit der Jagd auf Füchse und Waschbären verbundene Tierquälerei – zumal eine Reduzierung beider Tierarten durch die Jagd nicht stattfindet. Wenn den Jägern wirklich am Überleben der Bodenbrüter liegen würde, würden sie sich mit aller Vehemenz für andere landwirtschaftliche Strukturen einsetzen – das ist – wohl auch bei Herrn Ellenberger – Fehlanzeige.

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    1. Keule

      Naturschutzorganisationen beklagen den “stummen Frühling”, Kiebitze, Feldhasen und unzählige andere, die vor 45 Jahren noch Allerweltsarten waren, stehen auf der Roten Liste und sind massiv bedroht. Was die Jäger prophezeit haben, ist nicht nur eingetroffen, es ist noch schlimmer, als befürchtet wurde.
      Und Jäger setzen sich nicht nur mit Vehemenz für andere landwirtschaftliche Strukturen ein, wofür es von Lebensraum Feldflur bis zum Blühstreifenprogramm diverse Beispiele gibt, sie schaffen sie durch Anlegen von Wildäckern, Feldgehölzen, Heckenpflege und unzählige weitere biotopverbessernde Maßnahmen selbst – aus eigenen Kräften und auf eigene Kosten! Sparen Sie sich ihre billige und verlogene Anti-Jäger-Hetze, machen sie erst mal selbst was für die Natur!

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    2. Kr.-Itisch

      Ja, Herr Kauertz, da sind sie wieder, die Aussagen, dass sich die Natur alleine regelt. Würden sie 10.000 Jahre früher leben, hätten sie recht, jetzt aber nicht mehr. Alle unsere Landschaften sind von uns „geschaffene“, oder wenn es ihnen lieber ist, veränderte Kulturlandschaften, eben keine Urlandschaften oder Wälder mehr. Also müssen wir auch hier regulieren. Fuchs und Waschbär haben eben keine natürlichen Feinde mehr, der Igel im Übrigen schon, und wenn es die Straße ist. Auch gibt es keine Tollwut mehr, die Füchse in großer Zahl reduziert hat. Waschbären gehören hier nicht her. Wir besprechen die Sache noch mal, wenn sich die WB’s über ihr Dach hergemacht haben. Ob Greife nicht wieder bejagt werden sollen? Fragen sie mal z.B. Landwirte mit freilaufenden Hühnern.
      Wer sagt eigentlich, dass eine Reduzierung durch Jagd nicht stattfindet? Das Problem ist, das die Jagd immer mehr eingeschränkt ist oder wird, gestört wird und somit vielfach gar nicht mehr die Möglichkeit besteht, effektiv zu jagen. Bitte kommen Sie jetzt nicht damit, das intensive Jagd die Geburtenraten steigert, dieser Unsinn ist längst wiederlegt. Die in Berlin nicht bejagten Wildschweine vermehren sich z.B. explosionsartig.
      Zu Letzt sei bemerkt, dass sich die Jagdverbände schon zu Zeiten für andere landwirtschaftliche Strukturen eingesetzt haben, in denen es Grüne, NABU, BUND und andere selbsternannte Naturschützergruppen noch gar nicht gab.

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    3. Kr.-Itisch

      Ach Übrigens Herr Kauertz,
      Gratulation zu Ihrer Web-Site. Der wichtigste Link darauf dürfte wohl die Schaltfläche “Jetzt spenden”sein.
      Ehrlich gesagt, glaube ich, dass das ihre wichtigste Motivation sein dürfte. PETA etc. zeigen ja, wie es geht.

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