LJV Hessen: “Grünes Umweltministerium zeigt sein wahres Gesicht”

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“Mit der Verlängerung der Jagdzeit auf Rehböcke, Schmalrehe, Rot-, Dam-, Sika- und Muffelschmalwild wird manifestiert, dass Tierschutz, Lebensraumgestaltung und Artenreichtum dort nur eine beliebige Floskel zu sein scheint”, klagt der LJV Hessen.

Leider verrät uns der Verfasser der unten stehenden Pressemitteilung des LJV nicht, worüber er sich eigentlich konkret aufregt. Nach Recherchen von JAWINA hat das grüne Umweltministerium in einem Schreiben an den LJV angekündigt, nach dem Urteil des Staatsgerichtshof zur hessischen Jagdzeitenverordnung (JAWINA berichtete) die JagdZVO noch einmal komplett zu überarbeiten – gewissermaßen als Retourkutsche. Die neue Fassung soll, nach den uns vorliegenden, bislang unbestätigten Informationen, am Montag veröffentlicht werden und am Dienstag rechtskräftig werden. In der neuen JagdZVO soll dann die Jagdzeit für das Rehwild auf den 01.04. vorgezogen werden…

In der Pressemitteilung des LJV heißt es weiter: “Auf einer Verbändesitzung, zu der das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Februar eingeladen hatte, wurde von seitens des Hessischen Waldbesitzerverbandes und des ÖJV bereits eine Verlängerung der Jagdzeit auf das Rehwild gefordert. Was für Feldhamster, Waschbär & Co. gilt, wird dem wiederkäuenden Schalenwild in Hessen nun völlig aberkannt:  So werden keine Kosten und Mühen gescheut, den Lebensraum des Hamsters zu sichern, was grundsätzlich sinnvoll ist. Waschbären, die von der EU als invasive gebietsfremde Art eingestuft sind, erhalten eine Schonzeit, die die des Rehwildes bei weitem überschreitet. Das Rehwild wird nun in Hessen 10 Monate lang bejagt – was weder wildbiologisch noch sachlich gerechtfertigt ist.

„Gegenüber dem heimischen Schalenwild wird vom grün geführten Umweltministerium jedoch ein Vernichtungsfeldzug vorbereitet, der seines gleichen sucht. Ausschließlich auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtet, soll eine verfehlte Forstpolitik auf dem Rücken des Wildes ausgetragen werden. Sollte es jetzt nur noch darum gehen, das Wild möglichst schnell zu töten und damit Kosten für Forstgatter oder Einzelschutzmaßnahmen einzusparen, muss man sich fragen, welche Maßnahmen noch kommen werden“, so LJV-Geschäftsführer Alexander Michel.

Der Landesjagdverband Hessen vermisst, dass bei den staatlichen Unterstützungen zur Wiederaufforstungen auch lebensraumverbessernde Maßnahmen für das Schalenwild eingefordert und umgesetzt werden.

Man darf gespannt sein, ob auf den des Umweltministeriums unterstehenden Flächen aktuell für die Mülltonne gejagt wird, denn auch dort dürften durch die Coronakrise einige Absatzmärkte (Wildhandel und Gastronomie) derzeit keinen oder nur geringen Bedarf haben. Eine Partei, die auch immer wieder den Schutz von Tierarten in anderen Ländern der Welt fordert, sollte zunächst bestrebt sein, dies auch im eignen Zuständigkeitsbereich vorzuleben.

Der Landesjagdverband mit seinen Mitgliedsvereinen hat diesen Vorstoß vehement abgelehnt, da eine hessenweite Jagdzeitverlängerung weder nötig noch sachlich oder wildbiologisch zu begründen ist. Vielmehr geraten hochträchtige Ricken und alles übrige Schalenwild in der Zeit der Stoffwechselumstellung in einen erhöhten Stresszustand und weiterhin sind Fehlabschüsse beim weiblichen Rehwild vorprogrammiert, da es nur noch um „Zahl vor Wahl“ geht. Statt eines Schmalrehs (einjähriges weibliches Reh) könnte eine trächtige Ricke, die ein fast vollständig entwickeltes Kitz in sich trägt, erlegt werden.

„Dieses übereilte Vorgehen wäre nicht notwendig gewesen. Schon bereits jetzt wäre es möglich, in besonders gefährdeten Bereichen, auf denen z. B. Neuanpflanzungen erfolgen sollen,  mit Hilfe der bestehenden jagdrechtlichen Möglichkeiten nach § 27 Bundesjagdgesetz und § 26 b Abs. 8 des Hessischen Jagdgesetzes Ausnahmeregelungen für einen vorgezogenen Abschuss zu erwirken“, so Michel weiter.

Der LJV bedauert es daher sehr, dass die Verbände, die diese Jagdzeitverlängerung gefordert haben  (Hessischer Waldbesitzerverband und der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer u. A.), es nicht für notwendig erachtet haben, das Gesprächsangebot des LJV anzunehmen, sich nach dem Überstehen der Coronakrise an einen Tisch zu setzen und das persönliche, direkte Gespräch zu suchen. So hat nun das Umweltministerium, ohne einen Meinungsbildungsprozess abzuwarten, einseitig entschieden. Auf weitere Sachargumente, die unterschiedliche Sichtweisen beleuchten, wurde nicht eingegangen, insbesondere auch die umfänglichen Hinweise, die bisher immer wieder durch den LJV kommuniziert wurden.

Wenn damit im Sinne des Koalitionsvertrages gemeint ist, die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft zu intensivieren, mag man auf die Zukunft weiter gespannt sein.

Sowohl der Landesjagdverband Hessen als auch der Deutsche Jagdverband (DJV) haben sich stets kooperativ gezeigt und Lösungsvorschläge vorgelegt:

Download: Pressemeldung 4-Punkte-Plan des LJV Hessen: „Wald mit Wild ist möglich“
https://www.dropbox.com/s/t757w5vi28ctkxz/PM_Wald-mit-Wild-ist-moeglich2.pdf?dl=0

Link: DJV-Pressemitteilung „Gemeinsam für einen klimastabilen Wald“
https://ljv-hessen.de/gemeinsam-fuer-einen-klimastabilen-wald/ PM

Beitragsbild: Erlegte Rehe (Symbolbild) Foto: SE

11 Gedanken zu „LJV Hessen: “Grünes Umweltministerium zeigt sein wahres Gesicht”

  1. Thomas

    Nur mal ein kleiner geographischer Tipp: Der Beitrag: Jäger findet Leiche sollte vielleicht mal korrigiert werden. Meisdorf liegt in Sachsen-Anhalt und nicht in SACHSEN!!!

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      1. Jäger aus Walhall

        Sachsen ist ein Freistaat – Anhalt nur so eine Art „Anhang“. Die sind quasi schon froh, wenn sie Sachsen im Namen führen dürfen und darüber, dass das so bleiben darf.

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Lasst doch die Forstpartie im eigenen Saft schmoren! Wenn kein ziviler Jäger mehr im Landesforst jagt, bricht dort doch ohnehin der ganze Laden zumindest in jagdlicher Hinsicht zusammen. Lediglich zwei Monate Schonzeit dürften einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen. Das sollte der Landesjagdverband Hessen durch ein Normenkontrollverfahren überprüfen lassen.

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    1. admin Beitragsautor

      Wieso nicht? Weil Sachsen-Anhalt sonst Truppen nach Brandenburg entsendet? Oder ist das so, als würde man sich über Schwächere (Bettnässer, Brillenträger…) lustig machen?

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  3. Thomas

    Was sollen denn Truppen in Brandenburg? Streusand klauen? Ich weiß gar nicht, was die Kommentare sollen. In der Überschrift war ein geographischer Fehler, da beißt die Maus keinen Faden ab. Den Fehler bekommt man auch nicht mit sinnlosen Kommentaren weg…:-)! Aber fällt einigen vielleicht schwer…

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  4. Dr. Wolfgang Lipps

    Was hat denn die april-scherz-ähnliche Diskussion um Sachsen und Sachsen-Anhalt mit der Tatsache zu tun, dass in Hessen durch eine weitere Verlängerung der Jagdzeit nach vorne gegen den Tierschutz und die Weidgerechtigkeit verstoßen wird? Das liegt erkennbar für die Forstpartie (und natürlich für die Schlumpschützengilde) schon so im wünschenswerten Trend, dass sich außer Prof. Pfannenstiel (und mir) keiner mehr aufregt, oder?

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    1. Peter-Claus Neigenfind, JV Bernau Öffentlichkeitsarbeit, JV Pribram CZ

      Es gibt doch noch viele Jäger die kein Verständnis für derartige Veränderungen des Jagdgesetzes haben.
      Von 5 1/2 Monaten Jagdruhe auf den Rehbock bleiben 2 Monate übrig !! Wo sind die sogenannten
      Tierschützer und Vereine die sonst gegen jeden Verstoß klagen. Und wo sind unsere Jagdverbände
      und der DJV ? Es wird in den Jagdzeitungen protestiert und das wars. Die Kombination Forst / Jagdbehörde
      läßt keine Gelegenheit aus um uns Vorzuführen. Mitgliederwerbung wird für uns immer schwieriger.
      In unserer Hegegemeinschaft fragen Interessierte wozu sie einem Verband beitreten sollen der ihre
      Interessen nur halbherzig vertritt und langjährige Mitglieder, warum sie im Verband bleiben sollen.
      Viele Austrittswillige stehen in den Startlöchern, ich gehöre auch dazu, wenn die Verbände nicht endlich
      klare Stellung zu “unserer” Jagd beziehen.
      Peter-C.Neigenfind, Vors. Hegegemeinschaft Niederwild, Barnim Süd

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