LJV Hessen: Kein “schwangeres” Wild bejagen

Landesjagdverband appelliert an HessenForst Rotwild im Lebensraum zu lenken und tierschutzgerecht zu bejagen

In einem Fernsehbericht vom 19. März 2018 beklagt HessenForst im Forstbetrieb Frankenberg eine jährliche Beschädigung der Fichten in Höhe von 3 %. Nach dem Bericht des Hessischen Rundfunks soll es bereits ab Mai wieder „große Treibjagden“ geben, „damit sich der Wald langsam erholen und gesund nachwachsen kann.“

„Gerade im Mai sind Rot- und Rehwild hochträchtig. Die ersten Rotwildkälber werden bereits Ende Mai geboren. Es kann nicht sein, dass schwangere Rotwildkühe bei Treibjagden durch den Wald gehetzt werden, gerade in der Zeit, wo sie dringend Ruhe benötigen“, sagt Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen. Statt großer Treibjagden im Mai, gilt es das Wild gezielt durch Ruhe und Nahrung zu „lenken“.

Der Landesjagdverband Hessen hat bereits zwei Lebensraumgutachten im Kaufunger Wald und in Wattenberg-Weidelsburg veröffentlicht, ein weiteres im Gieseler Forst wird am 20. April vorgestellt. Verschiedene Maßnahmen wie z. B. ausgewiesene Ruhezonen, der Ausbau von Wildäsungflächen und die Besucherlenkung in sensiblen Waldbereichen sollen dazu beitragen, dass das Rotwild sich auf der Fläche verteilt und keine großen Rudel entstehen.

Zudem sollen insbesondere heimische Baumarten den Vorzug bekommen: Buche und Eiche verbreiten sich auf natürlichem Wege und sind weitaus weniger verbissen als die nichtheimische Douglasie. Wer aus betriebswirtschaftlichen Gründen solche fremdländischen Baumarten in den deutschen Wald einbringt, muss sie vor Verbiss schützen und darf nicht eine gnadenlose Jagd auf das heimische Rot- und Rehwild propagieren. PM LJV Hessen

Bitte beachten Sie dazu auch die Korrektur/Stellungnahme von Hessenforst und Hessischem Rundfunk.

Beitragsbild: Rotschmaltier. Foto: SE

8 Gedanken zu „LJV Hessen: Kein “schwangeres” Wild bejagen

  1. Grimbart

    Bewegungsjagden im Mai? Bei 3% Schäden? Haben die noch alle Latten am Zaun? Wie viel Verbiss ist denn tolerabel? 0% vermute ich mal und selbst dann muss aus Präventionsgründen noch weiter scharf bejagt werden. Kann gar nicht so viel essen, wie ich ……………

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  2. Ulli

    Jäger die sich für so etwas hergeben, in der Schonzeit an einer Drück/Treibjagd auf Rot-und Rehwild teilzunehmen sollte man den Jagdschein entziehen!!

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  3. Mikka

    … die Vollpfosten machen noch so lange bis der letzte Jäger als Schlächter abgestempelt ist.
    Falls dies wirklich an dem ist, hoffe ich der LJV Hessen klagt , da ja hier sämtliche Tierschutzparaphen ausgehebelt werden müssen.

    Liebe Jäger denkt immer dran, dass Wild fällt nicht von alleine um. Es liegt immer an dem der den Finger krümmt, da kann auch Hessenforst nichts machen!!!!

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  4. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Hirschkühe sind nicht schwanger. Hirschkühe (Alttiere) sind beschlagen oder allenfalls trächtig. Wir Jäger müssen der Vermenschlichung der Tiere doch nicht auch noch Vorschub leisten, auch wenn es “nur” sprachlich ist.
    Es wäre doch so einfach. Die Förster müssten einfach mal ihre Nase in ein paar Publikationen stecken und die richtigen Schlüsse aus ökologischen und wildbiologischen Ergebnissen ziehen.
    Bewegungsjagden im Frühjahr sind tierschutzwidrig. In jedem Fall sollten in einem solchen Fall umgehend Strafanzeigen gestellt werden. Wenn Reh- und Rotwild als unsere häufigsten Schalenwildarten die winterbedingt zur Neige gehenden Energiereserven auffüllen wollen, sind sie recht aktiv und suchen diejenigen Orte auf, wo bereits frische Vegetation erscheint. Das sind in der Regel freie Flächen im Wald oder in der Feldflur. Wer dort schon im April rumballert, um es drastisch auszudrücken, treibt das Wild zurück in die dichten Waldpartien. Dort muss es zwangsläufig stärker zu Schaden gehen, wenn es seinen Hunger stillen will, als es das ohne Jagd getan hätte. Wann endlich begreift die Forstpartie diesen Zusammenhang? Das Wild wird immer stärker zum Sündenbock gemacht und soll für forstliche Fehler einstehen. Die nackten Zahlen, auch was den Wald angeht – man schaue mal die Ergebnisse der Bundeswaldinventur an – rechtfertigen nicht die erbarmungslose Jagd, die manche Landesforste unserem Wild angedeihen lassen. Auch Wild ist Bestandteil der heimischen Natur, meine Herren Förster, nicht nur das viele Laubholz, vom keiner weiß, ob es in 150 Jahren gebraucht wird.!!!

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  5. Herbert Gerst

    Ein Fake! Der LJV Hessen ist leider auf eine falsche Aussage der “Hessenschau”-Reporterin hereingefallen, die diese als eigenen Kommentar zum laufenden Bild abgibt. Kein Vertreter von Hessen-Forst hat während der Film-Aufnahmen oder sonstwo “große Treibjagden” ab dem Beginn der Jagdzeit am 1. Mai angekündigt. Weil Drückjagdhochsitze gezeigt wurden und von Drückjagden (“Treibjagden”) die Rede war, hat die hr-Mitarbeiterin wohl in ihren jagdlichen Naivität geglaubt, dass es auch schon am 1. Mai sogleich mit den “Treibjagden” losgeht. Peinlich, darauf reinzufallen.

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    1. Ralf

      Danke für den Hinweis, Herr Gerst!
      Es ist eine wesentliche Frage, wie die Jagd in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Dies hier in Hessen war ein Paradebeispiel, wie es besser nicht laufen sollte.
      Es hätte mich auch gewundert und am gesunden Menschenverstand zweifeln lassen, wenn kurz vor oder gar während der Setzzeit noch Drückjagden stattfinden würden!
      Und – ich muss Professor Pfannenstiel beipflichten, dass wir uns an gewisse Sprach- und Verhaltensregeln halten sollten.
      Die “Jägerspache” ist nicht nur Teil unserer Kultur und Abbild einer gewissen Professionalität, die auch von der nichtjagenden Öffentlichkeit abgefordert wird. Sie ist weit mehr!

      Das jagdliche Brauchtum verkommt zusehends. Hier sehe ich AUCH die Staatsforsten als Vorbilder in der Pflicht, diesen Teil unserer Kultur hochzuhalten!
      Dieses Brauchtum mit den gesellschaftlichen Beiprogrammen (nicht nur die Jahreshauptversammlungen von Hegering und Jägerschaft) dient in Zeiten der Vereinsamung (jeder sitzt nur noch vorm PC) auch der Identitätsfindung und gibt dem Leben noch mehr Sinn.

      Ich weiß nicht, ob es allen so geht, aber ich esse Fleisch bewusster. Vielleicht auch mit dem Hintergrund des nicht gerade geringen Aufwandes der Fleischgewinnung und der Achtung vor den Geschöpfen. Es waren Lebewesen, die ich getötet habe, damit z.B. meine Familie Nahrung haben kann. Beste Nahrung! Ich weiß, wo und wie die Tiere gelebt haben. Und dieses Fleisch habe ich mir im wahrsten Sinne des Wortes “erjagt”. Ich habe Beute gemacht, wie unsere Vorfahren seit Menschengedenken. Ich will jetzt nicht von spirituellen Einflüssen schreiben. Aber kann mandas so ähnlich auch vom Fleisch aus dem Discounter sagen? Diese Frage lasse ich offen. Sie muss sich jeder alleine beantworten. Diesem Hintergrund sollten wir uns stets bewusst sein!

      Die Professionalität im Brauchtum ist meines Erachtens auch notwendig, um einer Vermenschlichung der Wildtiere Einhalt zu gebieten. Wir kommen vielleicht auch in den Bereich der Philosophie.

      Kurz zusammengefasst:
      Aus ethisch und moralischer Sicht ist es aus meiner Sicht erforderlich, dass Tiere nicht zu Menschen werden.

      Wir könnten stundenlang darüber sinnieren, ob Tiere Geschöpfe Gottes sind, soziale Strukturen haben oder Gefühle empfinden. Tiere sind Geschöpfe Gottes, haben soziale Strukturen und empfinden Gefühle. Ich würde aber nicht annähernd auf die Idee kommen, ein vermenschlichtes Lebewesen zu essen. Könnte ich nicht. Da kräuseln sich mir die Nackenhaare. Und Soldaten würden sich in Kriegen oder kriegerischen Auseinandersetzungen nicht töten können, wenn sie sich kennen würden. (Deshalb ist auch wichtig, dass sich Politiker und Staatsoberhäupter in unserer schnellebigen Zeit nicht nur fernmündlich austauschen, sondern sich die Zeit nehmen, eine ganze Weile Kaffee oder auch Bier wie in den 70ern zusammen zu trinken- und nicht mal eben nur im Vorbeifliegen. )
      Fakt ist:
      Das Töten von Tieren bleibt weiterhin notwendig.
      Die Erläuterung der Gründe würde Abende füllen können. (z.B. Stichworte “Hege”, “Tierschutz”, “Fleischgewinnung”, “Wildunfallverhütung”, “Wildschadenabwehr”, “Bestanddezimierung”, “Prädatorendezimierung”, etc.).
      Jeder Jäger/ jede Jägerin sollte sich stets bewusst sein, welche Rolle er/sie spielt! Es ist eine wichtige Rolle in der Gesellschaft!
      Wir sollten uns nicht an den Rand drängen lassen. Da gehören wir nicht hin. Es kommt auf Aktivität und Darstellung an.

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      1. Herbert Gerst

        Hallo Ralf, danke für Ihren Beitrag. Ich gehe inhaltlich völlig einig mit Ihnen. Wir müssen nicht über jedes Stöckchen springen, das uns Politiker oder Medien hinhalten. Etwas mehr Selbstbewusstsein, Rückgrat und auch fundiertes Wissen täte manchen Jägern gut.

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  6. Markus Stifter /LJV Hessen Pressestelle

    Entgegen der Aussage von Herrn Herbert Gerst ist der Landesjagdverband Hessen nicht auf eine falsche Aussage “hereingefallen”, sondern hat diese Aussage mit einer Pressemeldung kommentiert. Der Fehler lag in der HR-Redaktion, die diesen Fehler mittlerweile eingeräumt und eine entsprechene Korrekturmeldung veröffentlich hat. Die Meldung richtete sich an die Gesamtpresse, daher wurde bewusst keine Jägersprache verwendet.

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